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LUZERN: Wird ein Entlebucher CVP-Chef?

Nach dem überraschenden Rücktritt von Pirmin Jung als Präsident der kantonalen VP gehören die beiden Vizepräsidenten zu denKronfavoriten für die Nachfolge. Doch sowohl Yvonne Hunkeler als auch Christian Ineichen geben sich bedeckt.
Lukas Nussbaumer
Tritt als Präsident der CVP des Kantons Luzern zurück: Pirmin Jung. (Bild Pius Amrein)

Tritt als Präsident der CVP des Kantons Luzern zurück: Pirmin Jung. (Bild Pius Amrein)

Er tritt als Präsident der CVP des Kantons Luzern so überraschend ab, wie er gekommen war: der 48-jährige Holzbauunternehmer Pirmin Jung. «Pirmin wer?», fragte unsere Zeitung Mitte April 2012, als die damalige Findungskommission den in Eschenbach wohnhaften Politneuling als Nachfolger des Menznauers Martin Schwegler vorschlug.

Jetzt, viereinhalb Jahre später, kündet der Sohn des 2008 verstorbenen früheren CVP-Nationalrats Franz Jung seinen Abschied aus der Politik an. Am Rande der Delegiertenversammlung vom Donnerstagabend in Littau teilte Jung seinen Parteifreunden mit, er gebe sein Amt im April 2017 ab (Ausgabe von gestern). Seine stark gewachsene Firma brauche ihn, sagte Jung (siehe «Nachgefragt»).

Der im Vergleich zu seinem Vorgänger sehr zurückhaltend wirkende Vater von drei Kindern hat der Partei, die bei seinem Amtsantritt stark angeschlagen war, neue Stabilität verliehen. Eine Stabilität, die sich bei den kantonalen und gemeindlichen Wahlen auszahlte: Die CVP verlor bei den Kantonsratswahlen 2015 bloss einen Sitz (2011 waren es sieben), und sie hält weiterhin rund die Hälfte aller Gemeinderatsmandate. Einzig bei den Nationalratswahlen im letzten Herbst fingen Jung und seine CVP eine Schlappe ein: Sie wurden von der SVP als wählerstärkste Luzerner Partei überflügelt und konnten den dritten Nationalratssitz nur knapp retten.

Der Partei fehlen die Aushängeschilder

Wer in die Fussstapfen von Pirmin Jung tritt, übernimmt im April 2017 eine solid geführte, gut organisierte und mit Ausnahme von Meierskappel in sämtlichen Gemeinden mit Ortssektionen verankerte Partei. Eine Partei allerdings auch, die grosse Mühe hat, Themen zu besetzen, auch im Kantonsrat. Der CVP fehlen die Aushängeschilder, die Reisser – Politiker, die mit mehrheitsfähigen Ideen zum Beispiel für einen finanzpolitischen Befreiungsschlag sorgen könnten.

Würde der Nachfolger von Pirmin Jung über diese Fähigkeit verfügen, könnte aus der recht fitten CVP gar wieder einmal eine Wahlsiegerin werden. Kronfavoriten für den frei werdenden, unbezahlten 40-Prozent-Job sind die beiden Vizepräsidenten der Partei: Kantonsrätin Yvonne Hunkeler aus Grosswangen und Christian Ineichen aus Marbach.

Beide weisen ein aktives Interesse am Amt von sich. «Sollte die Findungskommission auf mich zukommen, werde ich mir das überlegen. Ich kann mir aber ebenso gut vorstellen, weiterhin Vizepräsidentin zu sein», sagt Hunkeler. Dass die 49-jährige selbstständige Unternehmensberaterin die Partei führen kann, hat sie schon bewiesen: in diesem Sommer, während eines dreimonatigen Englischaufenthalts von Jung in den USA und in Kanada. Und Hunkeler ist als Leaderin der CVP in Finanzfragen und als Mitglied der Planungs- und Finanzkommission innerhalb der Fraktion ein Schwergewicht. Als Verwaltungsratspräsidentin der Ver­kehrsbetriebe Luzern (VBL) und als Beirätin der Hochschule Luzern Wirtschaft ist sie ausserdem gut vernetzt.

CVP-Stammland ohne wichtigen Posten

Das gilt auch für Christian Ineichen, den 39-jährigen Vizedirektor der Biosphäre Entlebuch. Der Entlebucher war OK-Präsident mehrerer Schwingfeste – und er hat bei den Nationalratswahlen vom letzten Herbst mit Listenplatz 5 überraschend gut abgeschnitten. Wie Hunkeler hält sich der begeisterte Ausdauersportler über seine politischen Pläne bedeckt: «Es ist alles offen.»

Das mag im Moment so sein. Sicher ist: Die Entlebucher CVP lechzt wieder nach einem wichtigen Politposten. So ist die Region nach dem Rücktritt von Ruedi Lustenberger zum ersten Mal seit 36 Jahren nicht mehr im Nationalrat vertreten. Und auch in der Kantonsratsfraktion spielen die Entlebucher nach dem Abgang von Fraktionschef Bruno Schmid seit 2012 keine Rolle mehr.

Lukas Nussbaumer

Nachgefragt

«Lange mit mir gerungen»

Pirmin Jung, Sie setzen auf Ihr Geschäft statt auf die Politik. Warum?
Ich habe meine Firma mit Leib und Seele aufgebaut. Vor vier Jahren waren wir ein Team von 24 Mitarbeitern, nun sind wir über 50. Meine Leute brauchen mich.
Also ist Ihnen der Rücktrittsentscheid leichtgefallen?
Nein, ich habe lange mit mir gerungen. Für die Partei wäre es sicher besser gewesen, wenn ich bis nach den nächsten Wahlen weitergemacht hätte. Doch das wäre aus zeitlichen Gründen nicht möglich gewesen.
Ist Ihre Politkarriere damit vorbei?
Wenn Sie mich 2011 gefragt hätten, ob ich einmal Präsident der CVP werde, hätte die Antwort Nein gelautet. 2012 stand ich trotzdem an der Spitze meiner Partei. Das hat mich gelehrt,
niemals Nein zu sagen.
Sie übernahmen die CVP des Kantons Luzern 2012 als Politneuling. Was war die grösste Herausforderung?
Diese grosse Partei mit ihrer breiten Organisation kennen zu lernen und die politischen Abläufe zu verstehen.

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