LUZERN: Wird das «Konsi» zum Hotel?

Ab 2018 wird die Dreilinden-Villa frei. Der Denkmalschutz macht die Suche nach einer neuen Nutzung aber zur Herausforderung.

Lena Berger
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Ein Boutique-Hotel mit einem Wellnessbereich, dazu ein Restaurant, in dem nicht nur Übernachtungsgäste, sondern auch Spaziergänger essen können: Eine solche Nutzung der historischen Villa Vicovaro im Dreilinden-Park wäre aus architektonischer Sicht denkbar. Das zeigt die Arbeit eines Studenten der Berner Fachhochschule für Architektur, Holz und Bau. Im Rahmen einer Modularbeit zu praktischer Denkmalpflege skizzierten er und seine Studienkollegen 2010 diverse Möglichkeiten, wie die Gebäude im Dreilinden-Park Luzern, die der Stadt Luzern gehören, dereinst genutzt werden können.

Diese Ideen werden nun brandaktuell. Denn die Hochschule Luzern – Musik, welche die Räumlichkeiten heute nutzt, wird 2018 in einen Neubau neben dem Kulturzentrum Südpol in Kriens ziehen (Ausgabe von 25. Januar).

Wellnesstempel mit Schwimmbad?

Ein Hotel in der Dreilinden-Villa könnte gemäss den Studenten so aussehen: Während das Untergeschoss als Wellnessbereich genutzt werden könnte, würden das Erd- und das erste Obergeschoss «dem Essen und der Geselligkeit dienen». Das zweite Obergeschoss würde für Tagungen genutzt. Der Einbau einer Bar würde einen Besuch in der Villa auch zu später Stunde attraktiv machen. Im naheliegenden burgähnlichen Ökonomiegebäude würden die Räume in Gästezimmer umgebaut.

Möglich ist gemäss einer anderen Arbeit aber auch, dass die obersten Stockwerke der Villa als luxuriöse Gästesuiten genutzt würden. Als Ergänzung wird ein Neubau auf dem Gelände vorgeschlagen, der Platz für rund 30 Gästezimmer und einen grosszügigen Wellnessbereich bieten würde. Allenfalls könnte man das Ökonomiegebäude auch zu einem Wellnesstempel mit Fitnessraum und Sauna umfunktionieren und im Hofbereich ein Schwimmbad bauen, wie eine dritte Arbeit vorschlägt.

Wohlwollen bei Luzern Tourismus

Gemäss Sibylle Gerardi, Sprecherin von Luzern Tourismus, könnte die Stadt von einem Hotel im Dreilinden-Park durchaus profitieren. «Boutique-Hotels mit besonderem Charme erfreuen sich grosser Beliebtheit», sagt sie. Grosszügige Spa-Angebote würden zudem das bestehende Angebot gut ergänzen. Auch Patric Graber, Präsident des Verbandes Luzern Hotels, sieht in der Idee Potenzial. «Die Lage ist wunderbar. Ich kann mir vorstellen, dass ein Hotelbetrieb dort im Sommer rentiert.» Im Winter sei die Auslastung der Hotels in der Stadt Luzern allerdings generell tiefer.

Ob sich diese Ideen realisieren lassen, ist aber fraglich. Denn die städtische Wohnraumpolitik sieht Landverkäufe nur in Ausnahmefällen vor. Bei einer Nutzung im Mietverhältnis aber fände sich wohl kaum ein Investor. Rechtlich gibt es neben dem Denkmalschutz weitere Einschränkungen. «Das Areal befindet sich teils in einer Grünzone, wo gar nicht neu gebaut werden darf», sagt Friederike Pfromm, Chefin Immobilien bei der Stadt Luzern. Das Areal zwischen dem Pförtnerhaus und dem Ökonomiegebäude liege in einer Zone für öffentliche Zwecke. «Ein Neubau für Hotelzimmer ist dort nicht zonenkonform.»

Garten mit chinesischen Elementen

Bessere Chancen dürfte demnach der Vorschlag eines Studenten haben, in den Gebäuden ein Konfuzius-Institut einzurichten, welches das Ziel verfolgt, der Welt die chinesische Sprache und Kultur näherzubringen. Finanziert werden solche Institute – wie es sie etwa in Berlin schon gibt – jeweils zur Hälfte vom Gastland und von China. Luzern als weltoffene Tourismusstadt und das Areal Dreilinden würden sich für ein solches Kulturinstitut sehr gut eignen, so das Fazit. Die Umsetzung wäre ohne einschneidende bauliche Massnahmen möglich. Im östlichen Parkbereich könnten einzelne Elemente der chinesischen Gartenbaukunst präsentiert werden, während im westlichen Bereich der englische Landschaftsgarten wiederhergestellt würde.

Hauptsitz einer Finanzfirma?

Die Idee eines China-Zentrums wurde bereits 2011 in Luzern lanciert. Unterstützt wurde das Vorhaben von der Luzerner Wirtschaftsförderung. Allerdings ist das damals eröffnete Zentrum im Tribschenquartier bereits wieder zu, wie Projektleiter André Marti bestätigt. «Wir sehen in diesem Bereich weiterhin Potenzial. Aber die Zeit war dafür noch nicht reif.» Er schliesst nicht aus, dass die Realisierung eines China-Zentrums in drei bis vier Jahren – wenn die Hochschule auszieht – wieder ein Thema werden könnte. «Dieser Markt verändert sich sehr schnell. Wenn sich von Seiten chinesischer Firmen die Nachfrage entwickelt, würden wir weiterhin Hand bieten», sagt Marti. Er betrachtet auch eine private Nutzung als sinnvoll. «Die Villa könnte sich als Hauptsitz einer im Finanzbereich tätigen Firma eignen.»

Der Stadtrat hatte die Vorschläge der Studenten in einem Fazit 2010 als «zum Teil sehr interessant und prüfenswert» bezeichnet. Wie und wann seitens der Stadt über eine künftige Nutzung entschieden wird, ist noch offen. Die jährliche Miete beträgt 410 280 Franken.