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LUZERN: Wo und warum es beim Naturschutz hapert

Berge wie die Rigi, Hügel wie der Napf und Gebiete rund um Seen: Die Landschaft des Kantons Luzern ist ausgesprochen vielfältig. Eine neue Publikation zeigt, wo beim Naturschutz Handlungsbedarf besteht – und in welcher Form.
Zusammenstellung: Lukas Nussbaumer
Druck (Bild: Grafik: Lea Siegwart)

Druck (Bild: Grafik: Lea Siegwart)

Eine aussagekräftige Grundlage für den konzeptionellen Naturschutz bieten: Das ist das Ziel einer kürzlich von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald veröffentlichten Publikation. Dafür wurde das Kantonsgebiet in zwölf Naturräume eingeteilt. Das 46 Seiten starke Werk kann unter www.lawa.lu.ch kostenlos heruntergeladen werden.

Rigigebiet, Bürgenstock

Charakterisierung:Durch die Lage am See und durch häufige Föhnlagen weist das Rigigebiet ein besonders mildes Klima auf. Wegen der intensiv betriebenen Landwirtschaft sowie durch Verwaldung und Überbauungen sind viele wertvolle Wiesenflächen verschwunden. Die naturschonende landwirtschaftliche und die forstliche Nutzung sind längerfristig nicht gewährleistet.

Grossflächiges Potenzial: wenig intensiv genutzte Wiesen.

Kleinflächige Möglichkeiten: Sumpfdotterblumenwiesen, Halbtrockenrasen, Hochstammobstgärten.

Habsburgeramt, Horwer Halbinsel

Charakterisierung:Durch den intensiven Futterbau ist ein starker Rückgang von extensiv genutzten Wiesen und Hochstammobstgärten zu verzeichnen. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde diese Landschaft durch Extensivwiesen und Feldobstkulturen geprägt. Die Wasserflora ist durch das massive Auftreten von Neophyten bedroht, und die Wälder sind über weite Strecken durch standortfremde Fichten geprägt.

Grossflächiges Potenzial: Sumpfdotterblumenwiesen, wenig intensiv genutzte Wiesen, Hochstammobstgärten.

Kleinflächige Möglichkeiten: Weiher, Wiesenbächlein.

Stadt Luzern und Agglomeration

Charakterisierung:Viele extensiv genutzte Wiesen sind durch die starke Bautätigkeit verschwunden oder bedroht, auch Uferfeuchtgebiete. Das Seeufer ist fast ausnahmslos verbaut. Der Druck auf die verbliebenen Naturwerte ist weiterhin stark.

Grossflächiges Potenzial: Dachbegrünungen, Naturgärten.

Kleinflächige Möglichkeiten: Aufwertungen an Bauten und in Parks.

Reusstal und Rontal mit Rotsee

Charakterisierung: Die ehemalige Schönheit der Landschaft ist weitgehend verblasst, durch künstliche Uferbefestigungen sowie die Stauwehre Rathausen und Perlen verlor die Reuss sehr viel ihrer ursprünglichen Lebensraumqualitäten. Die Reussebene ist geprägt durch eine fast industriell anmutende Landwirtschaft – das führt zu einer zu hohen Versorgung mit Düngstoffen. Der Druck auf die naturnahen Lebensräume am Rotsee und entlang der Reuss ist durch Freizeitaktivitäten gross.

Grossflächiges Potenzial: Weiher, extensive Wiesen, Naturgärten.

Kleinflächige Möglichkeiten: Tümpel, Wiesenbäche, Feuchtwiesen.

Tal der Kleinen Emme

Charakterisierung:Die Landschaft ist arm an naturnahen Lebensräumen. Der Untere Emmenlauf und die Kleine Fontanne sind an den Ufern grösstenteils verbaut. Es gibt Konflikte zwischen dem Naturschutz und der Erholungsnutzung im Gebiet der Kleinen Emme und der Kleinen Fontanne. In den Gebieten Schachen-Malters und Littau ist der Siedlungsdruck gross.

Grossflächiges Potenzial: Flussauengebiete mit Sand- und Kiesbänken, extensiv genutzte Wiesen.

Kleinflächige Möglichkeiten: Tümpel, Weiher, Wiesenbächlein.

Voralpen

Charakterisierung:Viele Feuchtgebiete leiden an den Folgen früherer Entwässerungsmassnahmen. Die landwirtschaftliche Nutzung wird immer intensiver, was zur Abnahme von extensiv genutzten Wiesen und Weiden führt. Manche Wälder weisen einen unnatürlich hohen Nadelholzanteil auf. Aktivitäten wie Schneeschuhwandern erhöhen den Druck auf bisher kaum berührte Gebiete. Das Gebiet westlich von Wolhusen ist als Unesco-Biosphäre ausgewiesen worden. Doch die Möglichkeiten des Labels zum Schutz und zur Förderung von Landschaft und Artenvielfalt sind bisher noch wenig genutzt.

Grossflächiges Potenzial: wenig intensiv genutzte Wiesen.

Kleinflächige Möglichkeiten: Weiher, Wiesenbächlein, Sumpfdotterblumenwiesen.

Napfgebiet

Charakterisierung:Die intensive landwirtschaftliche Nutzung führte auch in diesem Gebiet zu einem starken Rückgang nährstoffarmer Standorte. An verschiedenen Orten hingegen sind Gebiete durch die Aufgabe der bäuerlichen Tätigkeit verbracht. Das Teilgebiet südlich der Linie Napf–Wolhusen ist als Unesco-Biosphäre ausgewiesen worden. Auch hier werden die Möglichkeiten des Labels zum Schutz und zur Förderung von Landschaft und Artenvielfalt bisher noch wenig genutzt.

Grossflächiges Potenzial: artenreiche Weiden, wenig intensiv genutzte Wiesen.

Kleinflächige Möglichkeiten: Wiesenbächlein, Zwergstrauchheiden, Hecken, Hochstammobstgärten.

Talebenen der Wigger und ihrer Zuflüsse

Charakterisierung:Im Raum Willisau und im unteren Wiggertal findet eine starke Zersiedelung statt. Die Landwirtschaft wird intensiv betrieben, der Tierbesatz ist hoch. Der Waldanteil in dieser Landschaft ist gering, Kleingehölze und Hochstammobstgärten sind selten, die meisten Moore entwässert. Die landschaftsökologische Aufwertung muss trotz Erfolgen, etwa in der Wauwiler Ebene, weiterverfolgt werden.

Grossflächiges Potenzial: Tümpel, Weiher, Wiesenbächlein.

Kleinflächige Möglichkeiten: Laichkraut- und Seerosengesellschaften, Kleinseggenrieder, Hecken.

Nordwestliches Hügelland

Charakterisierung: Der Siedlungsdruck ist aufgrund der peripheren Lage weniger gross als in anderen Teilen des Kantons. Trotz vieler eingedeckter Wiesenbächlein sowie gerodeter Hochstammobstgärten und Hecken ist das malerische Landschaftsbild abschnittsweise intakt geblieben. Und die Klosteranlage St. Urban bietet wertvollen Lebensraum für verschiedene Vogel- und Fledermausarten.

Grossflächiges Potenzial: Hochstammobstgärten, wenig intensiv genutzte Wiesen, naturnahe Gärten.

Kleinflächige Möglichkeiten: Tümpel, Weiher, Wiesenbächlein.

Santenberg und Chrüzberggebiet

Charakterisierung:Für Luzerner Mittellandverhältnisse sind auffallend viele magere und wenig nährstoffreiche Wiesen erhalten geblieben. Die Tagfalter- und Heuschreckenfauna ist reichhaltig. Allerdings weisen grosse Bereiche der Wälder zu hohe Anteile an Nadelhölzern auf. Am Südhang des Santenbergs, in Dagmersellen und Nebikon dehnen sich Überbauungen immer weiter in die Hänge hinauf aus.

Grossflächiges Potenzial: wenig intensiv genutzte Wiesen, Weiden und Hochstammobstgärten.

Kleinflächige Möglichkeiten: Wiesenbächlein, Hecken und Gebüsche.

Seenlandschaften

Charakterisierung: Wie alle übrigen Gebiete des Luzerner Mittellands sind auch die Seenlandschaften geprägt durch eine tierintensive Landwirtschaft. Das führt zu einer Überversorgung der Ökosysteme mit Nährstoffen. Magerwiesen und andere nährstoff­arme Lebensräume sind denn auch sehr selten geworden, Feuchtgebiete stark zurückgegangen. Am Sempachersee besteht eine starke Tendenz zur Verbuschung, das östliche Ufer ist fast lückenlos mit Ferienhäusern verbaut. In der näheren Umgebung von Sursee und Hochdorf sowie an der Hügelflanke über dem Sempachersee ist der Siedlungsdruck hoch. Für Mittellandverhältnisse hat sich im Seetal dennoch eine überdurchschnittlich vielfältige Landschaft erhalten. Sie ist geprägt von Obstbäumen, kleinen Bächen und Kleingehölzen.

Grossflächiges Potenzial: wenig intensiv genutzte Wiesen, Sumpfdotter­blumenwiesen, Naturgärten.

Kleinflächige Möglichkeiten: Weiher, Tümpel, Wiesenbäche, Flachmoore, Hecken, Hochstammbäume.

Zentrales Hügelland

Charakterisierung: Dieser Naturraum ist durch die intensive landwirtschaft­liche Nutzung und durch Güterzusammenlegungen generell stark verarmt. Bäche, Obstbäume, Hecken und Magerwiesen sind in grosser Zahl verschwunden, und von den ausgedehnten Feuchtgebieten sind nur noch wenige erhalten geblieben. Landschaftlich hervorragend sind dafür die urtümlichen Tobelgebiete wie das Gitzitobel, das Chommlibachtobel oder das Chrumpechertobel. Herausragend ist auch der Soppensee oder die Heckenlandschaft am Ruswilerberg. Trotz vieler Aufwertungsmassnahmen können die erzielten Verbesserungen die überdurchschnittlichen Verluste noch längst nicht wettmachen. Rund um Kulmerau, Schlierbach und Rickenbach fehlen Schutz- und Aufwertungsstrategien.

Grossflächiges Potenzial: Wiesenbächlein, Sumpfdotterblumenwiesen, wenig intensiv genutzte Wiesen und Weiden, Hochstammobst- und Naturgärten.

Kleinflächige Möglichkeiten: Weiher, Flachmoore, Torfmoos-Hochmoor.

Zusammenstellung: Lukas Nussbaumer

lukas.nussbaumer@luzernerzeitung.ch

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