LUZERN: Wohnortwechsel per Mausklick

Wer umzieht, muss sich am Schalter der Einwohnerämter ab- und anmelden. Innerhalb der Agglomeration Luzern soll dies schon bald online möglich sein.

Stefan Dähler
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Baubewilligungen sollen per Mausklick effizienter abgewickelt werden können. (Symbolbild / Neue LZ)

Baubewilligungen sollen per Mausklick effizienter abgewickelt werden können. (Symbolbild / Neue LZ)

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Wer zügelt, muss nicht nur viel schleppen. Es fallen auch unzählige administrative Aufgaben an. So muss man sich unter anderem bei der alten Gemeinde ab- und bei der neuen anmelden. Doch damit könnte bald Schluss sein. Die Gemeinden Kriens, Emmen, Horw, Ebikon und die Stadt ­Luzern prüfen derzeit die Einführung des «E-Umzugs».

«Die Leute haben bereits genug zu tun beim Zügeln, so bliebe ihnen wenigstens der Gang zur Behörde erspart», sagt Katrin Aeberhard, Chefin Bevölke­rungs­dienste der Stadt Luzern. Sie hat darum die vier erwähnten Nachbargemeinden zu einer ersten Information eingeladen. «Der Mehrwert besteht darin, dass die Kunden die Meldepflicht unabhängig von den Öffnungszeiten der Einwohnerdienste in einem Schritt unbürokratisch vornehmen können», sagt auch Roberto Trento, Leiter der Einwohnerdienste Horw.

Die neue Lösung sieht vor, dass der Prozess folgendermassen abgewickelt wird: Wenn man sich bei der Wegzugsgemeinde online abmeldet, erfolgt die Anmeldung in der neuen Gemeinde im selben Schritt, da man die Zuzugsgemeinde ebenfalls angibt. «Allfällige Dokumente wie der Krankenkassen-Nachweis können am Schluss des Prozesses eingescannt und hochgeladen werden», sagt Aeberhard. Auch die Bezahlung der Zuzugsgebühr kann elektronisch ausgeführt werden. «Nur noch der Heimatschein muss physisch vorhanden sein.» Diesen sendet die Wegzugsgemeinde dann per Post der neuen Gemeinde zu. Doch allenfalls ist dies künftig nicht mehr nötig. Bestrebungen zur Abschaffung des Heimatscheins sind auf Bundesebene im Gange.

Zürich stellt System gratis zur Verfügung

Die Luzerner Gemeinden müssten «E-Umzug» nicht selbst entwickeln. Die ersten Gemeinden im Kanton Zürich haben ihn vor einem Jahr eingeführt, inzwischen sind praktisch alle Gemeinden im Kanton an Bord. «Diese Rückmeldungen fallen fast ausnahmslos sehr positiv aus. Die Nutzer bezeichnen das System als ‹sehr einfach, ‹sehr schnell› und ‹unkompliziert›», sagt Lukas Steudler von der Stabsstelle E-Government des Kantons Zürich. Bis heute hätten rund 14 000 Personen davon Gebrauch gemacht. Dies bei rund 120 000 innerkantonalen Um­zügen pro Jahr.

Der Kanton Zürich stellt ­«E-Umzug» nun anderen Kantonen und Gemeinden gratis zur Verfügung. «Diese müssen lediglich die Aufwendungen für die Herauslösung aus der Zürcher Infrastruktur und natürlich ihren Anteil der anfallenden Betreiberkosten bezahlen», so Steudler. Er rechnet damit, dass die Einführung für alle Gemeinden im Kanton Luzern total rund 70 000 Franken kosten würde.

Ziel ist, dass alle Luzerner Gemeinden mitmachen

Vorerst ist das Ziel, dass Kriens, Emmen, Horw, Ebikon und die Stadt Luzern im Verbund «E-Umzug» einführen. «Wir hoffen, damit einen Dominoeffekt auszulösen, so dass alle Gemeinden im Kanton ‹E-Umzug› einsetzen. Das System macht ja vor allem Sinn, wenn möglichst viele Gemeinden mitmachen», sagt ­Aeberhard. In einem Jahr könnte man dieses in Betrieb nehmen. Wie viel die Einführung die Gemeinden kostet, werde ungefähr Ende Monat bekannt sein, sagt der Krienser Gemeindepräsident Cyrill Wiget (Grüne).

Steigt mit der Digitalisierung nicht die Missbrauchsgefahr? «Aus meiner Sicht wird diese nicht höher sein als heute», sagt Aeberhard. Damit sich keine erfundenen Personen anmelden, werden die eingegebenen Daten automatisch mit der kantonalen Datenplattform Lureg abgeglichen. Stimmt etwas nicht, wird der Prozess abgebrochen. Eine offene Frage ist noch, ob auch ausländische Staatsangehörige von «E-Umzug» Gebrauch machen können.

Katrin Aeberhard rechnet durch «E-Umzug» anfänglich noch nicht mit grossen Effizienzgewinnen für die Gemeindeverwaltungen. Aber wenn die Lösung flächendeckend eingeführt ist, werde dies sicher der Fall sein. «Zu Beginn findet wohl eher eine Verlagerung vom Front- ins Backoffice statt.» Ausserdem bestünde weiterhin die Möglichkeit, sich wie bisher am Schalter anzumelden.

Das Personal hat nicht weniger zu tun

Personal einzusparen, sei auch in Zürich nicht das Ziel gewesen, sagt Lukas Steudler. «An den Aufgaben der Einwohnerdienste ändert sich grundsätzlich nichts.» Ihnen obliege weiter die Prüfung der Daten. Es gebe aber «eine Flexibilisierung», da die Umzugsmeldungen nun auch ausserhalb der Schalteröffnungszeiten eintreffen. «So kann vor allem im Infrastrukturbereich, etwa in der Schalterhalle, eine Entspannung und Entlastung eintreten.»