Luzern will junge Wähler mit Videoclips für das Wahljahr 2019 begeistern

SP-Kantonsrat Jörg Meyer fordert für das Wahljahr 2019 einen flächendeckenden Versand von einfach erklärten Abstimmungsbroschüren. Der Kanton Luzern möchte lieber Videos produzieren – auch weil sie günstiger sind.

Martina Odermatt
Drucken
Teilen
Im Wahljahr 2019 sollen die Abstimmungsbroschüren von Easyvote flächendeckend verteilt werden.Symbolbild: Corinne Glanzmann (27. Februar 2015)

Im Wahljahr 2019 sollen die Abstimmungsbroschüren von Easyvote flächendeckend verteilt werden.Symbolbild: Corinne Glanzmann (27. Februar 2015)

Junge bleiben der Politik fern. Diese Tendenz zeigt sich bei Wahlen und Abstimmungen immer wieder. Abhilfe schaffen soll unter anderem Easyvote. Dabei handelt es sich um ein Programm des Dachverbands der Schweizer Jugendparlamente, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Stimmbeteiligung der 18 bis 25-Jährigen zu erhöhen.

Erreichen will man eine höhere Wahlbeteiligung etwa mit Broschüren oder Videos, wie zum Beispiel diesen: 

Ziel ist es, Abstimmungsinhalte zu eidgenössischen und kantonalen Abstimmungen gut verständlich zu erklären. Gemeinden, welche die easyvote-Abstimmungsbroschüre abgeben, erhalten vom Kanton einen Unterstützungsbeitrag von 1,50 Franken pro Jahr und Empfänger. 14 Gemeinden im Kanton Luzern machen von diesem Angebot Gebrauch.

Videos sind glaubwürdiger

SP-Kantonsrat Jörg Meyer fordert nun in einem Postulat von der Regierung, das bei den Wahlen im nächsten Jahr eine solche Broschüre flächendeckend im ganzen Kanton an die stimmberechtigten Jugendlichen versandt wird. Easyvote rechnet in einer Offerte mit 13 877 Jugendlichen zwischen 18 und 20 Jahren. Bei vier Abstimmungsterminen würde dies beim Direktversand durch Easyvote 90 000 Franken kosten. Beim Versand durch den Kanton oder die Gemeinden würden die Kosten rund 50 000 Franken pro Jahr betragen. Dieser grosse Kostenunterschied ist der Versandart geschuldet, wie Erwin Rast vom Justiz- und Sicherheitsdepartement erklärt. «In der teureren Version schreibt Easyvote die Jugendlichen selber an, in der günstigen erhalten die Gemeinden ein Paket mit der entsprechenden Anzahl Broschüren. Einpacken und Versand nehmen die Gemeinden selber vor.»

Die Regierung hat das Postulat für teilweise erheblich erklärt. Sie schlägt statt den Broschüren die Produktion von Videoclips vor, da die finanziellen Mittel aus dem Lotteriefonds für die Kinder- und Jugendförderung «sehr begrenzt» sind. Eine Studie der Universität Bern stellt fest, dass Videoclips generell besser bewertet werden als Textbotschaften, sowohl was den Nutzen als auch die Glaubwürdigkeit anbelangt. «Mit Blick auf die im Vorstoss erwähnte Zielgruppe erachten wir es als sinnvoller, in die Erstellung von Videoclips für die kantonalen Abstimmungen zu investieren», heisst es in der Antwort. Eine grobe Kostenschätzung habe einen Betrag von rund 7 500 Franken ergeben. «Wir sind bereit, die weiteren erforderlichen Abklärungen an die Hand zu nehmen und Finanzierungsfrage sowie die Zuständigkeiten zu klären», heisst es weiter. Der Kanton wartet nun die Diskussion im Kantonsrat ab.

Jörg Meyer ist mit der Antwort der Regierung nicht zufrieden. «Ich beharre auf eine vollständige Überweisung», sagt der Regierungsratskandidat auf Anfrage. «Ich kann nicht nachvollziehen, dass man für dieses Anliegen nicht 50 000 Franken aus einem 25 Millionen schweren Fonds aufwenden kann. » Einverstanden sei er mit der Idee, Videoclips zu drehen. Meyer betont aber, dass es sowohl Videos wie auch Textbotschaften brauche.