LUZERN: Was Menschen zu Helden macht

Die Luzerner Schulen beteiligen sich am Holocaust-Gedenktag. Im Mittelpunkt stehen sollen Menschenrechte und mutige Menschen.

Cyril Aregger
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Carl und Gertrud Lutz mit Chauffeur in einem Autowrack in Budapest, vermutlich Anfang 1945. Das Schweizer Diplomaten-Ehepaar rettete in Ungarn Tausende Juden. (Bild: Archiv für Zeitgeschichte/Nachlass Carl Lutz)

Carl und Gertrud Lutz mit Chauffeur in einem Autowrack in Budapest, vermutlich Anfang 1945. Das Schweizer Diplomaten-Ehepaar rettete in Ungarn Tausende Juden. (Bild: Archiv für Zeitgeschichte/Nachlass Carl Lutz)

Zum dritten Mal wird an den Luzerner Volksschulen, Berufsschulen, Gymnasien und an den Hochschulen ein Holocaust-Erinnerungstag durchgeführt. Das Motto der dritten Durchführung nach 2005 und 2009 heisst: «Menschenrechtsverletzungen und Zivilcourage in Geschichte und Gegenwart». Im Vergleich zu den vorherigen Ausgaben wird der Anlass dieses Jahr zeitlich ausgeweitet: Bildungsdirektor Reto Wyss lädt die Schulen in einem Schreiben ein, dem Thema zwischen dem Tag der Menschenrechte am 10. Dezember und dem Holocaust-Erinnerungstag am 27. Januar 2015 einen Tag zu widmen.

«Mit den beiden Daten können wir einen Spannungsbogen herstellen», erklärt Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung und Leiter der Arbeitsgruppe zum Erinnerungstag. Die Zeitspanne soll verdeutlichen, wie sich der Erhalt und die Missachtung von Menschenrechten gegenseitig bedingen und aufzeigen, dass Geschichte und Gegenwart stärker miteinander verbunden sind, als es vielleicht auf den ersten Blick erscheint.

Fester Termin im Kalender fehlt

Magno ist überzeugt, dass solche Erinnerungstage auch 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers von Auschwitz am 27. Januar 2015 noch nötig sind. «Es braucht solche Tage sogar mehr denn je. Denn viele Zeitzeugen sind mittlerweile verstorben, die Überlebenden hochbetagt.» Doch das Erinnern müsse fortgesetzt werden. Nicht nur im regulären Schulunterricht, sondern angesichts der Nähe und dem unfassbaren Ausmass des Gräuels eben auch mit speziellen Anlässen.

Dennoch hat ein kantonaler Erinnerungstag keinen festen Termin im Schulkalender. Wann der nächste Tag stattfinden wird, ist noch offen, sagt Aldo Magno. «So ein Anlass steht und fällt mit dem Goodwill der Beteiligten. Hier steckt auch viel freiwillige und ehrenamtliche Arbeit dahinter. Eine jährliche Durchführung beispielsweise wäre auch deshalb schlicht nicht möglich.»

Öffentliche und schulische Anlässe

Die Schulen sind grundsätzlich frei, wie sie das Thema Menschenrechte und Zivilcourage ihren Schülern stufengerecht vermitteln. Die Kanti Reussbühl führt beispielsweise am 11. Dezember für die 6. Klassen einen Menschenrechtstag durch. Die Hochschule Luzern – Design und Kunst veranstaltet am 11./12. Dezember ein Gedenk-Symposium, das auch externen Besuchern offensteht. Dort wird über Strategien künstlerischer Arbeit angesichts von Gewalt in den Medien Fotografie, Film, Aktionskunst, Literatur und Theater diskutiert. Eröffnet wird der Erinnerungstag am 10. Dezember mit dem Konzert «D’Chraft vo de Mönschlechkeit» in der Jesuitenkirche Luzern (19 Uhr, Eintritt frei), bei dem rund 150 Absolventinnen und Absolventen aller Schulstufen singen werden.

Neben den öffentlichen und schulischen Veranstaltungen erschien kürzlich auch die Publikation «Menschen mit Zivilcourage», die auch im Internet heruntergeladen werden kann (siehe Hinweis). Das Werk mit dem Titel «Menschen mit Zivilcourage. Mut, Widerstand und verantwortliches Handeln in Geschichte und Gegenwart» wurde vom Luzerner Bildungs- und Kulturdepartement herausgegeben. Im Mittelpunkt der 192-seitigen Publikation stehen 16 Porträts von Personen, die Zivilcourage bewiesen haben. Aus dem 19. Jahrhundert beispielsweise Rotkreuz-Gründer Henry Dunant und aus der Zeit des Nationalsozialismus das Schweizer Diplomatenehepaar Carl und Gertrud Lutz-­Fank­hauser, das in Ungarn Zehntausende Juden vor der Verfolgung gerettet hat. Das Historische Museum Luzern würdigt den Diplomaten vom 9. Januar bis am 1. März mit der Ausstellung «Carl Lutz’ Zivilcourage. Ein mutiger Diplomat während des Holocaust».Aber auch aus der Gegenwart finden sich in der Publikation Beispiele für mutige Menschen. So wird zum Beispiel auch Edward Snowden, der US-amerikanische Whistleblower, mit einem Porträt vorgestellt.

Lotteriegelder für neues Buch

Finanziert wurde die Publikation laut Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung, hauptsächlich durch einen Beitrag aus dem Lotteriefonds. Die Kosten seien aber sehr niedrig gewesen, betont er. «Die meisten Autoren haben ehrenamtlich gearbeitet.»

Hinweis

Die vom Bildungs- und Kulturdepartement herausgegebene Publikation «Menschen mit Zivilcourage. Mut, Widerstand und verantwortliches Handeln in Geschichte und Gegenwart» kann unter www.27-januar.lu.ch gratis heruntergeladen werden. Gegen eine Gebühr von 20 Franken kann sie in gedruckter Form bei der Dienststelle Gymnasialbildung (info.dgym@lu.ch, Telefon 041 228 53 55) bestellt werden.