LUZERN: «Weltkulturerbe Kapellbrücke» ist jetzt vom Tisch

Aus dem Projekt, die Kapellbrücke ins Unesco-Welterbe aufzunehmen, wird nichts. Luzern Tourismus will lieber, dass die Brücke möglichst schön leuchtet.

Stefanie Nopper
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Die Luzerner Kapellbrücke: Fotografiert am 24. November 2005. (Bild: Archiv Neue LZ)

Die Luzerner Kapellbrücke: Fotografiert am 24. November 2005. (Bild: Archiv Neue LZ)

Noch 2010 hatte Luzern Tourismus die Absicht, die weltbekannte Luzerner Kapellbrücke für die Unesco-Liste des Weltkulturerbes anzumelden. «Die Kapellbrücke als Weltkulturerbe, das würde uns und unserem Renommee guttun», schwärmte Adelbert Bütler, Verwaltungsratspräsident der Luzern Tourismus AG, damals gegenüber unserer Zeitung. Die entsprechenden Bemühungen sind aber mittlerweile auf Eis gelegt worden, wie unsere Zeitung auf Anfrage erfährt. «Wir haben entschieden, unseren Kurs zu wechseln», so Bütler heute.

Grund sei auch das Desinteresse des Bundesamtes für Kultur. Statt um den Titel «Unesco-Weltkulturerbe» zu kämpfen, hätten sich die Verantwortlichen bei Luzern Tourismus daher entschlossen, der Brücke mit dem internationalen Ideenwettbewerb der Interessengemeinschaft «IG Inszenierung Kapellbrücke/Wasserturm» mehr Bedeutung zu geben.

Ideenwettbewerb hat Priorität

Das Projekt hat zum Ziel, das Luzerner Wahrzeichen in erster Linie in den Abendstunden, während ausgesuchter Zeitfenster oder zu bedeutenden Ereignissen mitttels Licht und anderen Mitteln attraktiver erscheinen zu lassen. «Wir werden jetzt ganz bewusst abwarten, wie sich dieses Projekt entwickelt, und dann sehen wir weiter», so Bütler über den Ideenwettbewerb, der Ende April seinen Abschluss findet. Er schliesse einen erneuten Kandidaturversuch des Luzerner Wahrzeichens zwar nicht komplett aus. Aber die Priorität liege derzeit auf dem Ideenwettbewerb.

Zudem sei die Anfrage an das Bundesamt für Kultur vor knapp vier Jahren lediglich eine Abklärung potenzieller Möglichkeiten für die Attraktivierung der Kapellbrücke gewesen. Bütler: «Damals hat es für uns einfach nicht gepasst, und wir mussten neue Wege suchen.» Auch sind die Bewerbungsabläufe für eine Kandidatur als Weltkulturerbe laut Luzern Tourismus Mediensprecherin Sibylle Gerardi extrem aufwendig und teuer. Dies, obwohl Gerardi noch im April 2010 gegenüber unserer Zeitung verlauten hiess, «der Aufwand würde sich lohnen», und man könne durch die Kandidatur die Marke Luzern stärken.

Ein weiterer Grund für die Sistierung sei zudem, dass die Kapellbrücke ohnehin schon eine globale Ausstrahlung habe. Die Projektbewerber für den Ideenwettbewerb zur Inszenierung kämen aus aller Welt. «Das zeigt uns, dass die Kapellbrücke bereits weltweit sehr bekannt ist und sich der Aufwand für eine Bewerbung zum Weltkulturerbe zurzeit nicht rentieren würde.» Darum sei man bei Luzern Tourismus im Nachgang auch nicht traurig darüber, dass der Bund damals eine Teilnahme der Kapellbrücke nicht unterstützte.

«Extrem aufwendig»

Aus Sicht der kantonalen Denkmalpflege ist es folgerichtig, bei wenig Chancen auf eine erfolgreiche Kandidatur ganz aus dem Rennen zu steigen: «Für das Weltkulturerbe zu kandidieren, will sehr gut überlegt sein. Das Verfahren ist extrem aufwendig, langwierig und damit auch teuer», sagt Jürg Manser, Leiter Denkmalpflege und Archäologie.

Eine Anfrage unserer Zeitung beim Bundesamt für Kultur zeigt, dass die Verantwortlichen von Luzern Tourismus vor vier Jahren tatsächlich einen falschen Zeitpunkt für ihre Anfrage erwischt haben: «Unsere Liste der potenziellen Kandidaten wird stetig ergänzt. Zum Zeitpunkt der Anfrage von Luzern Tourismus war diese aber leider schon voll», so Anne Weibel, Chefin für Kommunikation beim Bundesamt für Kultur.

2016 gibts neue Aufnahmerunde

Das bedeutet aber auch, dass sich Luzern nun für die neue Liste bewerben könnte. Diese wird 2016 vom Bundesamt für Kultur an den Bundesrat übergeben. «Ob die Kapellbrücke dann jedoch eine Chance hat, können wir zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht vorhersagen», so Weibel weiter. Dies, weil eine spezielle Expertengruppe die Vorschläge vom Bund begutachtet und sie erst danach vom Bundesamt für Kultur weitergeleitet werden.

Die aktuelle Liste des Unesco-Weltkulturerbes umfasst derzeit knapp 980 Kultur- und Naturdenkmäler aus 160 Ländern. Um auf diese Liste zu gelangen, muss eine Stätte von «aussergewöhnlichem universellem Wert» sein.

Stefanie Nopper