LUZERN: «Wir haben klare Bedingungen»

Ernst F. Schmid vertritt die Interessen der privaten Geldgeber beim Bau der Salle Modulable. Im Interview erklärt er, was es braucht, um dem Projekt zum Erfolg zu verhelfen.

Interview Hugo Bischof
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Der Zürcher Ernst F. Schmid ist Anwalt des Butterfield Trust. Er vertritt den Trust im Stiftungsrat der Salle Modulable. (Bild Roger Grütter)

Der Zürcher Ernst F. Schmid ist Anwalt des Butterfield Trust. Er vertritt den Trust im Stiftungsrat der Salle Modulable. (Bild Roger Grütter)

Interview Hugo Bischof

Das Projekt eines räumlich flexiblen Musiktheatergebäudes in Luzern, der Salle Modulable, hat eine lange, umkämpfte Vorgeschichte (siehe Kasten). Seit der gerichtlichen Einigung hat die «Salle» nun wieder Fahrt aufgenommen. Zusätzliches Interesse erhält das Projekt auch, weil in Paris vor kurzem ein ähnliches Gebäude eröffnet wurde (Ausgabe vom 23. Januar). Wir führten ein Gespräch mit Ernst F. Schmid in dessen Zürcher Anwaltsfirma. Schmid ist Vertreter des Butterfield Trust in Bermuda, auf dem der 2010 verstorbene Megger Mäzen Christof Engelhorn seine Spende von 120 Millionen Franken für den Bau der Luzerner Salle Modulable deponiert hatte. Nach der Einigung vor Gericht hat Schmid als Trust-Vertreter Einsitz in den Salle-Modulable-Stiftungsrat genommen.

Ernst F. Schmid, wie gross ist die Chance, dass Luzern die lange Zeit vor Gericht umkämpfte Salle Modulable nun doch erhält?

Ernst F. Schmid: Die Aussichten sind sicher die besten seit dem Start des Projekts im Jahr 2007. Aber die technischen, finanziellen und politischen Rahmenbedingungen müssen noch geklärt werden.

Als Sie am 4. Dezember 2014 an einer Medienkonferenz zusammen mit Vertretern der Stiftung Salle Modulable die Einigung bekannt gaben, machten Sie nicht gerade einen glücklichen Eindruck. Täuschte dies?

Schmid: Ja, dieser Eindruck täuschte. Es handelt sich um eine ernsthafte Sache. Wir stehen am Anfang eines grossen Projekts. Alle Beteiligten haben sich jetzt gefunden und wollen zusammenarbeiten.

80 Millionen Franken aus dem Butterfield Trust sollen nun in den Bau des neuen flexiblen Theatergebäudes in Luzern fliessen. Welche Bedingungen müssen dafür erfüllt sein?

Schmid: Es sind im Wesentlichen drei Bedingungen: Der Bau muss technisch machbar sein. Die notwendigen rechtlichen und politischen Bewilligungen müssen vorliegen. Der Bau und der Betrieb müssen finanziell gesichert sein.

Wer entscheidet, ob diese Bedingungen erfüllt sind?

Schmid: Der Nachweis der technischen Machbarkeit muss vom Beratungsunternehmen Arup erbracht werden. Die politischen und finanziellen Rahmenbedingen zu erfüllen, wird Sache von Stadt und Kanton sein.

Wie wichtig ist die Standortfrage? Bis wann muss sie beantwortet sein?

Schmid: Die Standortfrage muss möglichst bald geklärt werden, weil die Machbarkeitsstudie, die bis Ende 2015 vorliegen soll, auf einem konkreten Standort beruhen muss.

Laufen die Abklärungen schon?

Schmid: Ja. Abklärungen laufen auf Seiten der Stadt wie auch auf Seiten von Arup. Vertreter von Arup waren vor Ort, die Gespräche sind im Gange. Auch der in Ihrer Zeitung kürzlich vorgestellte Experte Tateo Nakajima, ein hervorragender Mann, unter dessen Leitung die Machbarkeitsstudie erstellt werden wird, war schon hier.

Waren Sie bei diesen Gesprächen auch dabei?

Schmid: Ja, teilweise.

Wer bestimmt letztlich den Standort?

Schmid: Die Stadt Luzern wird Arup einen Vorschlag machen.

Drei mögliche Standorte sind im Rennen: Theaterplatz, Inseli, Motorboothafen. Wird es einer dieser drei sein?

Schmid: Davon gehe ich aus.

Im ersten Anlauf scheiterte das Projekt. 2010 zog der Butterfield Trust die in Aussicht gestellten 120 Millionen Franken zurück. Die damals für den Bau kalkulierten Kosten von 156 Millionen Franken seien viel zu hoch; die Zusatzinvestitionen seien nicht gesichert. Könnte sich ein ähnliches Szenario wiederholen?

Schmid: Die Voraussetzungen sind heute anders und besser – nicht zuletzt, weil das Salle-Modulable-Projekt heute Teil der Neuen Theater-Infrastruktur (NTI) ist, der von Stadt und Kanton seit längerem geplanten Theater-Erneuerung. Zudem ist für die Musikhochschule inzwischen eine eigene Lösung gefunden worden, was das Projekt vereinfachen und günstiger machen dürfte.

Gibt es jetzt, im zweiten Anlauf, eine von allen Seiten anerkannte Maximalhöhe der Baukosten?

Schmid: Eine solche Summe lässt sich erst nach Ausarbeitung eines konkreten Projekts nennen.

Wird die Beurteilung von Arup abschliessend sein? Oder kann der Trust den Arup-Entscheid anfechten?

Schmid: Weshalb sollte er dies tun? Schliesslich war es der Trustee, also der Verwalter des Trusts, welcher der Stiftung Salle Modulable vorgeschlagen hat, die Machbarkeitsstudie durch Arup durchführen zu lassen. Sowohl die Stiftung Salle Modulable als auch der Trustee sind von Arups Fachwissen überzeugt und vertrauen Arups Urteil.

Was passiert, wenn Arup zum Schluss kommt, das vorliegende Projekt sei nicht mit der Vision von Christof ­Engelhorn vereinbar? Zieht sich der Trust dann zurück?

Schmid: Wenn die Experten zum Schluss kommen, dass das Projekt nicht machbar ist, dann wird niemand mehr das Projekt realisieren wollen.

Sie vertreten in der Stiftung Salle Modulable die Interessen des Butterfield Trust. Welche Möglichkeiten haben Sie, zu reagieren, wenn etwas aus Ihrer Sicht nicht in die richtige Richtung läuft?

Schmid: Als Stiftungsrat der Stiftung Salle Modulable werde ich meine Vorschläge einbringen und meine Bedenken äussern können, wenn ich von irgendetwas nicht überzeugt bin. Zudem: Die Stiftung und der Trust haben vertraglich klare Bedingungen für die Entwicklung und Finanzierung des Projekts vereinbart. Sollten diese – aus welchen Gründen auch immer – nicht erfüllt werden können, würde dies vertragsgemäss das Ende des Trust-Engagements bedeuten.

Haben auch die Nachkommen des Donators Christof Engelhorn noch ein Mitspracherecht bei der Weiterbearbeitung des Projekts, vorab seine Tochter Vera Engelhorn?

Schmid: Die Weiterbearbeitung des Projekts basiert auf der Vereinbarung zwischen der Stiftung Salle Modulable und dem Trust. Die Nachkommen von Christof Engelhorn stehen voll hinter dieser Vereinbarung, weil damit eine Vision ihres Vaters und Grossvaters umgesetzt werden soll.

Wie lange schon und in welcher Funktion sind Sie für den Butterfield Trust Bermuda tätig?

Schmid: Ich bin als Anwalt für den Trustee tätig und bin gegenüber meinem Mandanten an das Anwaltsgeheimnis gebunden, weshalb ich diese Frage nicht im Detail beantworten kann. Aber ich beschäftige mich mit den rechtlichen Fragen rund um die Salle Modulable schon eine geraume Zeit.

Haben Sie auch den Salle-Modulable-Prozess in Bermuda vor Ort verfolgt?

Schmid: Teilweise ja.

Sie sagten, dass die Familie und die Nachfahren des Donators Christof Engelhorn hinter dem Projekt stehen. Gibt es schriftliche Belege dafür?

Schmid: Die Nachkommen stehen hinter der Vereinbarung zwischen Stiftung und Trust. Das haben wir an der Medienkonferenz vom 4. Dezember 2014 in aller Deutlichkeit öffentlich erklärt, und das ist, was zählt.

Haben oder hatten Sie direkten Kontakt zur Familie Engelhorn, insbesondere zu Tochter Vera Engelhorn und deren Lebenspartner, die in New York leben?

Schmid: Dazu möchte ich mich mit Blick auf das Anwaltsgeheimnis nicht weiter äussern.

HINWEIS

Dr. iur. Ernst F. Schmid arbeitet als Rechtsanwalt bei der Wirtschaftsrechtskanzlei Niederer Kraft & Frey in Zürich. 1952 in Zürich geboren, studierte er Rechtswissenschaft in Zürich und Cambridge.