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LUZERN: Volkspalast und Streikzentrale: Höhen und Tiefen in 105 Jahren Hotel Anker

Das Haus am Pilatusplatz hat Höhen und Tiefen erlebt wie kaum ein Gebäude in der Stadt. Einst war es als «Luzerner Kreml» verrufen.
Sandra Monika Ziegler
Aussenansicht des Volkshauses von damals und wie es heute aussieht. (Bild: Archiv und Emanuel Ammon / Aura)

Aussenansicht des Volkshauses von damals und wie es heute aussieht. (Bild: Archiv und Emanuel Ammon / Aura)

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Im Jahr 1913 wurde das Volkshaus am Pilatusplatz mit einem feierlichen Akt eröffnet. Das musikalische Rahmenprogramm wurde bewusst kämpferisch gewählt. So spielte die Eisenbahnermusik Luzern Wilhelm Lüdeckes Triumph-Ouvertüre, und der sozialdemokratische Sängerbund sang aus vollen Kehlen den Freiheitschor von Gustaf Adolf Uthmann, dem Hauskomponisten der deutschen Arbeiterbewegung. Ein bewusst gewählter musikalischer Seitenhieb an die Adresse der Oberen.

Denn Luzern war damals den Gewerkschaften und der Arbeiterbewegung nicht wohlwollend gesinnt. Und Unterstützung von Seiten der Unternehmer, wie sie es etwa in Zürich gab, blieb in Luzern gleich ganz aus. Selbst an der Eröffnungsfeier liessen sich weder der damalige Stadtpräsident Hermann Heller der Ältere noch die Kantonsregierung blicken. Doch der Stolz der Volkshausgenossenschaft über den Bau – sie ist die Trägerin des Hotels Volkshaus – liess sich dadurch nicht trüben.

Vor dem Besuch des Volkshauses wurde gewarnt

Das Haus wurde zum Hauptquartier der Streikenden und deren Schaltzentrale. Von hier aus konnten die Luzerner Gewerkschaften für den Landstreik von 1918 die Lahmlegung der Infrastrukturen wie Bahn, Post und Telefon organisieren. Damit wurden die Bürgerlichen in Angst und Schrecken versetzt. Und als dann noch ein Jahr später die Sozialdemokraten ins städtische Parlament einzogen, war die Angst vor einem roten Luzern definitiv gefestigt. So wurde das Haus am Pilatusplatz bald einmal als «Luzerner Kreml» bezeichnet und die Bürgerlichen warnten ihre Söhne und Töchter vor einem Besuch in diesem Etablissement.

Vorbild für das mächtige Haus am Pilatusplatz waren gleich zwei Volkspaläste – einer in England, der andere in Belgien. In England entstand «The People’s Palace» in den Jahren 1865 bis 1873, und in Belgien wurde 1899 das «Maison du Peuple» eröffnet. Diese Bauten beflügelten und bestärkten den Wunsch der Schweizer Arbeiterorganisationen nach einem eigenen Haus. Und auch der Luzerner Gewerkschaftsbund wollte eine Zentralherberge. Die Idee reifte, und die Suche nach einem geeigneten Standort begann. Nachdem die Genossenschafter am Pilatusplatz fündig wurden, musste noch ein geeigneter Architekt gefunden werden. Dazu wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Die städtische Jury, mit dem Engelberger Hotelarchitekten Arnold Cattani als Präsidenten, entschied sich unter den drei eingereichten Projekten für jenes des Luzerner Architekten Carl Griot (1859-1944) mit dem Namen «Vorwärts». Griot begann Ende 1911, das Hotel Volkshaus für die Volksgenossenschaft zu entwerfen. Die Baueingabe erfolgte schon im März 1912. Griot schaffte es in kurzer Zeit, die Wünsche der Volkshausgenossenschaft und die Bedingungen der Ausschreibung zu berücksichtigen.

Magnet für Hotelgäste aus nah und fern

Carl Griot plante im Erdgeschoss Restaurants mit Rundbogenfenster, darüber einen Saal mit ebenfalls rundbogigen Fenstern und in den oberen Etagen Hotelzimmer. Griot setzte mit seinem Bau ein markantes Zeichen in der Luzerner Architektur, und das Haus am Pilatusplatz zählte zu den modernsten Häusern der Stadt. Es war der letzte grosse Hotelbau vor dem Ersten Weltkrieg – ein Magnet für Hotelgäste aus nah und fern. Denn das Hotel konnte mit zahlreichen Annehmlichkeiten punkten. So bestand schon damals ein Haustelefon, das jedes Zimmer mit Empfang und Buffet verband. Zudem hatte jedes Zimmer Warmwasser, Bäder und Toiletten. Eine Ausstattung, die zu der Zeit kein anderes Haus bieten konnte.

Zu den technischen Highlights gehörten auch eine elektrische Zentraluhr mit exakter Zeitangabe in allen öffentlichen Räumen und ein hydraulischer Aufzug für die schweren Bierfässer, um nur einige zu nennen. Das Haus beherbergte aber nicht nur Gäste aller Couleur, sondern war schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg an den Rüüdigen Tagen ein beliebter Treffpunkt für die Fasnächtler, allem voran mit dem legendären «Nägeli-Ball». Und im grossen Saal wurde Bingo-Spielen zum Volkssport. Ein Volkshaus eben.

Mitte der 1970er Jahre gab die Volkshausgenossenschaft den Betrieb in Pacht ab, und aus dem Volkshaus wurde der «Anker». Diesen Namen erhielt das Haus vom ersten Pächter Robert Volz, bisheriger Wirt im Restaurant Frohburg. Er begründete die Namenswahl damit, dass mit dem Buchstaben A wie Anker dieses im Telefonbuch als erstes Hotel erscheint. Als Verwaltungsrat amtete der Vorstand der Volkshausgenossenschaft. Doch anstatt Geld für nötige Sanierungen bereitzustellen, wurden die Genossenschafter je nach Anzahl Anteilscheinen fürstlich belohnt. Als bei Banken die Zinsen bereits im Keller waren, zahlte die Genossenschaft noch satte drei Prozent aus.

2012 für 4,2 Millionen Franken verkauft

Betriebswirtschaftlich konnte das Hotel Anker nicht profitieren, und nötige Sanierungen wurden nicht getätigt. Es mussten neue Ideen her, die sich mit dem Genossenschaftsgedanken vereinbaren liessen. Der einzige Ausweg zeichnete sich mit einem Verkauf ab. Die Genossenschaft bot das Haus für 4,5 Millionen Franken an. Einer der vielen Interessenten war Peter Eltschinger, Verwaltungsratspräsident der Remimag Gastronomie AG. Er erhielt den Zuschlag und kaufte den «Anker» 2012 für 4,2 Millionen Franken. Das Haus wurde umgebaut, im Jahr 2016 eröffnet und ist heute eine Perle – und für Eltschinger eine Herzenssache.

Hinweis

Informationen zum Artikel stammen aus dem Bildband «Hotel Anker – eine Perle der Moderne» und von Ueli Habegger.

Aussenansicht des Volkshauses von damals und wie es heute aussieht.

Die damalige Gaststube (1943) und das heutige Restaurant.

Aufrichtefest nach der Fertigstellung des Rohbaus im Jahr 1912 sowie Bauarbeiter während der grossen Umbauarbeiten im Hotel Anker

Die damalige Gaststube (1943) und das heutige Restaurant. (Bild: Hotel Archiv Schweiz und Gabiel Ammon / Aura)

Die damalige Gaststube (1943) und das heutige Restaurant. (Bild: Hotel Archiv Schweiz und Gabiel Ammon / Aura)

Aufrichtefest nach der Fertigstellung des Rohbaus im Jahr 1912 sowie Bauarbeiter während der grossen Umbauarbeiten im Hotel Anker. (Bilder: Carl Griot und Gabriel Ammon / Aura)

Aufrichtefest nach der Fertigstellung des Rohbaus im Jahr 1912 sowie Bauarbeiter während der grossen Umbauarbeiten im Hotel Anker. (Bilder: Carl Griot und Gabriel Ammon / Aura)

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