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LUZERN: «XXL-Pfarreien» unter Beschuss

Die Pfarrei-Initiative kämpft nicht nur gegen veraltete Kirchenstrukturen. Auch gegen die schrittweise Zusammenlegung von Pfarreien wächst der Widerstand.
Alexander von Däniken

Alexander von Däniken

Alte Strukturen auflösen – das wollen sowohl das Bistum Basel als auch die Pfarrei-Initiative. Das gewünschte Resultat unterscheidet sich aber so stark wie die Hostie vom Messwein. Um dem Priestermangel entgegenzuwirken, will das Bistum Basel, zu dem die Kantone Luzern und Zug gehören, Pfarreien zu sogenannten Pastoralräumen zusammenschliessen. Die im September 2012 gegründete Pfarrei-Initiative hingegen, bestehend aus schweizweit rund 540 Seelsorgern – davon etwa 150 aus dem Kanton Luzern –, will dem Priestermangel mit einer Öffnung der Weihe begegnen: Auch Frauen, Homosexuelle und nichtzölibatäre Männer sollen Gottesdienste abhalten und Sakramente spenden dürfen.

Diesen Grundsatz hat die seit 2014 als Verein organisierte Pfarrei-Initiative an der Mitgliederversammlung vom letzten Mittwoch nochmals bekräftigt. Sogenannten «XXL-Pfarreien» wolle man hingegen entschieden entgegenwirken, wie Markus Heil auf Anfrage erklärt. Heil ist Präsident des Vereins, Diakon in Balsthal SO und wirkte bis August 2013 in Sursee als Gemeindeleiter. Man habe grundsätzlich nichts gegen Pastoralräume, erklärt Heil. «Aber wenn, dann müssen sie subsidiär sein, also ergänzend zu den Pfarreien.»

Pfarreien und Räte kontaktieren

Die Pfarrei-Initiative wolle die Basis stärken, erläutert Heil weiter. «In den Pfarreien und Kirchgemeinden gibt es viel Potenzial. Dieses sollte genutzt werden, um möglichst nah bei den Menschen eine lebendige Kirche zu sein.»

Ausgehend von der Mitgliederversammlung soll laut Heil das Gespräch mit den Pfarreien und Pfarreiräten gesucht werden, «um gemeinsam mit ihnen Lösungen zu finden». Gesprächsangebote an das Bistum habe es mehrere gegeben, wie Heil sagt. «Anfangs haben wir oft den Kontakt gesucht. Doch das Bistum ist gegenüber unserer Herangehensweise reserviert bis ablehnend eingestellt.»

Bistum: Unterstützung willkommen

Anders klingt es beim Bistum Basel. Dessen Sprecher Hansruedi Huber: «Jede Unterstützung, die der Errichtung der Pastoralräume dienlich ist, ist dem Bistum Basel willkommen.» Das Bistum prüfe seit dreissig Jahren verschiedene Modelle unter Einbezug aller Betroffenen. «Bereits heute zeigt sich, dass sich in errichteten Pastoralräumen mit der verbindlichen Zusammenarbeit für die Pfarreien viele neue Möglichkeiten eröffnen», so Huber. Allerdings wird das Bistum das gesteckte Ziel weit verfehlen: Bis Sommer 2016 hätten alle 25 Pastoralräume im Kanton Luzern stehen oder zumindest in der Projektphase sein sollen. Der aktuelle Stand: Erst 9 Pfarreiregionen sind errichtet worden (siehe Grafik).

Warum dauert das so lange? Huber macht verschiedene Gründe geltend. Erstens setze das Bistum auf Konsenslösungen, was viel Zeit brauche. Zweitens seien Seelsorger in Leitungspositionen nicht immer bereit, ihren Dienst in einem anderen Pastoralraum auszuüben. Drittens seien noch zu wenig Seelsorger gefunden worden, die ein bestimmtes Projekt leiten. Immerhin, fügt Huber an, sei noch dieses Jahr mit weiteren Projektstarts zu rechnen.

Auf die Forderung der Pfarrei-Initiative, bereits vorhandene Personalressourcen besser zu nutzen, entgegnet Bistumssprecher Huber, dass Laientheologinnen und Laientheologen im Bistum Basel seit vierzig Jahren als Seelsorger im Dienst seien – «auch in Leitungspositionen». Der Pastoralraum fördere das Teamwork. «Das entspricht den Anforderungen der Zeit und hat viele Chancen, weil unterschiedlichste Fähigkeiten sich ergänzen.»

«Sind nicht zu spät»

An den Zulassungsbestimmungen zum Sakrament der Weihe könne der Bischof indes nichts ändern, wie Huber betont: «Dafür ist der Bischof nicht zuständig, hier besteht für ihn kein Spielraum.»

Auch wenn das Errichten der Pastoralräume schleppend verläuft: Ist es für die Pfarrei-Initiative nicht zu spät, um zu reagieren? Markus Heil: «Wir sind tatsächlich spät. Aber noch nicht zu spät.» Er führt Beispiele aus Frankreich und Afrika an, wo es auch zu wenig Priester gebe und Laien bereits wichtige Funktionen wahrnehmen. «Dafür kämpfen wir: Um das Bewusstsein, dass es auch anders geht.» Neben der Bekämpfung gegen die «XXL-Pfarreien» und der Öffnung der Weihe setzt sich die Pfarrei-Initiative als drittes langfristiges Ziel eine möglichst transparente Bischofswahl in allen Bistümern.

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