LUZERN: Wechselkurse sind Glückssache

Seit Tagen steigt der Wert des Euro gegenüber dem Franken. Davon aber profitieren Kunden längst nicht überall. Mancherorts wird auch in diesen Tagen noch immer mit alten Kursen geschäftet.

Thomas Heer
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Der Euro schwächte sich gegenüber dem Franken deutlich ab. (Bild: Keystone)

Der Euro schwächte sich gegenüber dem Franken deutlich ab. (Bild: Keystone)

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Wer Mitte Woche einen 100- Euro-Schein in einer Geschäftsstelle der Raiffeisenbank wechselte, erhielt dafür einen Gegenwert von rund 113 Franken, was einem Kurs von 1 : 1.13 entspricht. Seit mehr als zwei Jahren hat der Euro gegenüber dem Schweizer Franken nie einen solch hohen Wert ausgewiesen.

Wie aber tragen Hotels, Restaurants oder Tankstellen dieser Kursentwicklung Rechnung, wenn ein Kunde anstatt mit Franken in Euro bezahlen will? Stichproben, durchgeführt am Dienstag und am Mittwoch, zeigen ein sehr unterschiedliches Bild. Bei der BP-Tankstelle in Emmen­brücke beispielsweise erklärte die Geschäftsführerin, der Wechselkurs betrage 1 : 1. Ob dieser Aussage kann man sich verwundert die Augen reiben. Eine Nachfrage am Donnerstag bei BP Switzerland in Zug zeigt aber: Der Wechselkurs wurde mittlerweile angepasst, und zwar auf 1 : 1.08, wie Sprecherin Isabelle Thommen erklärte.

Grossverteiler Coop schneidet am besten ab

Auch im Restaurant der Schnellimbisskette Burger King in Hochdorf wird in diesen Tagen noch mit einem Verhältnis Euro zu Franken von 1 : 1 geschäftet. Dieser längst überholte Wechselkurs ist im Lokal auf einem Hinweisschild dokumentiert. Dieser Kurs muss nicht zwangsläufig in sämtlichen Burger-King-Filialen gelten. Denn es liege in der Verantwortung jedes einzelnen Franchisenehmers, dar­über selber zu entscheiden, wie eine Sprecherin in der Burger-King-Zentrale in Baar sagt. Ebenfalls keinen Franken mehr erhält, wer diese Woche im Hotel-Restaurant Bären in Rothenburg mit Euro hätte bezahlen wollen.

Einen besseren Wechselkurs gab’s bei der Rothenburger Avia-Tankstelle mit 1 : 1.0465, wie ein Kassenbeleg zeigt. Das ist offenbar aber etwas schiefgelaufen. Denn Patrick Staubli, Geschäftsführer der Avia-Vereinigung, schreibt: «Gemäss unseren Abklärungen liegt in dem von Ihnen erwähnten Shop ein Fehler vor.» Der aktuelle Kurs sollte, so Staub­li, bei 1.0875 fixiert sein. «Leider hat das Kassensystem diesen Wert nicht übernommen. Die Techniker arbeiten aktuell an der Fehlerbehebung.»

An der Shell-Tankstelle in Rotkreuz errechnete eine Angestellte zu Beginn dieser Woche einen Euro/Franken-Kurs von 1 : 1.03. Dieser sei mittlerweile auf 1 : 1.09 angepasst worden, wie Jane Nüssli, Sprecherin von Shell Schweiz, sagt. In unmittelbarer Nähe des Shell-Shops befindet sich der Konkurrent von Coop. Bereits am 1. August gewährte der Detailhandelskonzern einen kundenfreundlichen Kurs von 1 : 1.11.

In der Lidl-Filiale in Hochdorf konsultierte eine Kassiererin eine Art Handbuch und teilte danach mit, dass der derzeitige Wechselkurs bei 1 : 1.05 liege. Diese Aussage wurde später korrigiert, und zwar von der Leiterin Unternehmenskommunikation, Corina Milz. Sie schrieb am Donnerstag: «Wir passen den Wechselkurs je nach Entwicklung an.» Dieser liege gemäss Milz seit Freitag bei 1 : 1.10. Ein Kurs von 1 : 1.05 bei Barzahlung galt am Testtag hingegen nach wie vor im Hotel Garni in Gisikon.

Im Hotel-Restaurant zum Roten Löwen in Hildisrieden wurde bis vor kurzem mit einem Kurs von 1 : 1 kalkuliert. Das stimme nicht mehr. Es würden ständig Anpassungen erfolgen, sagte Geschäftsführer Georg Wieser. Das Verhältnis sei nun 1 : 1.09.

Und wer in der Volg-Filiale von Ballwil mit Euro bezahlen will, wird darauf aufmerksam gemacht, dass man keine Fremdwährungen akzeptiert. Dieses Volg-Geschäft gehört zur Landi Oberseetal. Geschäftsleiter Bernhard Keusch sagt: «In unseren Volg-Läden nehmen wir keine Euro an. Es besteht momentan auch kein Bedürfnis danach.»