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LUZERN: Was gehört auf die Kapellbrücke: Kunst, Kopien – oder gar nichts?

Schon in den Neunzigerjahren gab es Pläne, moderne Bilder aufzuhängen. Bei der FDP hofft man aber immer noch, dass der historische Bilderzyklus wieder vollständig zu sehen sein wird.
Robert Knobel
Acht der umstrittenen Bilderkopien wurden im Oktober auf der Kapellbrücke testweise aufgehängt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Acht der umstrittenen Bilderkopien wurden im Oktober auf der Kapellbrücke testweise aufgehängt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

SP, CVP und GLP lancieren die Bilderdebatte auf der Kapellbrücke neu. Sie haben gestern eine Motion eingereicht, die verlangt, neue, zeitgenössische Bilder in den leeren Brückengiebeln aufzuhängen. Die Bilder sollten aktuelle, auch kontroverse, Themen behandeln (wir berichteten). Ähnliche Ideen standen bereits nach dem Brand der Kapellbrücke 1993 im Raum, wie der frühere städtische Denkmalpfleger Ueli Habegger sagt. «Es gab Pläne, wissenschaftliche Zeichner zu beauftragen, um neue Werke für die Kapellbrücke zu schaffen. Auch Schwarz-Weiss-Kopien der historischen Bilder waren ein Thema.» Später tauchte beispielsweise die Idee auf, das Swissair-Grounding auf den Brückenbildern zu thematisieren.

Aus solchen extravaganten Plänen wurde bekanntlich nichts. Stadtrat und Stadtparlament verabschiedeten 2002 die «Hängeordnung für die Kapellbrücke». Diese schreibt vor, dass nur die originalen Bilder, die den Brand überstanden haben, auf der Brücke hängen dürfen. Die übrigen Bilderrahmen müssen leer bleiben. «Die Lücken sind so gewählt, dass man spürt, dass ein Verlust da ist», sagt Habegger, der bei der Ausarbeitung der Hängeordnung mit beteiligt war. Es sei eine «intellektuelle Not­lösung» gewesen, erklärt er. Heute würde Habegger anders entscheiden. Dabei würde er nicht unbedingt neue Werke aufhängen, sondern eher den ursprünglichen Bilderzyklus vervollständigen – notabene mit Kopien.

Alle Versuche, Kopien aufzuhängen, scheiterten

Die Bilderkopien: ein weiteres Thema, das in den vergangenen Jahren zeitweise für rote Köpfe sorgte. Der Luzerner Immobilienbesitzer und Anwalt Jost Schumacher liess auf eigene Kosten 146 Rekonstruktionen der Kapellbrücken-Bilder erstellen. Diese hätte er gerne auf der Brücke aufgehängt. Doch der Stadtrat erteilte ihm 2009 eine Absage mit Verweis auf besagte Hängeordnung. Danach setzten sich FDP und SVP im Stadtparlament mit mehreren Vorstössen für das Aufhängen von Kopien ein – erfolglos. Auch der bislang letzte Versuch im Jahr 2014 scheiterte. Damals wollten die Jungfreisinnigen dem Stadtrat per Volksinitiative die Hoheit über die Brückenbilder entreissen. Doch die Initiative wurde abgelehnt, was vom Stadtrat natürlich umgehend als Bekenntnis zur bestehenden Situation gedeutet wurde. Für Ueli Habegger sind die Schumacher-Kopien zwar «von unterschiedlicher Qualität». Dennoch hätte er sich an der Stelle des Stadtrats «ernsthaft überlegt», das Angebot anzunehmen. Habegger würde sogar die verbliebenen Originale durch Kopien ersetzen – aus Sicherheitsgründen. Denn die wertvollen Originale seien immer wieder Opfer von Vandalismus.

Da SP, CVP und GLP im Stadtparlament über eine Mehrheit verfügen, hat die Motion zur Kapellbrücke gute Chancen, überwiesen zu werden. Nicht unterzeichnet hat die FDP, obwohl sie ja stets an erster Stelle für eine Änderung der bisherigen Praxis kämpfte. Für FDP-Präsident Fabian Reinhard wäre die Motion denn auch tatsächlich ­interessant, wenn dadurch die Chancen für die Bilderkopien wieder steigen würden. Doch genau dies wollen die Motionäre explizit nicht. Statt Kopien der historischen Bilder wollen sie neue Werke. Das wiederum kommt für Reinhard nicht in Frage. «Moderne Bilder auf der Kapellbrücke – das wäre wie eine Faust aufs Auge.» Schliesslich sei die Kapellbrücke selber eine original­getreue Kopie der alten Brücke. Also solle man konsequent bleiben und sich auch bei den Bildern auf Originaltreue beschränken.

Eine ähnliche Haltung hatte in den letzten Jahren auch die CVP. Nun hat sie mit dem Unterzeichnen der Motion ihre Optik ausgeweitet. CVP-Grossstadtrat Albert Schwarzenbach findet es sinnvoll, die historischen Bilder mit Zeitgenössischem zu kombinieren. Entscheidend sei, dass die Kapellbrücke endlich aufgewertet werde, so Schwarzenbach. «Dies geschieht, indem wir einerseits die Bilderlücken schliessen und andererseits neue, innovative Wege suchen.»

Ganze Brücke besser in Szene setzen

Schwarzenbach denkt nicht nur an moderne Kunst in den Brückengiebeln. Die ganze Brücke müsste besser – und zeitgemässer – in Szene gesetzt werden. Dies fordert er in einem Postulat, das im Stadtparlament hängig ist. Der Stadtrat solle den Lead übernehmen bei der Erarbeitung eines Projekts zur Aufwertung von Kapellbrücke und Wasserturm.

Sollte das Parlament für moderne Kunst auf der Kapellbrücke votieren, wird sich der Denkmalschutz kaum dagegen wehren. Die Eidgenössische Denkmalkommission plädierte nämlich schon 2002 für diese Lösung – und scheiterte am Widerstand des Stadtrats.

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