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LUZERN: Verteilkampf unter den Schulen

Den Schulen weht ein rauer Wind entgegen. Besonders hart trifft es die privaten Anbieter, denen der Staat das Wasser abgräbt.
Michelle Gsteiger unterrichtet Schüler an der privaten Zeit-Kind-Schule an der Hirschmattstrasse in Luzern. (Bild Philipp Schmidli)

Michelle Gsteiger unterrichtet Schüler an der privaten Zeit-Kind-Schule an der Hirschmattstrasse in Luzern. (Bild Philipp Schmidli)

Charly Keiser

Vorletzte Woche hat das katholische Mädchen-Institut Rhaetia in Luzern sein Aus per Ende Schuljahr bekannt gegeben. Die Gründe für das Ende nach 106 Jahren sind mannigfaltig. Der im Grunde wichtigste Faktor ist die demografische Entwicklung. Erst in etwa fünf bis sechs Jahren sollen im Kanton Luzern die Schülerzahlen in der Oberstufe wieder ansteigen und wird damit die Nachfrage nach entsprechenden Schulplätzen wieder grösser werden. Mindestens bis dannzumal tobt darum ein heftiger Verdrängungskampf unter Privatschulen. Und zwar in mehrerlei Hinsicht, wie von verschiedenen Seiten zu hören ist.

Staatliche Schulen im Wettstreit

So buhlen einerseits die Gymnasien und Berufsschulen um die immer weniger werdenden Schüler; genauer tobt da also ein interner Wettstreit der staatlichen Anbieter. «Anderseits füllt die öffentliche Schule ihre Klassen auf Kosten der Privatschulen», sagt Markus Fischer, Sekretär des Verbands Schweizerischer Privatschulen (VSP).

Diese böten heutzutage, etwa mit Niveauklassen, die Kernkompetenzen an, die vormals nur von den Privaten angeboten worden seien, erklärte bereits Rhaetia-Schulleiter Erwin Hofstetter gegenüber unserer Zeitung. Darum habe das Institut rund 10 bis 20 Schülerinnen verloren, die vormals dank einem Leistungsauftrag des Kantons unterrichtet worden seien. Aufgrund von Sparmassnahmen seien dem Rhaetia auch Subventionen gestrichen worden, sagte Hofstetter und resümierte: «Der Wandel der öffentlichen Schule mit Mittagstisch und Betreuung deckt heute vieles ab, was zuvor nur Tagesschulen anbieten konnten.»

Dem pflichtet Fischer bei: «Es ist absolut logisch, dass der Staat zuerst für sich schaut, er ist sich selbst natürlich am nächsten.» Und dies, obwohl erwiesen sei, dass Privatschulen grundsätzlich günstiger seien als die öffentliche Schule. So seien die Gebäude- und Lohnkosten der Privatschulen meist tiefer, und es entfalle der Überbau – sprich der Beamtenapparat der öffentlichen Schule. Auch müssten sich die Privatschulen um eine bessere Qualität bemühen, fügt Fischer an und begründet: «Um im Markt bestehen zu können, müssen sie den Schülern eine höhere Zuwendung angedeihen lassen und grundsätzlich qualitativ besser sein.»

Private unter «Generalverdacht»

Trotzdem stünden die Privatschulen unter einem absurden dreifachen Generalverdacht, so Fischer. «So wird erstens immer wieder behauptet, die Schüler der privaten Schulen seien zu dumm, um an der Regelschule bestehen zu können.» Dann heisse es zweitens, die Lehrer seien zu schlecht für ein Engagement an der Staatsschule. «Und drittens ist das Geldverdienen der privaten Schulen bei den Leuten, für die die Chancengleichheit das oberste Gebot ist, verpönt und suspekt.» Diese Gründe sorgten dafür, dass die Privaten nur wenig und immer geringer unterstützt würden und darum als Alternative zur öffentlichen Schule politisch nicht mehrheitsfähig seien.

«Bildungslabors» für Volksschulen

Doch all dies sei nur politisch motiviert, ergänzt Fischer. Es gehe nämlich darum, die Unternutzung der öffentlichen Schulen zu verhindern und auf Kosten der Privatschulen das eigene Angebot auszubauen oder zumindest weniger zurückzufahren. Denn eines sei klar, betont er: «Es sind die Privatschulen, die quasi als Bildungslabors die Schulentwicklung vorantreiben. Der Staat kopiert die erfolgreichen Konzepte und gräbt damit den Privaten das Wasser ab.» Fischer gibt drei Beispiele: «Den zweisprachigen Unterricht haben Privatschulen erfolgreich eingeführt.» Auch das zehnte Schuljahr als Brückenangebot sei eine Erfindung einer Privatschule. «Und der zweite Bildungsweg mit Gymnasien für Erwachsene ist lange nur bei privaten Anbietern überhaupt möglich gewesen.»

Hunderte Klassen abgebaut

Es entspräche zwar den Tatsachen, dass aufgrund von Sparmassnahmen die Privatschulen zunehmend weniger Geld und Schüler vom Staat erhalten würden, bestätigt Charles Vincent, der für die Volksschule im Kanton Luzern verantwortlich ist. «Doch die stetige Zunahme des Anteils der Privatschulen in den vergangenen Jahren widerspricht der Theorie.» Tatsächlich ist der Anteil seit 2010 leicht gestiegen und stagniert seit letztem Jahr (siehe graue Box). Vincent räumt dennoch ein, dass er in den kommenden Jahren wieder leicht zurückgehen dürfte.

Vincent betont indes, dass die Volksschule aufgrund des Schülerrückgangs in den letzten zehn Jahren Hunderte Klassen abgebaut hätte. Ein Blick in die Statistik der Luzerner Volksschule bestätigt: In den letzten zehn Jahren wurden auf der Primarstufe 200 und in der Sekundarstufe 100 Klassen abgebaut.

Private sollen «Nische besetzen»

Charles Vincent schätzt die Privatschulen, wie er sagt. Diese seien eine «wichtige» Ergänzung zur Volksschule, und er betrachte sie darum nicht als Konkurrenz. Ein Problem für bestimmte Schulen ortet er bei Firmen, die nicht mehr so einfach bereit seien, ihren Angestellten die Privatschulen zu finanzieren. «Es ist wichtig, dass die Privatschulen innovativ sind und eine Nische besetzen», betont Vincent. «Denn es macht keinen Sinn für eine Privatschule, wenn sie das genau Gleiche anbietet wie die Volksschule.»

Genau im Sinne Vincents agiert Armin Fähndrich mit seiner Zeit-Kind-Schule (ZKS). Und dies seit 15 Jahren. Obwohl in der Schule an der Hirschmattstrasse in Luzern keine Tagesstruktur angeboten wird, ist sie voll ausgelastet. «Bei uns ist der Faktor Zeit Programm, erklärt Fähndrich. Mit bis zu 14 Kindern pro Klasse und zwei Lehrern im Vollpensum in der Primarstufe und 18 Schülern und zwei Lehrern in der Oberstufe könne sehr effizient gearbeitet werden. Der Einbezug der Eltern in Form einer Elternweiterbildung sei ein weiterer Faktor, der für den Erfolg der Schule verantwortlich sei. Entsprechend wichtig sei die Auswahl der Lehrerinnen und Lehrer, fügt Fähndrich an. «Ein Diplom alleine genügt nicht und sagt mir nichts. Vielmehr müssen Lehrpersonen bei uns teamfähig, beziehungsfähig und leidenschaftlich sein.»

Kanton dreht Geldhahn zu

Trotz des Erfolgs ist Armin Fähndrich «nicht rundum glücklich», wie er verrät. Denn der Kanton sei ab Ende Schuljahr 2016/17 nicht mehr bereit, die von der Zeit-Kind-Schule gestellten finanziellen Bedingungen zur weiteren Beschulung von Sonderschülern zu erfüllen. Hinzu komme, dass ein Sonderschüler an einer Privatschule den Kanton nur etwa einen Drittel so viel koste wie an anderen Institutionen mit kantonalem Leistungsauftrag.

Privatschulen im Kanton Luzern

Jahr Anteil Schüler in Prozent
2010 1,3
2011 1,4
2012 1,4
2013 1,5
2014 1,7
2015 1,7

Quelle: Kanton Luzern

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