LUZERN: Wird die Bahnhofstrasse nur halb autofrei?

Die Umsetzung der Initiative «Für eine attraktive Bahnhofstrasse» dürfte schwierig werden. Grösster Knackpunkt: die Erschliessung des Parkhauses an der Seidenhofstrasse.

Benno Mattli
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Die im Einbahnverkehr geführte Seidenhofstrasse in Luzern. Rechts im Bild die Einfahrt ins Parkhaus. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Die im Einbahnverkehr geführte Seidenhofstrasse in Luzern. Rechts im Bild die Einfahrt ins Parkhaus. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

56 Prozent der Stimmberechtigten haben am 22. September Ja gesagt zur Initiative «Für eine attraktive Bahnhofstrasse». Diese verlangt, dass der Abschnitt vom Luzerner Theater bis zur Hauptpost «wenn immer möglich autofrei» werden soll. Dies umzusetzen dürfte allerdings schwierig werden. Grund dafür ist das Parkhaus an der Seidenhofstrasse. Diese ist eine Einbahnstrasse. Die Zufahrt zum Parkhaus erfolgt heute von der Pilatusstrasse her, die Wegfahrt über die Bahnhofstrasse. Für die Stadt ist klar, dass die Erschliessung des Parkhauses auch in Zukunft gewährleistet sein muss. Dies bestätigt Martin Urwyler, Ressortleiter Verkehrsingenieur bei der Abteilung Verkehr und Infrastrukturprojekte des städtischen Tiefbauamts.

Zwei mögliche Varianten

Fakt ist, dass es für die Erschliessung des Parkhauses eigentlich nur zwei Varianten gibt:

  • Variante 1: Man lässt alles beim Alten. Die Zufahrt erfolgt weiterhin von der Pilatusstrasse her, die Wegfahrt über die Bahnhofstrasse.
  • Variante 2: Die Zu- und die Wegfahrt erfolgen über die Pilatusstrasse.

Bei Variante 2 stellen sich indes gleich mehrere Probleme: Erstens würden die Autos, die vom Parkhaus her in die Pilatusstrasse einbiegen, den bereits heute stockenden Verkehrsfluss auf dieser Hauptverkehrsachse noch stärker beeinträchtigen. Zweitens dürfte ein Gegenverkehrsregime auf der Seidenhofstrasse nur schwer umzusetzen sein, da diese Strasse relativ schmal ist. Dafür müsste man elf Bäume fällen und sieben Parkplätze aufheben.

Bei all diesen Problemen ist also die wahrscheinlichste Variante, dass man alles beim Alten lässt. Urwyler will dies zwar nicht bestätigen, sagt aber: «Das ist eine realistische Variante.» Im Klartext bedeutet dies wohl Folgendes: Die Bahnhofstrasse wird nicht gänzlich autofrei. Das Teilstück von der Seidenhof­strasse bis zur Hauptpost wird weiterhin für die vom Parkhaus wegfahrenden Autos offen bleiben. Nur das Teilstück von der Seidenhofstrasse bis zum Luzerner Theater könnte so gänzlich autofrei gemacht werden. Die Flaniermeile würde damit um zirka die Hälfte gekürzt.

SP wäre «sehr unglücklich»

Claudio Soldati, Präsident der SP der Stadt Luzern, wäre «sehr unglücklich, wenn die Wegfahrt vom Parkhaus weiterhin über die Bahnhofstrasse erfolgen würde». Die SP fordert deshalb, dass das Parkhaus von der Pilatusstrasse her erschlossen wird.