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LUZERN: Vollzeit-Chefs sind nach wie vor die Regel

Der Anteil an Kaderstellen, die mit einem Pensum von weniger als 90 Prozent besetzt sind, geht leicht zurück – und das trotz neuen Arbeitsmodellen. Denn diese haben Nachteile, begründen angefragte Unternehmen.
Martina Odermatt
Bild: Grafik LZ

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Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Wer eine Teilzeitstelle in einer Kaderposition sucht, der dürfte es nicht so einfach haben. Ein Blick in aktuelle Inserate zeigt: Führungspositionen gibt es immer noch fast ausschliesslich Vollzeit. Dabei arbeiten viele Personen Teilzeit – gut jeder dritte Erwerbstätige arbeitet in einem Teilzeitpensum, wie eine Erhebung des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigt.

Geht es jedoch um Führungspositionen, wünschen sich viele Firmen den Chef (fast) immer im Haus. Von knapp 60 000 Kaderstellen im Kanton Luzern sind gut 50 000 im Vollzeitmodus besetzt, das heisst mit 90 bis 100 Stellenprozent. Das sind mehr als vier Fünftel. Ein ähnliches Verhältnis gibt es auch in den anderen Zentralschweizer Kantonen (siehe Tabelle).

Zahlen sinken stetig

Die Erhebung zeigt auch, dass sich der Anteil an Teilzeit-Kaderleuten im Kanton Luzern verschlechtert hat. 2013 waren mit 17 Prozent die meisten Teilzeitpensen bei Kaderstellen anzutreffen. 2014 sank der Wert auf 16 und nun auf 15,8 Prozent. Das trotz neuen Arbeitsmodellen wie Jobsharing und Diskussionen um Frauenquoten. Doch offenbar wird das Teilzeitpensum spätestens bei der Treppe in die Führungsetage zum Problem.

Eine kleine Umfrage bei den grossen Unternehmen der Region zeigt: Führungspositionen können theoretisch im Teilzeitmodus angetreten werden, in der Praxis ist dies jedoch selten der Fall. Bei der Migros-Gruppe muss mindestens ein 50-Prozent-Pensum für eine Kaderstelle erfüllt sein, wie Claudius Bachmann, Sprecher der Migros Luzern, sagt. Generell sei aber die Funktion beim Beschäftigungsgrad matchentscheidend. «Tendenziell ist ein Beschäftigungsgrad unter 80 Prozent in der Führung jedoch eher schwierig. Ausnahme bildet eine Aufteilung der Führungsarbeit im Jobsharing.» In Spezialistenfunktionen sei Teilzeitarbeit mehr verbreitet, sagt Bachmann.

Bei der Luzerner Kantonalbank arbeiten 76 von 543 Kaderpersonen in Teilzeitpensen, wie Sprecher Daniel von Arx mitteilt. Das sind 14 Prozent. Generell bestehe die Möglichkeit eines Kaderrangs ab einem Pensum von 50 Prozent, bei Direktionskadern seien es 80 Prozent. Allerdings müsse man auch hier zwischen Kaderrang und Funktion unterscheiden «Teilzeit unter 80 Prozent ist bei Führungsfunktionen sicher anspruchsvoller umzusetzen als bei Funktionen in der Sachbearbeitung», so von Arx.

Und das, obwohl er durchaus auch Vorteile sieht in der Teilzeitarbeit: «Wir haben Mitarbeiterinnen, die sich im Jobsharing ein 100-Prozent-Pensum teilen. Das hat Vorteile, beispielsweise in der Vertretung während der Ferien oder im Krankheitsfall.»

Es sei mit solchen Modellen auch möglich, Mitarbeiterinnen den Verbleib im Beruf zu ermöglichen, was von Mitarbeitern sowie Wirtschaft erwünscht sei. «Allerdings entsteht dadurch ein mehr oder weniger hoher Übergabe- und Abspracheaufwand. Diese Kosten sind in aller Regel unvermeidlich.»

Auch beim Luzerner Kantonsspital ist die Teilzeitarbeit ein Thema, obwohl «eine persönliche Erreichbarkeit in vielen Fällen zentral» ist, sagt Sprecherin Ramona Helfenberger. «Bei ärztlichem Kader ist eine Anstellung unter 80 Prozent eher unwahrscheinlich, da eine hohe Präsenz in der Natur des Berufes liegt. Bei Personen des Fachkaders, wie beispielsweise einem Projektleiter, bestehen Teilzeit-Anstellungen von 40 oder 60 Prozent.» Eine Richtlinie zum Mindestpensum bei Kaderpositionen gebe es jedoch nicht. «Das obliegt der Verantwortung des Linienvorgesetzten», sagt Helfenberger.

«Viele Unternehmen krebsen zurück»

Theoretisch sind Unternehmen also grösstenteils offen gegenüber Teilzeitmitarbeitern, auch in Führungsposition. Und das, obwohl die Zahlen des BFS belegen, dass solche jedoch noch immer selten sind. Auch Giuseppe Reo von der Zentralschweizer Sektion der Gewerkschaft Unia beobachtet solche Verhaltensweisen: «Es ist bei den Unternehmen cool, zu sagen, dass man auch in Führungspositionen Teilzeitarbeit anbietet. Wenn es dann jedoch ans Eingemachte geht, krebsen viele zurück.»

Der Gewerkschafter findet diverse Gründe für dieses Verhalten. «Viele fragen sich dann: ‹Ja, wie will diese Person dann alle Aufgaben mit diesem Pensum schaffen?› Oder sie denken an die Sozialversicherungen oder den erhöhten personellen Aufwand.» Zudem hätten viele Unternehmen noch immer die Mentalität, dass der Chef im Haus sein muss, um seine Führungsaufgabe auch wahrnehmen zu können. Überlege sich ein Mitarbeiter, sein Pensum zu reduzieren, würden ihm bei einer Reduktion auch sehr viele Kompetenzen aberkannt. «Deshalb überlegen es sich viele Mitarbeiter zweimal, ob sie reduzieren möchten», so Reo.

Dabei ist die Teilzeitarbeit nicht nur für Frauen ein Thema. Obwohl man hier einerseits ein breiteres Angebot wie beispielsweise Krippen, aber auch Arbeitsstellen schaffen müsste, wie Reo sagt. Auch junge Männer würden sich als Väter mehr Zeit mit ihren Kindern wünschen. «Doch sie können es sich oft nicht leisten. Hier spielt natürlich auch die Lohnungleichheit, die es immer noch gibt, eine Rolle.»

Nichtsdestotrotz findet Reo auch lobende Worte. Es gebe einige Firmen, die bereits daran seien, neue Modelle und Prozesse zu entwickeln. Den Namen dieser Betriebe dürfe er nicht nennen, aber es freue ihn sehr, dass sich etwas tue. Reo: «Wir sind noch nicht dort, wo wir sein möchten. Es wäre schön, wenn jede grössere Unternehmung auch in Kaderpositionen Teilzeitstellen anbieten würde. Aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg.»

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