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LUZERN: Verprügelt – und keiner hilft

Attackiert von zehn Jugendlichen, schreit André Egli (48) um Hilfe – doch keiner reagiert. Dabei wäre es Pflicht.
Sandra Monika Ziegler
André Egli auf der Bank, auf der er attackiert wurde. (Bild Sandra Monika Ziegler)

André Egli auf der Bank, auf der er attackiert wurde. (Bild Sandra Monika Ziegler)

Sandra Monika Ziegler

Die Attacke ereignete sich am 31. Mai morgens um halb zwei hinter dem Luzerner Bahnhof auf dem Nachhauseweg. Der 48-jährige André Egli hatte das Wauw-Fest besucht, ein Festival der Sinne an der Luzerner Industriestrasse. Anschliessend begab sich Egli mit einem Kollegen zum Bahnhof.

Sein Kollege wollte den letzten Zug nach Malters nehmen, doch diesen verpasste er und nahm stattdessen den Nachtbus. Sie verbrachten die Wartezeit mit einem Spaziergang rund ums KKL. «Den ganzen Abend hatten wir immer wieder etwas getrunken. Leider habe ich nicht viel gegessen, und es ging mir mies», erzählt Egli. Er legte sich auf eine Parkbank beim Inseli, sein Kollege ging auf den Nachtbus. «Er fragte mich, ob er bleiben soll, doch ich fühlte mich besser und sagte ihm, er könne unbesorgt gehen.» Das sei wohl ein Fehler gewesen, so Egli im Nachhinein.

Zehn gegen einen

Egli döste vor sich hin. Immer wieder traf ihn ein Kieselstein. «Ein Bubenstreich», dachte er sich, stand auf und wollte zwischen KKL und Uni Richtung Bahnhof laufen. Bei der Kreuzung nach dem Inseli-Carparkplatz umringten ihn zehn Jugendliche und schlugen unvermittelt auf ihn ein. Alles Schreien habe nichts geholfen – obwohl gemäss Egli Menschen in der Nähe waren: Einige Personen luden Musik-Equipment aus dem KKL in einen Lieferwagen.

Egli verharrte in Embryostellung auf dem Boden und schützte den Kopf mit hochgezogenen Armen. Die Jugendlichen droschen weiter auf ihn ein, klauten ihm Portemonnaie und Handy und liessen ihn schliesslich liegen. Er rappelte sich auf und taumelte zu den Männern, welche Kisten in den Wagen hievten. «Könnt ihr mir ein Handy geben, um die Polizei anzurufen?», fragte er die Männer. Keine Reaktion. Drei Jugendliche, die sich in der Nähe befanden, erkannten die Situation und kontaktierten die Polizei. Die Ambulanz kam, Egli wurde medizinisch betreut. Für André Egli ist es unfassbar, dass ihm von den zuerst angesprochenen Männern keiner helfen wollte. Er überlegt sich deshalb, eine Anzeige wegen unterlassener Nothilfe einzureichen. Der Raub gilt als Offizialdelikt und wird geahndet.

Wer nicht hilft, macht sich strafbar

Wäre es die Pflicht der Männer gewesen, zu helfen? Wann muss Hilfe geleistet werden, und machen sich Personen, die dies unterlassen, strafbar? Im Artikel 128 des Schweizer Strafgesetzbuchs steht: «Wer (...) nicht hilft, obwohl es ihm den Umständen nach zugemutet werden könnte, wer andere davon abhält, Nothilfe zu leisten, oder sie dabei behindert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.»

Gabriela Schneeberger vom Samariterverein Luzern SRK erklärt ebenfalls: «Es muss jeder helfen, so wie er kann.» Ein Phänomen sei es aber, dass, wenn niemand helfe, alle Passanten die verletzte Person liegen liessen. «Ist aber jemand bei der verletzten Person und bittet andere um Hilfe, dann kommen mehrere Personen zusammen und helfen auch.» Schneeberger weiss, dass es viele Menschen gibt, die sich die erste Hilfe nicht zutrauen. Doch in einer Notsituation sei es besser, etwas zu tun als gar nichts. Deshalb rät sie: «Wer unsicher ist, kann in einem 3-Stunden-Kurs die Kenntnisse beim Samariterverein wieder auffrischen.» In der Schweiz sei es ausserdem so, dass ein Laie, der bei der Ersten Hilfe einen Fehler macht, dafür später nicht juristisch belangt werden kann.

So kann man helfen

Ein Beispiel, wie man helfen kann: Ein Radfahrer stürzt und bleibt auf der Fahrbahn liegen. «Zuerst über die Nummer 144 den Rettungsdienst alarmieren, dann den Ort sichern, damit die Person nicht überfahren wird, und um Hilfe rufen», so Schneeberger. Den Verletzten in Seitenlage bringen und darauf achten, dass das Kinn nach oben zeigt. «Das ist wichtig, weil so die Atemwege frei sind. Falls die verletzte Person erbrechen muss, wird sie so nicht ersticken», erklärt Gabriela Schneeberger.

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