Luzern
«Wir brauchten viel Mut und Energie»: Gletschergarten erhält Tourismus-Award

Zu den Preisträgern gehören zudem das «World Tourism Forum Luzern» und die Rigibahnen. Wir haben den Gletschergarten-Direktor gefragt, wie die neu eröffnete Felsenwelt trotz Corona zum Publikumsmagnet werden konnte.

Simon Mathis
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Am Samstag wurden im KKL die diesjährigen drei Gewinner des Tourismus-Awards gekürt: Es handelt sich um das «World Tourism Forum Luzern», die Rigibahnen und den Gletschergarten Luzern. Letzterer hat im Sommer medien- und publikumswirksam eine neue Attraktion eröffnet: die Felsenwelt, die auf eine Erkundungstour ins Felsinnere einlädt.

Gletschergarten-Direktor Andreas Burri in der Felsenwelt.

Gletschergarten-Direktor Andreas Burri in der Felsenwelt.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 26. November 2021)

«Ich bin erfreut über diese Ehrung, aber auch etwas überrascht», sagt Gletschergarten-Direktor Andreas Burri. «Eigentlich hätte ich gedacht, dass die Jury erst abwartet und prüft, ob wir den neuen Laden schmeissen können», sagt er mit einem Lachen.

Daher wertet Burri den vom Verein Tourismus Forum Luzern vergebenen Preis als Anerkennung für den Mut, etwas «derart Grosses und Spektakuläres» wie die Felsenwelt auf die Beine zu stellen: «Denn die Erneuerung der Anlage mit mehreren Teilprojekten hat uns tatsächlich viel Mut, Überzeugungskraft und Energie gekostet.» Natürlich benötigte das Ganze auch Geld: konkret 20 Millionen Franken für die gesamte Erneuerung. Das so genannte «Projekt Fels» umfasste die Restaurierung des Schweizerhauses mit dem Museum und dem neuen Bistro Salwideli, die Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage, die Felsenwelt und den Sandstein-Pavillon.

«Diese Summe zu sichern und Geldgeberinnen und Geldgeber vom Vorhaben zu überzeugen, war eine grosse, teilweise aber auch dankbare Aufgabe», so Burri. Für die Vorabklärungen indes habe der Gletschergarten selbst Geld in die Hand genommen – und 1,5 Millionen Franken investiert.

Die ersten Besucherinnen und Besucher in der im Sommer eröffneten Felsenwelt.

Die ersten Besucherinnen und Besucher in der im Sommer eröffneten Felsenwelt.

Bild: Patrick Hürlimann (Luzern, 3. August 2021)

Der Erfolg nach der Eröffnung der Felsenwelt bestätigte die Strategie: Laut Burri konnte sich der Gletschergarten über den besten August, aber auch den besten Oktober seit über zehn Jahren freuen. «Das Museumswetter und die Medienpräsenz haben geholfen», so Burri. «Trotzdem waren wir total baff über den riesigen Ansturm. Es war ein regelrechter Stresstest.»

70 Prozent des Potenzials ausgeschöpft

Andreas Burri.

Andreas Burri.

Bild: Patrick Hürlimann

Besucherandrang in Zeiten der Pandemie? Ja, sagt Burri. «Wir leben von Besuchern aus der ganzen Schweiz und dem grenznahen Ausland, aber nicht vom Massentourismus.»

Internationale Gruppen hätten gar keine Zeit, sich auf den Gletschergarten einzulassen. «Mal abgesehen davon, dass wir dem mit unserer Infrastruktur gar nicht gewachsen wären.» Dank vielen Gästen aus der Schweiz und staatlichen Ausfallentschädigungen habe man die Coronakrise bis jetzt mit einem blauen Auge überstanden. Dennoch hält Burri fest:

«Ohne Einschränkungen hätten wir wesentlich mehr Besucher gehabt. Ich gehe davon aus, dass wir unser Potenzial heuer lediglich zu 70 Prozent ausschöpfen konnten.»

Er betont, keineswegs gegen Massnahmen wie die Zertifikatspflicht zu sein. «Aber klar ist: Corona ist eine betriebliche Belastung. Ich spüre eine Ermüdung, mittlerweile geht’s ans Eingemachte.» Punktuell musste man für die Zertifikats-Kontrolle gar eine Sicherheitsfirma verpflichten, weil die die Aufgaben im Kassenbereich nicht alleine gestemmt werden konnten.

Gletschergarten-Direktor Andreas Burri in der Felsenwelt.

Gletschergarten-Direktor Andreas Burri in der Felsenwelt.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 26. November 2021)

Pavillon mit Wechselausstellungen soll im Sommer fertig sein

Blickt Andreas Burri in die Zukunft, denkt er aber nicht nur an Corona. Die Erneuerung des Gletschergartens ist nämlich noch nicht abgeschlossen. Der Sandstein-Pavillon, der sich zurzeit im Aufbau befindet, soll künftig ein bis zwei Mal pro Jahr Wechselausstellungen beherbergen. «Der Gletschergarten als ‹veredelter Steinbruch› hat von Natur etwas Statisches. Deshalb ist es eine Herausforderung, die Leute immer wieder neu zu begeistern», erläutert Burri. «Da hilft ein dynamischer Teil, wie er im Pavillon vorgesehen ist und natürlich auch Führungen für Gruppen und Events.»

Die künftige Positionierung des Luzerner Tourismus gibt immer wieder zu reden. Wo steht Burri in dieser Debatte? «Da ein Besuch des Gletschergartens vergleichsweise viel Zeit erfordert, sind wir natürlich über Einzelgäste froh, die mehrere Tage in Luzern bleiben», sagt er. «Längere Aufenthalte helfen, mehr Wertschöpfung in der Region zu generieren – das ist gut für die Hotels und für alle Kulturbetriebe.»

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