LUZERN: Wahlbeteiligung: Minusrekord droht

Trotz spannender Ausgangslage: Die Wahl­beteiligung für die Regierungsratswahlen dürfte nochmals sinken. Das zeigt der aktuelle Rücklauf der Wahlcouverts.

Alexander von Däniken
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Wieviele Wählerinnen und Wähler wird der 2. Wahlgang für den Regierungsrat mobilisieren können (Bild: Christian Volken / luzernerzeitung.chluzernerzeitung.ch)

Wieviele Wählerinnen und Wähler wird der 2. Wahlgang für den Regierungsrat mobilisieren können (Bild: Christian Volken / luzernerzeitung.chluzernerzeitung.ch)

Alexander von Däniken

Die Ausgangslage für den kommenden Wahlsonntag könnte nicht spannender sein: Kann Felicitas Zopfi den frei werdenden Sitz der SP im Luzerner Regierungsrat verteidigen? Schafft die SVP mit Paul Winiker den Sprung in die Exekutive? Und wird der parteilose Marcel Schwerzmann seinen Regierungsratssitz behaupten? Diese sehr offene Konstellation spricht für eine höhere Stimmbeteiligung als im ersten Wahlgang. Wir erinnern uns: Am 29. März wollten nur gerade 37,6 Prozent der Stimmberechtigten Regierungsräte wählen – ein Minusrekord (siehe Tabelle).

Es gibt aber auch Argumente für eine nochmals tiefere Wahlbeteiligung. Ende März wurde zusätzlich auch der Kantonsrat gewählt. Am 10. Mai hingegen findet nicht einmal eine Sachabstimmung statt. Das war beispielsweise vor vier Jahren anders. Nebst dem zweiten Wahlgang gab es am 15. Mai 2011 auch die Abstimmung über die Änderung des kantonalen Volksschulbildungsgesetzes, welche bei einer Stimmbeteiligung von 35 Prozent mit 63 Prozent der Stimmen gutgeheissen wurde. Und dann ist noch die kurze Frist: Viele Stimmbürger haben ihr Wahlcouvert erst Ende letzter Woche erhalten.

Kann Zopfi auf Städter zählen?

Werfen wir einen Blick auf die Wohngemeinden der drei Kandidaten. Felicitas Zopfi hat im ersten Wahlgang in ihrer Heimat, der Stadt Luzern, am meisten Stimmen geholt. Sie wird auch am Sonntag auf diese Stimmen angewiesen sein, weil ihre Partei, die SP, traditionell in ländlichen Gebieten weniger Stimmen holt. Schon beim ersten Wahlgang lag die Stimmbeteiligung im Wahlkreis Luzern-Stadt mit 33,8 Prozent am tiefsten.

Ob sich ein weiterer Minusrekord abzeichnet, kann Thomas Zumbühl, Leiter Wahlen und Abstimmungen bei der Stadt Luzern, nicht abschätzen: «Dafür ist der Zeitplan zu eng. Die Stimmbürger haben die Unterlagen erst am letzten Donnerstag erhalten.» Die ersten Couverts seien darum am Freitag retourniert worden. Bis jetzt beträgt der Rücklauf knapp 12 Prozent. «Wenn es diese Woche so weitergeht, werden wohl wieder über 30 Prozent erreicht», so Zumbühl.

Krienser Duell mobilisiert kaum

Wie sieht es in Kriens aus, wo der bisherige Regierungsrat Marcel Schwerzmann (parteilos) wohnt und SVP-Kandidat Paul Winiker sogar Gemeindepräsident ist? Bis jetzt sind laut Gemeindeschreiber Guido Solari 15 Prozent der Couverts zurückgekommen: «Angesichts der Tatsache, dass die Unterlagen erst letzte Woche versandt wurden, kann ich keine Prognose abgeben. Allerdings ist der Rücklauf bis jetzt alles andere als berauschend.»

Nicht nur die kurze Frist dürfte für ein dürftiges Interesse verantwortlich sein, sondern auch der Fakt, dass am Sonntag «nur» kantonale Wahlen anstehen. Im ersten Wahlgang haben 33,1 Prozent der Krienser Stimmberechtigten mitgewirkt, im ganzen Wahlkreis Luzern-Land waren es 34 Prozent.

Mehr Wähler in Hochdorf erwartet

In Hochdorf im gleichnamigen Wahlkreis zeichnet sich eine etwas höhere Wahlbeteiligung ab. Gemäss Gemeindeschreiber Thomas Bühlmann beträgt der Rücklauf derzeit 22 Prozent. Vor vier Jahren waren es zur gleichen Zeit etwas weniger. Damals betrug die Wahlbeteiligung rund 32 Prozent. «Wenn es so weitergeht, wird wohl eine Beteiligung von 30 bis 35 Prozent erreicht», erklärt Bühlmann. Genau 35 Prozent waren es am 29. März, im Wahlkreis Hochdorf waren es 35,6 Prozent.

Ebenfalls von einer leicht höheren Wahlbeteiligung geht Godi Marbach, Stadtschreiber von Sursee, aus. Bis jetzt fanden nämlich rund 20 Prozent der Unterlagen den Weg zurück, 2 Prozent mehr als zur gleichen Zeit vor dem ersten Wahlgang. Insgesamt betrug die Wahlbeteiligung im ersten Wahlgang im Wahlkreis Sursee 41,2 Prozent, in Sursee selbst 38 Prozent.

Geringer Rücklauf in Entlebuch

Von einer stabilen Zahl geht Peter Kneubühler, Stadtschreiber von Willis­au, aus: «Bis jetzt sind 21 Prozent der Couverts zurückgekommen, was etwa dem Rücklauf vor dem ersten Wahlgang entspricht.» Am 29. März reichten 48,4 Prozent der Willisauer Stimmberechtigten ihr Couvert ein. Im ganzen Wahlkreis Willisau waren es 41,5 Prozent.

Der Wahlkreis Entlebuch hat bis jetzt immer mit der höchsten Wahlbeteiligung geglänzt. Für den ersten Wahlgang konnten sich 50,5 Prozent der Stimmbürger begeistern, in Entlebuch selbst waren es 48,1 Prozent. Dieser Wert wird gemäss Gemeindeschreiber Pius Stadelmann am Sonntag nicht mehr erreicht. Bis jetzt seien 16 Prozent der Unterlagen retourniert worden; eine Wahlbeteiligung unter 45 Prozent sei darum wahrscheinlich.