Luzern will die Alten nicht fallen lassen

Alterspolitik nicht für, sondern mit den Alten – das ist die Absicht des vorerst auf vier Jahre befristeten Konzeptes «Altern in Luzern». Erste Versuche, neue Formen der Mitarbeit und der Mitgestaltung in den Quartieren zu finden, sind erfolgreich gestartet.

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Ein Rentnerpaar sitzt auf einer Parkbank. (Bild: Keystone)

Ein Rentnerpaar sitzt auf einer Parkbank. (Bild: Keystone)

Vor einem Jahr hat das Stadtparlament das Entwicklungskonzept «Altern in Luzern» gutgeheissen. Im März hat Projektleiter Beat Bühlmann die Arbeit aufgenommen. Parallel dazu wurde der Seniorenrat durch ein rund 50 Mitglieder umfassendes Forum Luzern60plus ersetzt. Am Freitag zogen die Verantwortlichen eine - positive - Zwischenbilanz.

So verlockend das Nichtstun im Ruhestand erscheine, auf die Dauer vermittle es keine sinnstiftende Perspektive, so Sozialdirektor Martin Merki. Mit dem Pilotprojekt wolle man die Rahmenbedingungen für ein gelingendes Alter schaffen. Wer Eigenverantwortung übernehme, lebe besser.

Stadt kann auf Alte nicht verzichten

Auf der andern Seite kann auch die Stadt von der Lebenserfahrung der Alten profitieren. Sie tragen damit laut Merki zur gesellschaftlichen Wertschöpfung bei. Eine Stadt, die den demografischen Wandel als Chance verstehe, könne nicht auf Ressourcen der Alten verzichten und müsse sie stärker ins politische und gesellschaftliche Leben einbeziehen.

Auch für Projektleiter Beat Bühlmann geht es nicht darum, die Freizeit der Generation 60plus zu organisieren. Nicht für, sondern mit den Alten wolle man arbeiten und ihnen vor allem im Quartier die Mitgestaltung ermöglichen. Dabei stünden konkrete Probleme wie Quartierläden, Treffpunkte, günstiges Wohnen im Mittelpunkt.

Im Wesemlin etwa bildeten sich, nach einem öffentlichen Workshop, zwei Arbeitsgruppen zu den Themen Wohnen und Quartierleben. In Tribschen-Langensand streifen mehrere Gruppen durch das Quartier, erfassen ihre Beobachtungen mit Tonband und Fotos. Im Stadtteil Littau wiederum kommen Quartierforscherinnen und -forscher zum Zug, die die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung erfassen.

Quartierbüros für Alte öffnen

Bereits vor zwei Jahren abgeschafft wurde die traditionellen Feier «Willkommen im AHV-Alter». An ihrer Stelle wird im nächsten Jahr erstmals der «Marktplatz 60plus» durchgeführt. Keine Seniorenmesse, wie Bühlmann betont, sondern ein Umschlagplatz für Ideen, Projekte und Begegnungen. Er soll zu Engagement, zu politischer und kultureller Tätigkeit, zu Weiterbildung ermutigen.

Vorgesehen ist ferner, die bis anhin vor allem für Kinder und Jugendliche eingerichteten Quartierbüros für die ältere Generation zu öffnen. Ein erster Versuch ist für den Frühling 2013 im Quartierbüro Maihof geplant.

Rege Beteiligung am Forum Luzern60plus

Unabhängig vom Entwicklungskonzept, aber mit ihm vernetzt, wurde das Forum Luzern60plus aufgebaut. Deren Mitglieder liessen sich unter anderem über die Sicherheits- und die Verkehrspolitik sowie den Umgang mit Sozialen Medien informieren. Ein konkretes Resultat ist die Bildung der Arbeitsgruppe «Lobby für Fussgängerinnen und Nutzerinnen des öffentlichen Verkehrs».

Rege benutzt wird auch das Internet als Austauschplattform für die Mitglieder des Forums. Es geht dabei um die Meinungsbildung, aber auch um eine stärkere Beteiligung am und Einflussnahme auf das Leben der Stadt. Ziel von Luzern60plus ist es laut deren Präsidentin Christina von Passavant, von der Stadt ernst genommen zu werden.

Neue Formen der Partizipation und der Selbstbestimmung, verspricht sich Sozialdirektor Martin Merki vom Projekt «Altern in Luzern». Es sei Ausdruck einer starken Generation, die Freude und Lust verspüre, das dritte Lebensalter sinnvoll und voller Energie mitzugestalten - auch für die nachfolgenden Generationen.

sda