LUZERN: «Vier Marronistände sind genug»

Sechs Marronibrater buhlen um Standplätze in Luzern. Doch die Stadt bleibt dabei: Es gebe keine Nach­frage für zusätzliche Stände.

Yasmin Kunz
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Mario Lütolf gestern mit einer Marronitüte Unter der Egg. Die Vergabepraxis seiner Verwaltungsabteilung sorgt für Kritik. (Bild Pius Amrein)

Mario Lütolf gestern mit einer Marronitüte Unter der Egg. Die Vergabepraxis seiner Verwaltungsabteilung sorgt für Kritik. (Bild Pius Amrein)

Dass die Stadt Luzern bei der Vergabe der vier Marronistandplätze auf ein Verlosungsverfahren setzt, wirft viele Fragen auf. Obwohl dieses Ausleseverfahren rechtlich gesehen zulässig ist, wird es von den Marroniverkäufern als unfair betrachtet.

Ein Blick in andere Städte zeigt, dass Luzern als einzige Stadt bei der Vergabe der Stände eine Losziehung veranstaltet (Ausgabe von gestern).

Mario Lütolf (53), Verantwortlicher Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern, erklärt, weshalb das Losverfahren sinnvoll sei.

Mario Lütolf, gemäss der Stadt gibt es keinen Bedarf für zusätzliche Marronistände. Woher wissen Sie das so genau?

Mario Lütolf: Wir schätzen das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ab. Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass vier Marronistände die Nachfrage abdecken und genügen. Der Anfragedruck hat nicht zugenommen.

Dieses Jahr gibt es sechs Bewerber für vier Marronistände. Ist dies das erste Mal, dass es mehr Bewerber als Stände gibt?

Lütolf: Nein, es hat schon mehrmals eine oder zwei Anfragen mehr gegeben. Man konnte das jedoch immer regeln. Zum einen haben nicht immer alle Bewerber die Zulassungskriterien erfüllt und durften demzufolge keinen Stand führen. Zum anderen haben wir 2013 einen neuen Standplatz – jenen bei der Kantonalbank – geschaffen.

Wenn letztes Jahr ein neuer Standplatz geschaffen wurde, warum geht das diesmal nicht?

Lütolf: Die guten, gewinnbringenden Plätze in der Stadt Luzern sind ausgeschöpft. Wir sehen uns da im Auftrag, ein fairer Vergabepartner zu sein, und wollen nicht, dass die Verkäufer einen unattraktiven Standplatz erhalten.

Es kann der Stadt doch egal sein, wenn ein Marroniverkäufer an einem schlecht besuchten Platz einen Stand betreiben will.

Lütolf: Nein, das wäre nur unfair. Wir haben das beim Marronistand am Löwenplatz gesehen. Diese Verkäuferin musste den Stand schon in der ersten Saison wieder aufgeben, weil er schlicht zu wenig Einnahmen generierte.

Wieso lässt man nicht einfach den freien Markt walten?

Lütolf: Erstens sind nicht alle Plätze geeignet für Marronistände, wie das Beispiel Löwenplatz zeigte. Zweitens dürfen bestehende Infrastrukturen nicht behindert werden. Da kann nicht bloss der freie Markt walten. Zudem ist der Nutzungsdruck auf öffentliche Plätze bereits enorm, und die Kritik der Bevölkerung steigt.

Kritik an den Marroniständen?

Lütolf: Nein, Kritik gibt es eher wegen der vielen Veranstaltungen und Aktivitäten, die in Luzern stattfinden. Da kann es passieren, dass sich Anwohner stören und reklamieren. Und weil der Nutzungsdruck enorm ist, bewilligen wir Verpflegungsstände grundsätzlich nicht.

Ausser für Marroni...

Lütolf: Genau. Die Marroni haben einen speziellen Angebotscharakter. Es ist ein Produkt, das zum Winter gehört. Und die Anfrage, in den Wintermonaten öffentlichen Grund zu mieten, ist sehr gering. Darum können wir bei den Marroniverkäufern sozusagen eine Ausnahme machen. Man könnte auch sagen, die Marroniverkäufer seien privilegiert.

Ist die Verlosung der Weisheit letzter Schluss?

Lütolf: Ja. Es gibt keine andere Möglichkeit. Der Grundsatz bei der Platzvergabe lautet, dass alle Bewerber gleich behandelt werden. Durch die Eignungskriterien ist dieser Anforderung bereits Genüge getan. Weil es sich um ebenbürtige Gewerbsgenossen handelt, bleibt uns nur das Losverfahren.

In Winterthur werden langjährige Marronibrater von der Verlosung ausgenommen. Ein Modell für Luzern?

Lütolf: Das wäre ein unfaires Vorgehen. Wen würden Sie dann aus der Verlosung nehmen?

Jene, die sich mit dem Marroniverkauf eine Existenz aufgebaut haben ...

Lütolf: Es haben sich doch alle Marroniverkäufer eine Existenz aufgebaut. Und: Das wäre kein rechtliches Vorgehen. Das Urteil des Kantonsgerichts Luzern und das Wettbewerbsrecht besagen, dass auch neuen Bewerbern die Möglichkeit eröffnet werden muss, ein Standplatz zugesprochen zu erhalten. Wir sehen uns mit dem Los-Verfahren auch etwas als Vorreiter, weil wir uns dem wettbewerbsrechtlich korrekten Verfahren widmen.