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LUZERN: Wie die VBL täglich 130'000 Passagiere lotst

Verspätungen, zerplatzte Reifen, pöbelnde Passagiere: Die Mitarbeiter der Leitzentrale der VBL regeln und koordinieren den öffentlichen Verkehr. Was scheinbar automatisch funktioniert, ist hochkomplex.
Christian Hodel
Die Leitstelle der VBL gibt den Chauffeuren Anweisungen, wie sie am besten durch den Verkehr kommen. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 15. März 2017))

Die Leitstelle der VBL gibt den Chauffeuren Anweisungen, wie sie am besten durch den Verkehr kommen. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 15. März 2017))

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

Das Chaos kommt bestimmt. Die Frage ist nur wann. Was sich jeden Tag auf den Strassen rund um Luzern abspielt, ist hochkomplex. Hunderte Ampeln, Tausende Autos, Velos, Fussgänger und mittendrin die Busse des öffentlichen Verkehrs. Eine Unachtsamkeit, ein Unfall an einem neuralgischen Punkt, kann das ganze Verkehrssystem zum vorläufigen Stillstand bringen. Das wurde in den vergangenen Tagen deutlich, als der Luzerner Bahnhof wegen einer Zugentgleisung für mehrere Tage gesperrt war. Staus, Verspätungen, verärgerte Pendler sind die Folge.

Um den Kollaps abzuwenden, ist Arbeit im Hintergrund nötig. Koordination ist gefragt, um die täglich über 130 000 Passagiere der Verkehrsbetriebe Luzern durch den Verkehr zu lotsen. Das ist die Aufgabe der Leitstelle der VBL, die vor zwei Jahren an der Tribschenstrasse neu eröffnete – und quasi zum Herzen des städtischen Verkehrs wurde.

Alle Busse sind in der Obhut der Leitstelle

Ein Mittwochnachmittag im März, 16.30 Uhr. Der täglich Wahnsinn beginnt. «108 Busse sind unterwegs», sagt Dominik Birrer, Leiter der Leitstelle, und tippt mit der Computermaus auf einen seiner vier Bildschirme. Daten in Echtzeit flimmern im Sekundentakt darüber. Auf jeden Bus kann er zugreifen, mit den Chauffeuren kommunizieren, die Anzeigetafeln an den Haltestellen steuern, mit den Kunden per Lautsprecher in den Fahrzeugen Kontakt aufnehmen. Auf der Linie 1 hat ein Bus gerade Verspätung. Fünf Minuten. «Kein Problem, das holt er beim Wenden an der Endhaltestelle wieder auf.» Was ihn hingegen mehr beunruhigt, sind die Linien 18 und 19. Etwas braut sich da zusammen. Da ist sich Birrer sicher.

Weit über 200 000 Personen fahren täglich mit dem Auto in die Stadt Luzern hinein oder heraus, wie einem Verkehrsbericht der Stadt zu entnehmen ist. Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Zahl um ein Vielfaches kleiner. Verkehrsexperten warnen schon lange vor dieser rasanten Entwicklung. Neue Lösungen müssen her. Gefordert ist die Wirtschaft und die ganze Gesellschaft. Flexiblere Arbeitszeiten, Home-Office, Mobility Pricing könnten Abhilfe schaffen, um die verstopften Strassen in den Stosszeiten zu entlasten. «Es gibt Situationen, in denen wir gar nicht viel machen können. Unsere ­Busse sind eingebunden ins Verkehrsnetz. Wenn es auf den Autobahnen A14 oder A2 chlöpft, ist ein Stau in Luzern programmiert.»

Jeden Abend dasselbe Spiel

Wenn der Fahrplan nicht mehr stimmt, sei es wichtig, die Kunden rasch zu informieren – und zu schauen, dass der Takt der Busse eingehalten wird und nicht etwa zwei Busse hintereinander verkehren, sondern den Abstand von einigen Minuten beibehalten. Es ist jetzt kurz nach 17 Uhr an diesem Mittwoch. Birrers Vorahnung bewahrheitet sich. Es staut bei der Spital­strasse – so wie beinahe jeden Abend zur Rushhour. «Wenn es schlimmer wird, müssen wir uns für heute eine andere Verkehrsführung überlegen», sagt Birrer. Will heissen: Einzelne Busse der Linien 18 und 19 werden umgeleitet und bedienen gewisse Haltestellen in umgekehrter Reihenfolge – so kann man den Stau umfahren. «Aber vorerst warten wir ab.»

Birrer und sein zehnköpfiges Team überwachen das über 200 Kilometer lange Streckennetz der VBL während 22 Stunden am Tag, zu den Hauptverkehrszeiten sind drei Mitarbeiter im Einsatz. Sie schreiten nicht nur ein, wenn der Verkehr überlastet ist, Chauffeure mit pöbelnden Passagieren zu tun haben oder eine Putzequipe brauchen, weil ein Fahrgast im Bus erbrochen hat. Die Verkehrsdisponenten haben unter anderem auch die öffentlichen Kameras auf dem Stadtgebiet auf dem Radar – und überwachen zudem im Auftrag des Eigentümers den Gütschlift.

Mitarbeiter sind Weltmeister im Koordinieren

So konnte die Polizei dank Mitarbeitern der Leitstelle im vergangenen Herbst Drogendealer beim Gütschlift dingfest machen. «Langweilig wird es uns nie», sagt Birrer, während sein Kollege gerade den Telefonhörer abnimmt. «Es hat einen riesigen Knall gegeben», ruft ein Chauffeur durch die Leitung. Der Pneu ist geplatzt. «Bleib an Ort und Stelle. Ich schicke dir einen Mechaniker und einen neuen Bus.» Sekunden später verlässt ein Ersatzbus das VBL-Depot im Tribschenquartier, und der Verkehrsdisponent gibt eine Durchsage an die Pendler: «Geschätzte Fahrgäste. Aufgrund technischer Störung fällt der Bus aus. Wir entschuldigen uns und wünschen Ihnen trotzdem einen schönen Abend.»

Wenig später meldet ein Chauffeur einen kaputten Billettautomaten, bei einem anderen funktioniert am Bus das Blinklicht nicht. Wieder verlassen Mechaniker das Depot. Birrer und sein Team ziehen bis tief in die Nacht im Hintergrund die Fäden, wie Marionettenspieler. Tagein, tagaus – meist völlig unbemerkt von den Passagieren und den Abertausenden Verkehrsteilnehmern rund um Luzern.

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