Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

LUZERN: Wochenmarkt: Zurück auf Feld 1

Das neue Vergabesystem für die Standplätze lässt weiter auf sich warten. Es tritt frühestens 2019 in Kraft. Bis dahin soll ein Gutachten Klarheit schaffen.
Wochenmarkt an einem Dienstag in der Stadt Luzern unter der Egg. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Wochenmarkt an einem Dienstag in der Stadt Luzern unter der Egg. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Sandra Monika Ziegler

Das Marroni-Debakel klingt offensichtlich noch nach. Die heftigen Reaktionen auf die Idee, die Standplätze künftig zu verlosen, veranlassen die Stadt, auch beim Bewilligungsverfahren für Wochenmarktstände nochmals über die Bücher zu gehen. Das Bundesgericht forderte im Februar 2012 eine neue Vergabepraxis für den Wochenmarkt mit regelmässigen Ausschreibungen. Doch die Umsetzung lässt weiter auf sich warten.

«Nochmals vertieft überprüfen»

Dazu Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen: «Der Stadtrat hat entschieden, dass er das geplante Verfahren und vor allem auch allfällige Alternativen noch einmal vertieft überprüfen will.» Das hat er gestern den Marktfahrern an einer Orientierungsversammlung bekannt gegeben. Lütolf findet den Entscheid nachvollziehbar und betont: «Es ist eben nicht restlos auszuschliessen, dass durch das neue Verfahren eine jahrhundertealte Tradition Schaden nehmen könnte.» Mit dem Entscheid, nochmals über die Bücher zu gehen, stelle sich der Stadtrat «bewusst hinter den bestehenden Wochenmarkt und vor allem hinter die bestehenden Marktteilnehmenden und die Kundschaft», sagt Stadtrat Adrian Borgula.

Für die bisherigen Marktteilnehmenden bleibt vorerst also alles beim Alten. Sie müssen jährlich ein Gesuch einreichen, die Bewilligungen werden nach bisheriger Praxis vergeben. Für alteingesessene Marktfahrer ist das jeweils eine reine Formalität.

Für die Ausarbeitung eines neuen Vergabeverfahrens wurden bereits nach dem Gerichtsurteil 150 000 Franken gesprochen. Da stellt sich nun die Frage, wie das Geld bisher verwendet wurde. Laut Melchior Bendel von der Kommunikationsabteilung der Stadt Luzern, wurden bis jetzt rund 100 000 Franken davon verwendet unter anderem für eine Marktanalyse bei den Wochenmarktkunden. Das Geld sei nicht für die Katz gewesen, betont Mario Lütolf: «Wir haben sehr gute Grundlagen erarbeitet, die wir in Zukunft sicher brauchen können.»

Stadt will Rechtsgutachten

Bevor es zur öffentlichen Ausschreibung kommt, wie es das Bundesgericht im Urteil verlangte, wird noch ein externes Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Damit soll verhindert werden, mit verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Grundlagen in Konflikt zu geraten. Die Resultate des Gutachtens werden bis Ende 2015 erwartet, wie die Stadt weiter mitteilte. Dafür werden die restlichen 50 000 Franken eingesetzt.

Zudem prüft die Stadt eine Erweiterung des Perimeters, um allen Interessierten den Zugang zum Luzerner Markt zu ermöglichen. Stadtrat Adrian Borgula: «Der Markt ist nicht nur Attraktion, sondern die Existenzgrundlage für zahlreiche regionale Kleinunternehmen, das gilt es zu schützen.»

Der Stadtrat will zudem die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Stadtparlaments einbeziehen und dem Parlament voraussichtlich im Herbst 2016 einen Bericht mit den geplanten nächsten Schritten vorlegen. Die neuen Vergaberegeln könnten so frühestens im Januar 2019 eingeführt werden.

Der Markt soll sicherer werden

Der Stadtrat plant zudem, die Sicherheit am Wochenmarkt zu verbessern. Denn die heutige Situation am rechten Reussufer sei an Markttagen unbefriedigend. So sollen Rettungsfahrzeuge auch an Markttagen ungehindert passieren können. Dazu braucht es einen 3,5 Meter freien Durchgang. Deshalb hat der Stadtrat den Verantwortlichen den Auftrag erteilt, den Markt so zu organisieren, dass innerhalb von fünf Minuten ein Korridor frei gemacht werden kann. Laut Mitteilung rechnet die Stadt damit, dass alle bestehenden Stände an ihrem Platz bleiben können und höchstens die Standinfrastruktur angepasst werden muss. Der Marktverantwortliche wird deshalb vor Ort mit den Standbetreibern Massnahmen besprechen.

Der Luzerner Wochenmarkt existiert schon seit mehr als sieben Jahrhunderten ununterbrochen. Zum gestrigen Infoanlass kamen rund 60 Standbetreiber. Edy Spielhofer, Präsident der IG Luzerner Wochenmarkt: «Die Entscheidung hat uns überrascht und erleichtert. Der Druck und die Existenzangst waren belastend. Jetzt haben wir wieder Luft zum Durchatmen. Doch eines ist klar: Wäre es zu einer inakzeptablen Ausschreibung gekommen, dann hätten wir Einspruch erhoben.«

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.