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LUZERN: Wirbel um Luzerner Stammzellentherapie

Ein Arzt hat bei einem Kind eine umstrittene Therapie durchgeführt. Er habe dafür keine Bewilligung gebraucht, sagt sein Anwalt. Der Kanton sieht das anders.
Symbolbild Boris Bürgisser / Neue LZ

Symbolbild Boris Bürgisser / Neue LZ

Stammzellentherapien sind zu experimentell, die Wirkung ungewiss und im schlimmsten Fall sogar lebensgefährlich, warnt die Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic. Für eine solche Behandlung braucht ein Arzt in der Schweiz deshalb eine Bewilligung. Dennoch kam es in Luzern zu solchen Behandlungen ohne Bewilligung, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. Demnach gibt es Belege dafür, dass ein deutscher Arzt in Luzern Kindern unter Vollnarkose Stammzellen aus dem Beckenkamm entnahm und über die Blutbahn wieder zuführte. Bei Verstössen gegen das Heilmittelgesetz kann Swissmedic eine Untersuchung eröffnen. Sprecher Lukas Jaggi sagt auf Anfrage unserer Zeitung: «Swissmedic klärt diesen länger zurückliegenden Fall ab und berücksichtigt dabei neue Erkenntnisse oder Informationen.»

Hilfe für weissrussisches Mädchen

Die «Sonntagszeitung» schildert einen Fall im November 2012, als der Arzt ein schwer behindertes Mädchen aus Weissrussland behandelte. Das Gehirn der damals siebenjährigen Maria (Name geändert) ist wegen lang anhaltenden Sauerstoffmangels bei der Geburt nicht vollständig ausgebildet. Die Eltern des Mädchens suchten Hilfe bei Spezialisten und fanden sie zunächst in Bonn. Kurz darauf wurde die Stammzellentherapie in Deutschland allerdings verboten – nachdem ein hirngeschädigtes Kind gestorben und eine Ärztin angeklagt worden war. Über eine Patientenvermittlung kam die Familie aus Weissrussland schliesslich nach Luzern zu besagtem Arzt. Dieser verfügt seit November 2012 über eine Berufsausübungsbewilligung im Kanton Luzern. Er entnahm Maria Stammzellen aus dem Beckenkamm und spritzte sie ihr ins Rückenmark. Swissmedic qualifiziert dies als Herstellung eines Arzneimittels (Transplantatprodukt), weil die Stammzellen nach der Rückführung in den Körper dort eine andere als die ursprüngliche Funktion übernehmen sollen. Die Behandlung soll 9000 Euro gekostet haben; diesen Betrag brachte die Familie dank Spenden zusammen – und zahlte ihn bar.

Bis zu fünf Jahre Haft möglich

Eine Bewilligung für die Therapie hatte der Arzt nicht, wie Alexander Duss vom Rechtsdienst des kantonalen Gesundheitsdepartements bestätigt. Wer gegen das Heilmittelgesetz verstösst, kann mit einer Busse bis zu 180 Tagessätzen oder fünf Jahren Haft bestraft werden. Doch die Luzerner Dienststelle Gesundheit und Sport sah damals von einer Sanktion ab; seine Zulassung ist nach wie vor gültig. Weshalb? Duss erklärt, dass es sich dabei um eine «fahrlässige Verletzung» der Bewilligungspflicht handelte. «Unseres Wissens hat sich Swissmedic damals zum ersten Mal ausdrücklich zur Frage geäussert, ob dieses bestimmte Stammzellenpräparat ein bewilligungspflichtiges Transplantatprodukt ist.»

Duss zufolge wurde dem Arzt jedoch verboten, die Therapie ohne die Bewilligung von Swissmedic weiter anzuwenden. «Dadurch ist der Patientenschutz gewährleistet», sagt Alexander Duss.

Der Anwalt des Arztes, Stefan Kohler, ärgert sich, dass der Fall nun wieder aufgerollt wird: «Die aufsichtsrechtliche Untersuchung wurde 2012 sehr gründlich durchgeführt. Swissmedic kam zum Schluss, dass es für diese Therapie keine Zulassungspflicht gibt. Eine Rechtsverletzung ist meinem Klienten daher nicht anzulasten.» Das Problem ist Kohler zufolge ein ganz anderes. So habe Swissmedic bis zum Mai dieses Jahres gar keine Grundlage gehabt, um diese Stammzellentherapie zu untersagen. «Swissmedic hat es verschlafen, eine rechtliche Grundlage zu schaffen, um diese Therapien zu regulieren. Swissmedic hat statt schweizerisches Recht das europäische Recht zur Anwendung gebracht, weil das schweizerische Recht sich als praxisuntauglich erwies. Dies erscheint rechtsstaatlich unzulässig.»

«Positive Wirkung»

Zudem weist Kohler darauf hin, dass die damalige Behandlung durchaus wissenschaftlich fundiert gewesen sei: «Es gibt Hunderte von Studien in namhaften Fachzeitschriften, welche eine positive Wirkung dieser Therapie als möglich erachten.» Es sei deshalb verfehlt, von fragwürdigen Experimenten zu sprechen. «Mein Klient handelte mit der festen Überzeugung, dass er diesen Menschen helfen kann.»

Unklar ist in diesem Zusammenhang die Rolle der Firma Intercare an der Werftstrasse 4 in Luzern. Wie die «Sonntagszeitung» schreibt, ist der Arzt Chef dieser Firma. Diese soll Marias Eltern die Dokumente rund um die geplante Behandlung zugeschickt haben. Dies dementiert die Firma jedoch. Dem kantonalen Handelsregister zufolge ist der Arzt seit dem Juni 2014 aus der Firma ausgeschieden. Intercare will sich dazu nicht äussern.

Gabriela Jordan

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