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LUZERN: «Wir bringen die Fasnacht von der Strasse auf die Bühne»

Ein Wirt auf Frauensuche, ein Wunder in der Hotelfachschule und Zeitreisende im «Stadtkeller»: Der Besuch von drei Stadtluzerner Gaststätten bringt Mannigfaltiges zu Tage.
Stephan Santschi
Vom Schwarz-Weiss-Film in den Zwanzigerjahren direkt an den Chöbu-Samschtig in den «Stadtkeller». (Bild: Philipp Schmidli)

Vom Schwarz-Weiss-Film in den Zwanzigerjahren direkt an den Chöbu-Samschtig in den «Stadtkeller». (Bild: Philipp Schmidli)

Stephan Santschi

Sie kommen aus einer anderen Zeit und scheinen auf den ersten Blick nicht so recht in die farbenfrohe Luzerner Fasnacht zu passen. In Schwarz-Weiss gekleidet, mit grauen Gesichtern und altmodisch gesteckten Frisuren oder getrimmten Schnauzbärten, sitzen die rund 20 Personen an einem Tisch im «Stadtkeller». «Wir kommen direkt aus einem SchwarzWeiss-Film in den Zwanzigerjahren», erklärt Rebekka. Die 28-Jährige aus Willisau ist mit ihren Freunden allerdings nicht das erste Mal einer anderen Zeit entsprungen: «Wir kommen seit Jahren hierher. Einen solchen Anlass gibt es bei uns auf dem Land nicht. Die Abende hier sind immer sehr cool und eher gemütlich.»

Maskierte im Restaurant Unterlachenhof. (Bild: Philipp Schmidli)
Maskierte im Restaurant Unterlachenhof. (Bild: Philipp Schmidli)
Theater beim Hotel des Alpes an der Reuss nach Sonnenuntergang. (Bild: Philipp Schmidli)
Schnitzelbänke im ehemaligen Hotel Union. (Bild: Philipp Schmidli)
Schnitzelbänke im ehemaligen Hotel Union. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Schnitzelbänke im ehemaligen Hotel Union fanden ein grosses Publikum. (Bild: Philipp Schmidli)
Einzelmasken an der Reuss nach Sonnenuntergang. (Bild: Philipp Schmidli)
Einzelmasken an der Reuss nach Sonnenuntergang. (Bild: Philipp Schmidli)
«Und jetzt alle!» Die Pilatusgeister im Stadtkeller Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Pilatusgeister geben im Stadtkeller Luzern ihr Bestes. (Bild: Philipp Schmidli)
Stummfilm und Beizenfasnacht im Stadtkeller. (Bild: Philipp Schmidli)
Noteheuer Lozärn in der Altstadt. (Bild: Philipp Schmidli)
Theater beim Hotel des Alpes an der Reuss nach Sonnenuntergang. (Bild: Philipp Schmidli)
Einzelmasken an der Reuss nach Sonnenuntergang. (Bild: Philipp Schmidli)
Einzelmasken an der Reuss nach Sonnenuntergang. (Bild: Philipp Schmidli)
15 Bilder

Beizenfasnacht in Luzern

Gratissuppe um Mitternacht

Die Rede ist vom 9. Chöbu-Samschtig im «Stadtkeller», organisiert von der Guuggenmusig Pilatusgeister. Deren Vizepräsident Dominik Baumgartner hält fest: «Wir machen eine Fasnacht von Fasnächtlern für Fasnächtler. Mittlerweile verfügen wir über ein gewisses Stammpublikum.» Volksrocker Willy Tell machte dabei ebenso seine Aufwartung wie die Kleinformation Sofort-Hei aus Rain, die Harmoniemusik Rädäpläm aus Kriens oder die Gastgeber, die Pilatusgeister.

Wer zu den Rhythmen schunkeln, klatschen oder tanzen wollte, tat es. Der Rest blieb sitzen, ass, trank und genoss die Show bis in die Morgenstunden. Wer zwischenzeitlich etwas schläfrig wurde, dem half die Gratissuppe um Mitternacht wieder auf die Sprünge.

Kein Stammpublikum, aber ebenfalls ein volles Haus präsentierte sich an der Fasnachtspremiere im «Unterlachenhof» an der Tribschenstrasse. Nachdem die rund 200 Gäste das Cordon bleu oder die Spaghetti all’arrabbiata verdrückt hatten, bat man zum klassischen Maskenball. «Musik, Tanz und Intrigieren wir möchten den Maskenball wieder aufleben lassen», betonte Alceo Benedetti. Der Ehrenpräsident der Vereinigten Guuggenmusigen trat gemeinsam mit «Unterlachenhof»-Wirt Bruno Bühler als Initiant und Veranstalter auf. Der Maskenball sei in der Stadt verloren gegangen. «Bei uns soll man nicht nur konsumieren, bei uns macht man mit. Wir leben von denen, die zu uns kommen», sagte Benedetti.

Fesche Synchronschwimmerinnen

Wer mit einer Vollmaske erschien, hatte Gratiseintritt. So, wie beispielsweise die Fasnachtsgruppe Stadtratte Lozärn. Sie liessen sich als Synchronschwimmer in die bürgerliche Gaststätte spülen. Die eine oder andere Athletin bestach mit ansprechender Muskelmasse und passte damit durchaus ins Beuteschema von Wirt Bruno Bühler, der wie das ganze Personal in bäuerlicher Kluft daherkam. «Bauer, ledig, sucht fesche Bäuerin mit festen Waden», war auf einem Schild hinter seinem Rücken zu vernehmen.

Die ursprüngliche Fasnacht wieder aufleben lassen wollte man auch an der Löwenstrasse im César Ritz Colleges Switzerland. Dort, wo früher das Hotel Union war, wirkt heute eine Hotelfachschule. Und die erlebte gestern ein regelrechtes Wunder, wie Veranstalter Kurt Erne zu berichten wusste. «Vielleicht liegt es am grossen, traditionellen Saal, dass so viele Leute gekommen sind», sagte er staunend und bezog sich damit auf das letzte Jahr, als das Tattüü im Casino mangels Nachfrage zu einem mittleren Flop degradiert worden war.

Politik und Sex ziehen auch hier

Rund 350 Gäste sorgten diesmal für ein ausverkauftes Haus. «Unsere Stärke ist die Vielfalt. Wir bringen die Fasnacht von der Strasse auf die Bühne», hielt Erne fest. Auch hier wurde intrigiert, getanzt oder zur Melodie von Guantanamera die Polonaise initiiert. Sogar die Schnitzelbänke fehlten nicht die Verbindung von Politik und Sex sorgte dabei für grosses Interesse. «Normalerweise sind wir mit einem Wagen auf der Strasse unterwegs. Diesmal wollten wir aber einmal etwas anderes ausprobieren. Die Stimmung ist gut, die Leute sind gemütlich. Fest steht aber: Wir ziehen hier das Durchschnittsalter etwas nach unten», sagte die 49-jährige Pia aus Emmenbrücke mit einem Lachen, nachdem sie gerade den Auftritt der Luzerner Noggeler auf der Festbank wippend mitverfolgt hatte.

Das hatten die drei Fasnachtsanlässe in den Luzerner Gaststätten gestern gemein. Sie alle verpflichteten sich einer traditionellen Fasnacht, in der auch, aber nicht nur laute Guuggenmusig-Klänge den Ton angaben.

Mehr Bilder vom Rüüdige Samschtig finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/fasnacht

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