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LUZERN: Zu dritt prügelten sie auf ihn ein

Ein junger Mann ist 2014 von drei Angreifern brutal zusammengeschlagen worden. Jetzt ist einer der Täter verurteilt worden – härter als von der Staatsanwaltschaft ursprünglich beantragt.
Lena Berger
Der Mann half mit, ein ihm unbekanntes Opfer in eine Falle zu locken. Danach beteiligt er sich daran, dieses aufs Schwerste zu verprügeln (Symbolbild). (Archivbild: Keystone)

Der Mann half mit, ein ihm unbekanntes Opfer in eine Falle zu locken. Danach beteiligt er sich daran, dieses aufs Schwerste zu verprügeln (Symbolbild). (Archivbild: Keystone)

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Wer seine Lebensgeschichte hört, könnte Mitleid mit ihm haben. Als Kleinkind erlebte er einen Krieg, den er nicht verstehen und nicht verarbeiten konnte. Auch nach der Flucht von Bosnien in die Schweiz liess ihn diese Erfahrung nicht los. Er sah Gestalten, die sonst keiner sehen konnte. Jahre später sind diese zwar verschwunden. Aber das Alleinsein macht ihm bis heute Angst.

Der Mann, der sich diese Woche vor dem Kriminalgericht verantworten musste, wirkt mit seinem gepflegten Bart und den Brillanten im Ohr nicht wie ein Gewalttäter. Und doch hat er bereits ein ansehnliches Vorstrafenregister vorzuweisen. Er geriet schon als Jugendlicher mit dem Gesetz in Konflikt, beging Diebstähle, Gewalt- und Strassenverkehrsdelikte. Mit gerade mal 19 Jahren wurde er das erste Mal verurteilt – wegen Trunkenheit am Steuer. Die Richter waren gnädig, sprachen die verhängte Geldstrafe nur bedingt aus. Doch er nutzte die Chance nicht. Noch während der Probezeit wurde er rückfällig und deshalb 2013 das zweite Mal verurteilt. Alle hofften wohl, dass er seine Lektion jetzt gelernt habe. Aber es kam schlimmer. 2014 macht er den nächsten folgenschweren Fehler.

Sie lockten ihr Opfer in eine Falle

Bis tief in die Nacht feiert er an einem Abend mit Freunden in einem Luzerner Club. Es ist ein Donnerstag, aber tags darauf haben alle frei, der 1. August steht vor der Tür. Die ausgelassene Stimmung kippt ganz plötzlich. Ein Bekannter, der bis eben auch noch am Feiern war, ruft den Beschuldigten auf dem Handy an. Er hat den Club zusammen mit einem jungen Mann verlassen, mit dem er wohl eine Auseinandersetzung hatte. Worum es ging, ist unklar. Der Beschuldigte kennt den Mann zwar nicht. Und doch ist er dabei, als es darum geht, diesem zusammen mit einem dritten Bekannten eine Abreibung zu verpassen.

Die vier Männer treffen am Bahnhof aufeinander. Das spätere Opfer ahnt nicht, dass es in eine Falle gelockt wird. Der Beschuldigte verlässt mit ihm den Bahnhof in Richtung Floraweg. Die beiden anderen folgen unauffällig. Sobald eine Stelle erreicht ist, die von keiner Kamera erfasst wird, schlagen sie zu. Der Beschuldigte rammt dem jungen Mann unvermittelt die Faust ins Gesicht. Dieser fällt zu Boden, da stürzen sich die beiden anderen auch noch auf ihn. Mit den Füssen treten sie gegen den Bauch und den Kopf des am Boden liegenden Opfers. Sie lassen erst von ihm ab, als Passanten auf sie aufmerksam werden – und flüchten in Richtung Reuss.

Ihr Opfer lassen die Täter einfach liegen. Der Unterkiefer des Mannes ist mehrfach gebrochen, zudem hat er eine Fraktur am Jochbogen erlitten – das ist ein Knochen seitlich des Gesichts. Was folgt, sind zwei Operationen und lange Tage im Spital. Seine Abschlussprüfung muss der junge Mann verschieben.

Was geht in einem Menschen vor, der, ohne zu zögern, bereit ist, einen ihm Unbekannten brutal zu verprügeln? Ist es die Mischung aus Loyalität, Stolz und Alkohol, die den Mann so gefährlich macht? In der Verhandlung werden diese Fragen kaum gestreift. Es ist ein abgekürztes Verfahren. Das heisst, die Staatsanwaltschaft hat sich mit der Verteidigung bereits auf eine Strafe geeinigt. Gemeinsam hatten sie ursprünglich eine Verurteilung wegen «Angriffs» und damit verbunden eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten plus eine Busse von 1000 Franken beantragt.

Dem Richter allerdings war das zu wenig. Er hat den «Deal» abgelehnt und verlangt, dass der Beschuldigte zusätzlich wegen schwerer Körperverletzung zur Rechenschaft gezogen wird. «Ihnen ist schon klar, dass das Opfer bei diesem Angriff auch hätte sterben können?», fragt er den Beschuldigten in der Verhandlung. Der Angesprochene lässt die Frage unbeantwortet und schaut zu Boden.

Erst zum Schluss, bevor der Richter das Urteil – 16 Monate Freiheitsstrafe bedingt plus die erwähnte Busse – verkündet, meldet er sich zu Wort. «Es tut mir von Herzen leid. Ich wünsche dem Opfer, dass es keine Folgeschäden hat und weiterleben kann wie zuvor.» Das dürfte allerdings kaum möglich sein. Gemäss den Akten leidet der Mann seit dem Angriff unter einer posttraumatischen Belastungsstörung.

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