LUZERN: Wer saisonal produziert, hat die Nase vorn

Die Stadt Luzern hat die Vergabekriterien für die Stände am Luzerner Wochenmarkt definiert. Die Kriterien sind so gestaltet, dass sich wohl nur wenig ändern wird.

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Anita Huber verkauft am Buuregarte-Stand Gemüse und Früchte. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 30. Mai 2017))

Anita Huber verkauft am Buuregarte-Stand Gemüse und Früchte. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 30. Mai 2017))

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Die Stadt Luzern hat einen detaillierten Kriterienkatalog für den Zugang zum Luzerner Wochenmarkt erarbeitet. Wer ab 2019 für mindestens fünf Jahre einen Stand am Luzerner Wochenmarkt betreiben möchte, kann sich ab sofort darum bewerben. Das Gesuchsformular ist auf der Website der Stadt aufgeschaltet.

Bisher wurden für die Standplätze am Wochenmarkt Jahresbewilligungen erteilt. Wer bereits eine Bewilligung hatte, erhielt sie in der Regel auch für das folgende Jahr. Diese Praxis müsse geändert werden, befand das Bundesgericht 2012 aufgrund der Beschwerde einer abgewiesenen Gesuchstellerin. Die Stadt müsse «ein faires, transparentes Verfahren für den Zugang zum Wochenmarkt entwickeln».

Maximal gibt es 1000 Punkte

Kernstück des neuen Vergabeverfahrens sind 14 Kriterien, unterteilt in vier Kriteriengruppen. Die maximale Punktzahl beträgt 1000. «Die Standplätze gehen an diejenigen, welche die Kriterien am besten erfüllen», sagte Stadtrat Adrian Borgula, Vorsteher der Direktion Umwelt/Verkehr/Sicherheit, gestern an einer Medienkonferenz. 75 Plätze werden öffentlich ausgeschrieben, fünf weitere bleiben für temporäre Teilnahmen reserviert.

Beurteilt wird nach folgenden vier Kriteriengruppen:

  • Sortiment/Angebots vielfalt:33 Prozent der maximal erreichbaren Punktzahl. Im Vorteil ist, wer regionale, saisongerechte und spezielle Produkte anbietet.
  • Produktion/Verarbeitung:Gewichtung 25 Prozent. Hier punktet, wer Kleinproduzent ist und wer biologisch anbaut.
  • Präsenz : 25 Prozent. Wer an allen Markttagen präsent ist, erhält mehr Punkte.
  • Logistik/Vertrieb: 17 Prozent. Im Vorteil ist, wer mit einer schlanken Infrastruktur operiert (zum Beispiel wenig Platzbedarf für Fahrzeuge).

Das Angebot wird in acht Sortimentskategorien unterteilt – von Käse/Milchprodukte über Fleisch/Wurstwaren bis Früchte/Gemüse (siehe Grafik). Das stellt sicher, dass etwa jemand, der am Markt hauptsächlich Brot anbietet, sich in der Ausschreibung nur mit anderen Brotanbietern misst. Die Kategorie Spezialitäten ist in vier Sparten unterteilt: Schweiz, Südeuropa, Nord-/Ost-/Westeuropa und andere Kontinente. Dass ein Produkt aus Spanien nicht regional sein kann, ist klar; hier wird also speziell gewertet.

«Auf Basis dieses Vergabekonzeptes kann die Stadt den traditionellen Sortimentsmix und Charakter des beliebten Luzerner Wochenmarkts sichern», so Borgula. An der zahlenmässigen Aufteilung der einzelnen Sparten wird also nicht gerüttelt.

«Nicht auf ewig in Stein gemeisselt»

Dennoch: «Der Sortimentsmix ist nicht auf ewig in Stein gemeisselt», so Borgula. «Ich gehe davon aus, dass sich in den nächsten Jahren Trends bilden, neue Angebote dazukommen werden, die wir ja auch auf temporären Standplätzen versuchsweise testen können. Auch bisher hat sich der Markt immer kontinuierlich weiterentwickelt.»

Kann ich meinen Standplatz behalten? Entscheidet künftig das Los? Werden die Standplätze gar an die Meistbietenden vergeben? Die Ängste der Marktfahrer waren in den letzten Jahren gross. «Jetzt herrscht endlich Klarheit», sagt Anton Felder, Präsident der IG Luzerner Wochenmarkt. Er begrüsst die klaren Kriterien.

Die Stimmung hat sich inzwischen beruhigt

Dass am traditionellen Warenmix festgehalten wird, findet Anton Felder besonders positiv: «Es kann ja nicht sein, dass es plötzlich 30 Stände mit Oliven gibt.» Die Marktfahrer wurden von der Stadt diesen Montag informiert. Rund 60 Interessierte erschienen, vorwiegend bisherige Standbetreiber. «Die Stimmung war gut, sachlich, konstruktiv», sagt Stadtrat Borgula. Es habe vereinzelt sogar Lob gegeben.

Bis Ende August können nun Gesuche eingereicht werden. Dafür muss am Computer ein umfangreiches Anmeldeformular ausgefüllt werden. Dass dies für viele nicht einfach sein wird, weiss man bei der Stadt. So kann man bei Bedarf Hilfe anfordern. Auch die IG Luzerner Wochenmarkt hilft beim Ausfüllen des Formulars. Anfang 2018 steht fest, welche Bewerber ab 1. Januar 2019 einen der 75 Standplätze erhalten. Wird es viele Wechsel geben? «Das wissen wir heute schlicht nicht», sagt Stadtrat Borgula. Ungewiss sei auch, ob es Einsprachen geben werde: «Mit den transparenten Vergabekriterien sind wir aber gewappnet.»

Hinweis

Weitere Informationen zu den Vergabekriterien auf www.stadtluzern.ch/wochenmarktausschreibung

 

So sieht das Sortiment aus

Bild: Grafik: LZ

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