LUZERN: «Wir wollen frecher auftreten»

Katharina Meile und Raffael Fischer präsidieren künftig die Grünen. Im Gespräch sagen sie, warum es die Grünen immer noch braucht und wie sie bei den Wahlen punkten wollen.

Interview Florian Weingartner
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Sie wollen der Grünen Partei Kanton Luzern wieder ein Gesicht geben: Katharina Meile (29) und Raffael Fischer (34) auf dem Luzerner Inseli. (Bild Pius Amrein)

Sie wollen der Grünen Partei Kanton Luzern wieder ein Gesicht geben: Katharina Meile (29) und Raffael Fischer (34) auf dem Luzerner Inseli. (Bild Pius Amrein)

Katharina Meile, Raffael Fischer, warum kandidieren Sie für das Co-Präsidium der Grünen Partei Kanton Luzern?

Katharina Meile: Wir möchten der Partei wieder ein Gesicht geben.

Raffael Fischer: Wir haben beide Lust darauf, uns mit den Grünen für unsere Anliegen zu engagieren.

Vor gut zwei Jahren suchten die Grünen eine neue Führung, fanden aber niemanden. Seither wurde die Partei von einem 13-köpfigen Vorstand geführt. Hat das nicht funktioniert?

Meile: Im Gegenteil, das Modell hat sehr gut funktioniert. Auch wir wollen uns weiterhin auf den starken Vorstand abstützen. Ich wurde damals auch angefragt, doch es passte zu der Zeit einfach nicht. Wir finden es nun aber wichtig, dass die Partei in der Aussenwirkung wieder zwei Köpfe hat.

Raffael Fischer: Vor zwei Jahren ging es mir ähnlich, es passte überhaupt nicht. Aber ich entschied mich zur Mitarbeit im nationalen Vorstand. Dort habe ich noch mehr über politische Abläufe gelernt, was mir im neuen Amt sicher hilft.

Im Gegensatz zu Katharina Meile sind Sie politisch ein wenig beschriebenes Blatt. Sie bekleideten bisher kein öffentliches Amt. Wird Ihnen diese Erfahrung fehlen?

Fischer: Durch mein langjähriges Engagement in verschiedenen Gremien bin ich durchaus erfahren und kenne die politische Situation in Luzern gut. Ich freue mich, mit Katharina als einer mit der parlamentarischen Arbeit gut vertrauten Person das Co-Präsidium zu teilen.

Meile: Ich bin überzeugt, dass Raffael und ich uns sehr gut ergänzen werden, gerade weil wir viel Erfahrung auf unterschiedlichen Ebenen gesammelt haben.

Sie werden am Montag an die Spitze Ihrer Partei gewählt. Schon in zehn Monaten sind kantonale Wahlen. Reicht die Zeit für die Vorbereitungen?

Meile: Natürlich. Wir sind jetzt schon voll in den Vorbereitungen und sehr zuversichtlich für das Wahljahr 2015.

Fischer: Wir müssen unserer Partei nicht erklären, wie Wahlen anzugehen sind.

Aber einen gewissen Einfluss werden Sie ja wohl doch auf den Wahlkampf Ihrer Partei nehmen wollen.

Fischer: Klar, wir wollen, dass die Grünen stärker und frecher auftreten. Dazu wollen wir als junges und frisches Duo unseren Teil beitragen.

Heisst das weniger Sachpolitik und mehr Populismus? Oder was ist darunter zu verstehen?

Meile: Das heisst sicher nicht mehr Populismus. Wir werden genauso sachlich und fundiert an unseren grünen Themen bleiben wie bisher. Unsere Anliegen in einer lockeren Art nach aussen zu tragen und der Öffentlichkeit zugänglicher zu machen, ist das Ziel.

Und mit welchen Themen wollen Sie die Wählergunst gewinnen?

Fischer: Ein wichtiges Thema wird sicher unsere eigene Initiative «Kinder fördern – Eltern stützen, Ergänzungsleistungen für Familien» sein. Dann werden wir uns sehr engagiert an der Finanzdiskussion im Kanton Luzern beteiligen – denn es dürfen nicht wichtige Leistungen abgebaut werden. Auf nationaler Ebene forcieren wir unsere Lebensmittelinitiative. Zentral ist für uns auch das Konzept der grünen Wirtschaft. Wir wollen die Hauptidee der grünen Bewegung ins Zentrum rücken, uns für eine zukunftstaugliche Lebens- und Wirtschaftsweise einsetzen.

Inzwischen proklamiert so gut wie jede Partei, sich für den Schutz der Umwelt und den nachhaltigen Umgang mit ihr einsetzen zu wollen. Gerade die Grünliberalen machen Ihnen das «Grün» streitig.

Meile: Wir sind wohl die einzige Partei, die froh wäre, wenn es sie nicht mehr brauchen würde, wenn dereinst unsere Anliegen selbstverständlich und überall umgesetzt sein sollten. Ob das grüne Denken heute schon bei den anderen Parteien wirklich durchgedrungen ist, daran habe ich grosse Zweifel. Es freut uns aber trotzdem, wenn andere unsere zehn Jahre alten Vorstösse wieder aufgreifen und diese nun eine Mehrheit finden. Schliesslich geht es uns um die Sache.

Fischer: Bei vielen Vorschlägen der Grünen heisst es von den anderen Parteien schnell: «Ja, aber ...», «es ist zu teuer» oder «Der Zeitpunkt ist gerade nicht günstig». Doch man darf nötige Veränderungen nicht einfach auf spätere Generationen abschieben. Deshalb stehen wir für die grünen Forderungen ein und verfolgen diese unbeirrt weiter.

Meile: Das unterscheidet uns von den anderen Parteien.

Welche Ziele stecken Sie sich für die kantonalen Wahlen 2015?

Meile: Wir wollen drei Sitze zulegen: In den Wahlkreisen Willisau, Luzern-Stadt und Luzern-Land liegt je einer im Bereich des Möglichen.

Wie ist die Partei gut zehn Monate vor dem Wahlgang aufgestellt?

Fischer: Wir sind gut aufgestellt. Die Wahllisten formieren sich, wir haben schon zahlreiche Zusagen von Kandidaten erhalten. Mit diesen starken Persönlichkeiten auf unseren Listen in den verschiedenen Wahlkreisen wird das Ziel der Sitzgewinne immer realistischer.

In ländlichen Gebieten tut sich Ihre Partei bisher eher schwer, Fuss zu fassen. Wie wollen Sie das ändern?

Meile: Wir machen das ganze Jahr Politik, die nicht nur die Stadt und Agglomeration Luzern betrifft, sie findet auch in ländlichen Gebieten statt. Wir sind präsent auf dem Land.

Fischer: Zudem setze ich mit meiner Kandidatur ein klares Zeichen, dass die Grünen Stadt und Land vertreten. Im Zusammenhang mit den Wahlen führen wir derzeit viele Gespräche mit möglichen Kandidierenden und sehen so, wo zusätzliches Potenzial vorhanden ist. Ein Zuwachs an Ortsparteien in der nahen Zukunft würde uns natürlich freuen.