Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: Von Glaubensbruder abgezockt

Das Mitglied einer christlichen Religionsgemeinschaft soll einem Glaubensbruder ein hohes Darlehen abgeluchst haben. Der mutmassliche Täter schreckte auch nicht vor Fälschungen zurück. Die Ermittlungen laufen.
Thomas Heer
Staatsanwaltschaft. (Bild: Lena Berger)

Staatsanwaltschaft. (Bild: Lena Berger)

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

«Du sollst deinen Nächsten nicht ausbeuten und ihn nicht um das Seine bringen», steht im 3. Buch Mose geschrieben. Über diesen urchristlichen Grundsatz hat sich ein Luzerner offenbar hinweggesetzt. Und dies gegenüber einem Mitglied jener christlichen Glaubensgemeinschaft, dem der Luzerner selbst einmal ange­hörte und in welcher er eine Führungsfunktion innehatte.

Zur vertrackten Situation kam es so: Der heute 51-jährige Geschäftsmann gab an, in Kriens ein mehrstöckiges Haus – zum Kauf kam es nie – erstehen zu wollen. Leider aber fehlten ihm für den Erwerb nach eigenen ­Angaben noch 143'000 Franken. Über Kontakte innerhalb der schweizweit aktiven Glaubensgemeinschaft gelangte er an einen heute im Pensionsalter stehenden Aargauer. Dieser hatte in der Vergangenheit seiner Religionsgemeinschaft schon mehrfach mit Zuwendungen finanziell unter die Arme gegriffen – und war dabei nie enttäuscht worden.

Versprechen von 2014 nicht eingehalten

Im Fall von Kriens kam es anders. Im Haus, das der Geschäftsmann zu kaufen vorgab, sollte angeblich auch das Versammlungslokal für die Freikirche entstehen. Und genau dafür machte der heute 71-jährige Aargauer 150'000 Franken locker. Dieser sagte bei der Einvernahme als Auskunftsperson im November 2013 gegenüber der Luzerner Kriminalpolizei: «Das Darlehen hatte persönlich nichts mit Herrn (...) zu tun. Es ging mir um die Unterstützung des Saalprojektes.» Auf die Rückzahlung des Geldes wartet der Mann bis heute.

Bei der Befragung durch die Kriminalpolizei wurde der geprellte Darlehensgeber mit folgendem Ermittlungsergebnis konfrontiert: «Die Bankauszüge sind inhaltlich komplett gefälscht und zeigen in keiner Weise den effektiven Geldfluss Ihres Darlehens auf. Weder bei der Postfinance noch bei der LUKB wurde durch (...) jemals ein Konto unter dem Vermerk Sternmatt oder dergleichen geführt.» Der Aargauer fiel gemäss Befragungs­protokoll aus allen Wolken und sagte: «Das ist aber nicht wahr!?! Es braucht noch viel, dass ich sprachlos bin.»

Der Geschädigte bezeichnete den Luzerner Geschäftsmann bei der Befragung mehrfach als «Hochstapler». Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun seit längerem gegen den 51-Jährigen. Dies unter anderem wegen des Verdachts auf gewerbsmässigen Betrug und mehrfacher Urkundenfälschung. Am Mittwoch musste der Mann, für den die Unschuldsvermutung gilt, in Kriens bei der Staatsanwaltschaft zur Schlusseinvernahme antraben. Nicht nur dem Aargauer schuldet der Luzerner, der mittlerweile von der Glaubens­gemeinschaft aussortiert wurde, viel Geld. Wie viel? Er selber sagt: «Es ist ein sechsstelliger, aber kein siebenstelliger Betrag.» Und weiter: «Ich bin kein schlechter Mensch. Ich habe Fehler gemacht und will mit den Gläubigern ins Reine kommen.»

Das sagte er in ähnlicher Weise schon einmal. Denn bereits im Sommer 2014 berichtete die «Zentralschweiz am Sonntag» über diesen Geschäftsmann, und zwar im Zusammenhang mit zwei Firmen, die im technisch-medizinischen Bereich aktiv waren. Beide Unternehmen, in denen der Luzerner in federführender Position tätig war, gibt es nicht mehr. Sie gingen pleite. Schon damals drückten den Luzerner Schulden. Und diese wollte er mit dem Erlös aus dem Verkauf seines Privathauses tilgen. Der Mann gab an, dank der Veräusserung im «schlechtesten Fall» 70 bis 80 Prozent der Gläubigerforderungen zu begleichen.

Das blieb ein guter Vorsatz. Im Fall des Aargauer Darlehensgebers betrug die Rückzahlung 4000 Franken. Also 2,7 Prozent der geliehenen 150'000 Franken und damit weit von den versprochenen 80 Prozent entfernt. Der Geschäftsmann hält sinngemäss fest: Leider sei der Erlös durch den freiwilligen Hausverkauf kleiner ausgefallen als geplant.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.