Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

LUZERN: Wirtschaftsförderer schalten einen Gang zurück

Es harzt mit der Ansiedlung von Firmen. Darum legt die Wirtschaftsförderung ihren Fokus jetzt auf ansässige Unternehmen. Was heisst das für die Tiefsteuerstrategie?
Lukas Nussbaumer
Die Wirtschaftsförderung will sich bereits ansässigen Betrieben widmen: Produktion von Ramseier in Hochdorf. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Die Wirtschaftsförderung will sich bereits ansässigen Betrieben widmen: Produktion von Ramseier in Hochdorf. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Lukas Nussbaumer

Die 2006 gegründete Luzerner Wirtschaftsförderung ändert ihre Strategie. Neu kümmern sich zwei Personen um die Betreuung von bereits ansässigen Firmen – und nur noch eine um die Ansiedlung von neuen Unternehmen. Bis jetzt war es umgekehrt. Neben der Pflege von bestehenden Firmen wollen sich die Wirtschaftsförderer auch vermehrt um die Unterstützung der Gemeinden kümmern, wie Direktor Walter Stalder sagt. Die Wirtschaftsförderung verfügt über ein Budget von 2,2 Millionen Franken (siehe Kasten).

Stalder, seit der Gründung Direktor der Wirtschaftsförderung, begründet die neue Ausrichtung mit einer landesweit feststellbaren Entwicklung: Es harzt mit der Ansiedlung neuer Firmen in die Schweiz – und auch in den Kanton Luzern. So entschieden sich in den letzten Jahren bloss zwischen 20 und 30 Firmen für Luzern als Domizil (siehe Grafik). Landesweit betrachtet, zogen im letzten Jahr lediglich 264 Unternehmen in die Schweiz.

Laut Walter Stalder ist die tiefere Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Luzern auf mehrere Gründe zurückzuführen: auf Unsicherheiten in Bezug auf die Unternehmenssteuerreform III des Bundes, auf die Masseneinwanderungsinitiative, auch auf die Frankenstärke.

Steuern als Paket betrachten

Von einer Kapitulation oder einem Scheitern der Ansiedlungsstrategie will Stalder jedoch nichts wissen. «Es sind schliesslich jahrelang viele Firmen zu uns gezogen.» Ausweichend antwortet Stalder auf die Frage, wie der Kanton Luzern die Steuerausfälle durch die Senkung der Unternehmenssteuern auf den landesweit tiefsten Satz im Jahr 2012 kompensieren soll. «Die Firmensteuern dürfen nicht separat betrachtet werden. Was juristische und natürliche Personen zahlen, muss addiert werden. Macht man das, zeigt sich, dass die Steuereinnahmen im Kanton Luzern in den letzten Jahren gestiegen sind.»

Das stimmt – aber eben nur, weil die natürlichen Personen die Ausfälle bei den Firmensteuern mehr als ausgeglichen haben. Nahm der Kanton Luzern 2009 von den Unternehmen 148,2 Millionen Franken an Steuergeldern ein, sollen es 2019 nur 136,7 Millionen sein. In der gleichen Zeit werden die Steuereinnahmen von natürlichen Personen um rund 260 Millionen Franken gestiegen sein. Die vor 2012 verkündete Annahme, dass die Senkung der Unternehmenssteuern in kurzer Zeit so viele Firmen anlockt, dass die Ausfälle kompensiert werden können, war also zu optimistisch.

Küng: Kehrt der Trend, wird reagiert

Auch Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor Robert Küng verwahrt sich gegen die Aussage, die Luzerner Tiefsteuerstrategie sei gescheitert. Die Stossrichtung und die Aufgabenfelder der Wirtschaftsförderung seien immer noch die gleichen, nämlich Arbeitsplätze schaffen und Steuereinnahmen generieren. Mit der Neuausrichtung würden lediglich sämtliche Dossiers der Standortpromotion und Ansiedlung durch eine Person betreut, sagt Küng. Mit ein Grund für den Wechsel der Strategie sei auch, dass die Schweizer Dachorganisation ihre Aktivitäten in den für Luzern interessanten Zielmärkten ausgebaut habe. Zeichne sich ab, dass die Nachfrage nach Firmenzuzügen wieder zunehme, könne die Wirtschaftsförderung Luzern ihre Ressourcen anpassen. Küng: «Ausserdem werden die Steuereinnahmen von juristischen Personen nur geringfügig von Neuansiedlungen beeinflusst.» Deshalb mache der Fokus der Wirtschaftsförderung auf die Pflege ansässiger Firmen Sinn.

Konkurrenz für Handelskammer?

Neben der Wirtschaftsförderung kümmert sich auch die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) um die bestehenden Firmen im Kanton Luzern. IHZ-Direktor Felix Howald glaubt jedoch nicht, dass sich Wirtschaftsförderung und IHZ in die Quere kommen werden. Die IHZ beschäftige sich in erster Linie mit politischen Fragen und vertrete die Interessen der Unternehmen gegenüber den Behörden.

Auch Howald wertet die neue Ausrichtung der Wirtschaftsförderung nicht als Scheitern der Ansiedlungsstrategie, sondern als Reaktion auf die Tatsache, dass die Schweiz weniger attraktiv geworden ist für ausländische Firmen. Und er sagt: «Ich glaube, dass sich auch künftig neue Unternehmen für Luzern entscheiden werden.»

Doppelt so viel Geld wie 2006

Geschichte nus. Im April 2006 als Ein-Mann-Betrieb gegründet, zählt die Wirtschaftsförderung Luzern heute sechs Personen, die über ein Budget von 2,2 Millionen Franken verfügen. Im ersten Jahr musste Direktor Walter Stalder noch mit rund der Hälfte auskommen. Finanziert werden die Aktivitäten der Wirtschaftsförderung vom Kanton, den Luzerner Gemeinden und vor allem von Firmen, die 55 Prozent des Budgets bestreiten, also rund 1,2 Millionen Franken. Beteiligten sich anfangs zwei Unternehmen an der Wirtschaftsförderung, sind es inzwischen rund 170. Der Kanton steuert 675 000 Franken bei, die Gemeinden 350 000 Franken. Das ist – prozentual betrachtet – deutlich weniger als im Startjahr, als der Kanton für mehr als zwei Drittel der Ausgaben aufkam.

Oberstes Führungsorgan der Wirtschaftsförderung ist der zehnköpfige Stiftungsrat, der von Erwin Steiger präsidiert wird. Vizepräsident ist der Luzerner Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor Robert Küng. Auch Noch-Stadtpräsident Stefan Roth und Daniel Salzmann, CEO der Luzerner Kantonalbank, sitzen im Stiftungsrat.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.