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LUZERN: Vermisstmeldungen auf Social Media: Polizei warnt vor Nachwirkungen

Immer wieder suchen Private via Facebook und Twitter nach vermissten Personen. Die Polizei steht diesem Vorgehen skeptisch gegenüber. Grund: Für die Vermissten kann die mediale Präsenz dauerhafte Nachteile haben.
Social-Media-Icons auf einem Smartphone. (Bild: Imago)

Social-Media-Icons auf einem Smartphone. (Bild: Imago)

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Diese Woche wurde in unserer Region ein Mädchen vermisst. Der Teenager hatte sein Zuhause am Montagabend verlassen und sich bei seinen Eltern nicht mehr gemeldet. Daraufhin suchten Familie und Freunde unter anderem via Facebook nach ihr. Die Anteilnahme war riesig, der Aufruf wurde allein auf Facebook tausendfach geteilt. Darüber hinaus prangten selbst erstellte Aushänge an Bushaltestellen.

Am Donnerstagmorgen die Entwarnung: Die Vermisste ist wieder aufgetaucht. Glücklich bedankt sich der Vater auf Facebook für die grosse Unterstützung bei der Suche.

Kein Einzelfall: Immer wieder organisieren Private die Suche nach Vermissten selber – zum Beispiel via Facebook oder Twitter. Nicht in jedem Fall ist ein öffentlicher Aufruf allerdings sinnvoll, wie Polizeisprecher Urs Wigger auf Anfrage unserer Zeitung sagt. Im konkreten Fall sah die Polizei bewusst davon ab.

«Der Polizei überlassen»

Wigger warnt davor, Vermisstmeldungen selbst in die Hand zu nehmen. «Eine öffentliche Fahndung sollte in jedem Fall der Polizei überlassen werden.» Nur so habe man Gewähr, dass ausschliesslich korrekte Fakten verbreitet würden. Zudem: «Das Internet vergisst nie», betont er. Auch Jahre danach könne man solche Aufrufe im Web noch finden. Das könne unerwünschte Auswirkungen für die betroffene Person haben.

Unvergessene Ausreisserin

Urs Wigger nennt ein Beispiel: Ein 13-jähriges Mädchen reisst von zu Hause aus, weil es sich mit den Eltern streitet. Freunde von ihr machen im Internet einen Aufruf mit Fotos und sonstigen privaten Details. Zwei Jahre später – das Mädchen hat die Krise längst überwunden – sucht es eine Lehrstelle. Der Lehrmeister tippt den Namen bei der Suchmaschine Google ein - und schon liegt ihm der Fall vor. Solche Fälle habe es gegeben, so Wigger.

Bei der Polizei wäge man deshalb sorgfältig ab, ob eine Öffentlichkeitsfahndung zielführend und die gesetzlichen Grundlagen dafür gegeben seien. Das Polizeigesetz hält fest, dass eine öffentliche Fahndung mit oder ohne Bild dann zulässig ist, wenn der Verdacht besteht, dass die gesuchte Person verunfallt oder Opfer eines Verbrechens geworden ist. Des Weiteren darf die Polizei nach einer Person fahnden, wenn sie sich selbst oder Dritte gefährden könnte.

Dennoch kann der Polizeisprecher den sozialen Medien auch Positives abgewinnen. «Wird eine Vermisstmeldung via Internet verbreitet, ist die Reichweite viel grösser.»

2015 gab es deutlich mehr Vermisstmeldungen

Im vergangenen Jahr registrierte die Luzerner Polizei total 533 abgängige – also verschwundene – Personen. Die Polizei unterscheidet zwischen «vermisst», «entwichen» und «entlaufen». 2016 wurden 93 Personen vermisst, 393 sind entwichen und 47 entlaufen.

Vermisst wird jemand, wenn er aus dem gewohnten Lebensbereich verschwunden ist. Entweichen umfasst das Entfernen aus einer Anstalt (wie etwa einem Heim), und als entlaufen gelten unmündige Personen, die sich aus dem gewohnten Lebensbereich entfernen.

Die Zahlen der abgängigen Personen pendelten sich im Kanton Luzern zwischen 2010 und 2014 bei etwas über 400 pro Jahr ein. 2015 erreichten sie mit 671 einen Spitzenwert. Gründe für diesen Ausreisser kennt die Luzerner Polizei nicht. Urs Wigger weiss hingegen, welche Motive hinter einem Verschwinden stecken können: «Die Auslöser für das Verschwinden können ganz unterschiedlich sein. Oftmals sind es aber Probleme im privaten Bereich.» Dies könnten finanzielle Sorgen oder aber auch Streitigkeiten innerhalb der Familie sein. Möglich sei auch, dass eine Person Abstand braucht und sich eine Auszeit nimmt, ohne das Umfeld zu informieren, so Wigger.

Zwei Dutzend Langzeitvermisste

Auch zum Alter der abgängigen Personen gibt es keine konkreten Angaben. «Die Altersstruktur der betroffenen Personen ist so unterschiedlich wie das Motiv.» Die meisten vermissten Personen tauchen nach kurzer Zeit wieder auf, wie Wigger sagt. Über zwei Dutzend Personen stehen allerdings derzeit auf der Langzeitvermissten-Liste. Dabei handelt es sich unter anderem auch um Personen, die während eines Auslandaufenthaltes nicht mehr zurückgekehrt sind.

Eine Person kann für verschollen erklärt werden. Dies ist dann der Fall, wenn die Vermutung, dass eine Person nicht mehr am Leben ist, vom Gericht festgestellt wird. Dieses Prozedere läuft allerdings nicht mehr über die Polizei, sondern über das Gericht.

Laut Patrick Vogel, Gemeindeschreiber von Emmen, muss die Person, die Rechte aus dem Tod ableitet, ein entsprechendes Gesuch beim Gericht stellen. Bei hoher Todesgefahr - etwa einem Tsunami - ist das nach einem Jahr möglich. Bei nachrichtloser Abwesenheit kann fünf Jahre nach der letzten Nachricht ein Gesuch eingereicht werden. Steht das Urteil fest, wird das Zivilstandsamt mit dem rechtskräftigen Urteil bedient, erklärt der Gemeindeschreiber. «Ein solches Szenario ist äussert selten», so Patrick Vogel.

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