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LUZERN: Wegen Klimawandel: Der Pilatus wird grüner

Auf einst grauen Geröllhalden am Luzerner Hausberg wachsen inzwischen Pflanzen. Auf die Biodiversität hat das positive Auswirkungen – künftig könnten jedoch hochalpine Arten verdrängt werden.
Oliver Schneider
Blick vom Pilatus Richtung Vierwaldstättersee. (Bild: Keystone/Dominic Steinmann (12. September 2015))

Blick vom Pilatus Richtung Vierwaldstättersee. (Bild: Keystone/Dominic Steinmann (12. September 2015))

Oliver Schneider

region@luzernerzeitung.ch

Die Temperaturen steigen. Sichtbar wird das besonders durch die Gletscherschmelze. Aber auch Berge ohne ewiges Eis – wie der 2128 Meter hohe Pilatus – verändern sich. Einigen Wanderern ist schon aufgefallen, dass vermehrt grüne Wiesen das Bild am Pilatus prägen. «Es kann festgestellt werden, dass der Pilatus immer grüner wird», bestätigt Thomas Stirnimann, stellvertretender Abteilungsleiter von Natur, Jagd und Fischerei im Kanton Luzern. Früher nicht bewachsene Geröllhalden würden zunehmend einen Pflanzenbewuchs aufweisen.

Ein Grund seien die höheren Temperaturen im Sommer- sowie im Winterhalbjahr. Dies habe direkte Auswirkungen auf die Vegetation. «Weniger Schnee und höhere Temperaturen bedeuten eine längere Vegetationszeit, das heisst, mehr Zeit für die Pflanzen zu wachsen», sagt Stirnimann.

Die Temperatur steigt

Die Wetterstation auf dem Pilatus existiert seit 1981. Die Zahlen des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie lassen trotz jährlicher Schwankungen eine Tendenz hin zu wärmeren Temperaturen erkennen. Während das Jahresmittel zu Beginn der Messungen noch regelmässig unter 1 Grad Celsius lag, ist es vergangenes Jahr schon 2,6 Grad Celsius geklettert. Die Höchstwerte finden sich 2011 und 2015 bei einem Jahresdurchschnitt von gar 3,5 Grad Celsius. Die Niederschlagsmengen hingegen haben sich über die Jahre nicht gross verändert. (os)

Dieses Jahr ist besonders günstig

Dieses Jahr soll die Vegetation zusätzlich besonders gute Bedingungen gehabt haben. «Wir hatten diesen Sommer keine signifikante Trockenphase», sagt Bruno Abächerli, Leiter Amt für Landwirtschaft und Umwelt in Obwalden. Die Grünflächen hätten immer genügend Niederschlag gehabt, wodurch sie sich auch ein satteres Grün zulegen konnten.

Die Berglandschaft verändert sich aber nur schleichend. Schmilzt der Schnee, so kommen teilweise nur graue Geröllhalden zum Vorschein. Damit Pflanzen gedeihen können, benötigen sie aber Erde und Feuchtigkeit. «Es kann je nach Höhenzonen und Hanglagen 50 Jahre und länger dauern, bis auf diesem Untergrund grössere Grünflächen entstehen», sagt Andreas von Deschwanden von der Geschäftsstelle des Schweizer Alpen-Clubs (SAC), Sektion Pilatus. Was diesen Sommer beim Pilatus besonders gut sichtbar ist, ist also über einen langen Zeitraum gediehen. Dies zeigt auch eine Studie des Institutes WSL, der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. Im Rahmen des Gipfelflora-Projekts unter der Leitung von Sonja Wipf und Christian Rixen wurden insgesamt 124 Berggipfel untersucht.

Werden hochalpine Pflanzen verdrängt?

«Wir konnten feststellen, dass Pflanzenarten aufgrund des wärmeren Klimas neue Standorte in höher gelegenen Gegenden erobert haben», sagt Rixen. So sei die Artenzahl auf den Gipfeln des Nationalparks im Kanton Graubünden durschnittlich um 44 Prozent angestiegen. «Es wäre geradezu erstaunlich, wenn dieses Phänomen auf dem Pilatus nicht auch zu beobach- ten wäre», sagt Rixen. Damit seien hochalpine Gebiete wohl schweizweit die einzigen Ökosysteme, in denen die Biodiversität zunimmt.

Diese Erkenntnis sei aber mit Vorsicht zu geniessen. Langfristig werde der Platz für hochalpine Pflanzen durch die Zunahme von Arten aus tieferen Lagen abnehmen. Als hochalpine Pflanzen gelten etwa das Alpen-Rispengras, der Alpen-Löwenzahn oder das Schweizer Milchkraut. Verdrängt werden könnten sie durch die Draht-Schmiele, die Arnika oder das Krausblättrige Milchkraut. «Momentan gibt es in der Schweiz aber noch keine Hinweise darauf, dass hochalpine Arten verdrängt werden», sagt Rixen.

Das wärmere Klima in den Bergen wirkt sich auch auf die Tierwelt und den Menschen aus. Stirnimann erklärt, dass manche Tiere auf vegetationslose Gebiete angewiesen sind. Eine weitere Folge ist das Abschmelzen des Permafrosts, der die Felsen zusammenhält. «Dadurch kommt es vermehrt zu Murgängen und Steinschlägen in den Bergen», sagt von Deschwanden. Auf dem Pilatus gibt es aber keinen Permafrost. «Wanderer können den Pilatus in seiner Schönheit also weiterhin geniessen», sagt Andreas von Deschwanden.

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