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LUZERN: Wärme bringt Natur ins Schwitzen

Die warmen Januar-Temperaturen könnten den Obstbauern Ernteausfälle bescheren. Und es droht eine Borkenkäferplage. Die Wetterkapriolen haben aber auch ihre positiven Seiten – für Vögel und Gärtner.
Raphael Zemp
Gärtnerlehrling Marco Gander beim Schneiden eines Baums. Gibt es Frost, kann das zu Ernteausfällen führen. (Bild: Pius Amrein (Neuenkirch, 31. Januar 2018))

Gärtnerlehrling Marco Gander beim Schneiden eines Baums. Gibt es Frost, kann das zu Ernteausfällen führen. (Bild: Pius Amrein (Neuenkirch, 31. Januar 2018))

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

Der erste Monat im Jahr 2018 war ein spezieller, zumindest aus meteorologischer Sicht: stürmisch, niederschlagsreich – und vielerorts wärmer denn je. Fast fünf Grad über dem Mittel lagen etwa die Januar-Temperaturen in Luzern. Das ist der höchste Wert, der seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1871 gemessen wurde. Auf Rennpneus durch die Stadt pedalen? Kein Problem. Auch wer Schneeketten nicht montieren kann, bleibt ungestraft. Zumindest im Flachland.

Freude am warmen Januar haben auch viele Gärtner, für die Schnee und Eis die grössten Feinde sind. Lorenz Arbogast, Leiter des Bildungszentrum Jardin Suisse Zentralschweiz in Neuenkirch, umschreibt die momentane Situa­tion gar mit «sensationell. Nun kann man endlich zuschaffen.» Damit meint Arbogast auch die Schnittarbeiten, die nun möglichst rasch durchgeführt werden müssen. «Im Idealfall noch bevor etwas spriesst.» Dafür ist es vielerorts bereits zu spät: Die überdurchschnittlich hohen Januartemperaturen haben schon etliche Krokusse emporschiessen, ja gar blühen lassen.

Das macht die Schnittarbeit oftmals umständlicher, weil der Gärtner keine Blumen zertrampeln will, aber nicht unmöglich. Solange Bäume und Sträucher noch nicht austreiben, können sie geschnitten werden. Und da sie deutlich langsamer auf Temperaturanstiege reagieren als etwa Krokusse, dauert das in der Regel bis im März, April. «Die Situation könnte sich aber zuspitzen, falls das Wetter weiterhin so warm bleibt», sagt Arbogast. Und so gross seine Freude über das gute Gärtnerwetter ist, so sehr sorgt er sich um die Luzerner Obstbauern. «Denn die Blüten von Obstbäumen reagieren sehr empfindlich auf Kälte. Sterben sie ab, dann droht ein grosser Ernteausfall – wie etwa im letzten Jahr geschehen.»

Obstbau-Experte hat noch Hoffnung

Den Teufel noch nicht an die Wand malen will hingegen Beat Felder vom Berufsbildungszentrum für Natur und Ernährung in Hohenrain. Zwar sei der Januar tatsächlich viel zu warm ausgefallen. Und klar habe das auch Auswirkungen auf die Vegetation. «Denn wenn es wärmer ist als fünf Grad, setzt das Pflanzenwachstum ein.» Noch aber habe der Austrieb der Obstbäume und Reben kaum eingesetzt. Entsprechend wenig würde ihnen ein neuerlicher Kälteeinbruch anhaben können. Zudem: Ähnliche Erscheinungen habe man auch schon in anderen Jahren beobachten können, schliesslich entspreche der extreme Temperaturanstieg vor allem im Frühling einem langfristigen Trend. «Und um eine langfristige Prognose abzugeben, ist es noch zu früh.»

Bleiben die Temperaturen indes über längere Zeit überdurchschnittlich warm und schlägt dann der Frost zu, dann könnten tatsächlich Ernteausfälle drohen. Daraus macht Beat Felder keinen Hehl. Im vergangenen Frühling etwa hat der Frost Ende April für einen massiven Ausfall an Obst gesorgt und die Hälfte der Weinernte zerstört. «Allerdings handelte es sich dabei um ein Jahrhundertereignis», beschwichtigt der Experte für Spezialkulturen.

Die Auswirkungen der warmen Januartemperaturen beschränken sich nicht nur auf Garten- und Nutzpflanzen. Entsprechend intensiv ist im Moment auch die Pollenbelastung, wie Noemi Beuret, Expertin vom Allergiezentrum Schweiz, bestätigt. Besonders aktiv sind im Raum Luzern momentan Hasel- («starke Belastung») und Erlenpollen («mässige Belastung»). Bereits zwei Wochen früher als im Vorjahr habe man diese zwei Pollensorten messen können, sagt Beuret weiter. Eschen- und Birkenpollen hingegen schwirren derzeit noch nicht durch die Luft. Meist ist das erst ab Mitte oder Ende März der Fall. Bleiben die Temperaturen aber überdurchschnittlich hoch, könnte es auch bei Birke und Esche zu einem verfrühten Pollenflug kommen – zum Leidwesen vieler Allergiker.

Bergung von Sturmholz ist erschwert

Die rekordhohen Januartemperaturen haben auch Auswirkungen auf die Luzerner Waldwirtschaft. Dort spürt man noch immer die Nachwirkungen der Winterstürme Burglind und Evi, die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren. «Weil die Böden aber häufig feucht und nicht gefroren sind, kann viel Holz nur mit Mühe aus den Wäldern geborgen werden», erklärt Betriebsförster Hans-Rudolf Hochuli, Vorstandsmitglied von Wald Luzern, dem Verband der Luzerner Waldeigentümer. Besonders akut sei diese Problematik in Gebieten mit lehmigen Böden. «Uns wäre ein schöner und kalter Januar lieber gewesen.»

Immerhin: Borkenkäfer sind noch keine aktiv geworden. Dafür sind laut Hans-Rudolf Hochuli Temperaturen von mindestens 15 Grad nötig. «Wenn aber auch Februar und März zu warm werden, dann ist ein Käferproblem vorprogrammiert.» Auch weil eben noch viel Sturmholz herumliegt, das wiederum weniger schnell geborgen werden kann – wegen der zu hohen Temperaturen. Ein Teufelskreis, auf den man zusteuert, sollten die Temperaturen tatsächlich auch in den kommenden Monaten deutlich über dem langjährigen Jahresmittel bleiben.

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