LUZERN: Zu Hause sein, wenn es zu Ende geht

Viele Menschen wollen nicht im Spital sterben. Das soll möglich sein, findet der Kantonsrat – und zwingt die Regierung zu einer Kehrtwende. Der Spitex der Stadt Luzern könnte eine Schlüsselrolle zukommen.

Lena Berger
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Symbolbild. (Bild: Thomas Kienzle / Keystone)

Symbolbild. (Bild: Thomas Kienzle / Keystone)

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Immer noch müssen viele Menschen ihre letzten Lebenstage im Spital verbringen – obwohl es ihr Wunsch ist, in der gewohnten Umgebung und im Kreise ihrer Familie zu sterben. Diese Woche hat der Kantonsrat einen Vorstoss von Gerda Jung überwiesen, der dies ändern soll (Ausgabe vom 16. Mai). Der Regierungsrat soll dafür sorgen, dass für das ganze Kantonsgebiet ein mobiler Palliative-Care-Dienst zur Verfügung steht. Und vor allem, dass die langfristige Finanzierung dazu sichergestellt ist.

In der Stadt Luzern bietet die Spitex bereits seit 2010 den sogenannten Brückendienst an, der schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase begleitet. Präsident Urs Steger ist deshalb davon überzeugt, dass das bestehende Spi­tex-Netzwerk die zusätzliche Aufgabe ohne Weiteres übernehmen kann. Nach entsprechender Ausbildung natürlich. Auch in anderen Teilen des Kantons könnte also entstehen, was die Stadt Luzern schon lange kennt. «Das praktische Know-how dazu würde die Spitex Stadt Luzern selbstverständlich zur Verfügung stellen», kündigt Urs Steger an.

Bleibt die Frage der Finanzierung. Das war bisher ein leidiges Thema. Eine einfühlsame Begleitung der Sterbenden bringt einen hohen Anteil an nicht verrechenbaren Stunden mit sich. Und damit Mehrkosten, die nicht mit üblichen Spitex-Sätzen gedeckt werden können. Bei der Spitex Stadt Luzern werden diese heute durch Spenden finanziert. Doch bereits seit Jahren ist klar, dass dies langfristig nicht aufgeht.

Hochschule rechnet mit 600000 Franken pro Jahr

Trotzdem hat es die Regierung bislang abgelehnt, sich finanziell am Brückendienst zu beteiligen. Noch vor zwei Jahren hiess es von Seiten der Abteilung Gesundheit, dafür seien die Gemeinden zuständig. Die Finanzierung müsse nach den «gleichen Prinzipien erfolgen wie die übrigen Spitex-Leistungen», sagte Abteilungsleiter Hanspeter Vogler gegenüber unserer Zeitung. Jetzt hat offenbar ein Umdenken stattgefunden. Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) hat erkannt, dass mit dem Brückendienst «Spitalkosten gespart werden können», wie er am Montag im Parlament sagte. Davon profitiert der Kanton, weil dieser für die Spitalfinanzierung zuständig ist. Nun soll eine gemeinsame Finanzierung angestrebt werden. Wie eine solche aussehen könnte, wird im Rahmen der Aufgaben- und Finanzreform 18 geprüft.

Gemäss Berechnungen der Hochschule Luzern würde die flächendeckende Versorgung Schwerkranker mit einem mobilen Palliative-Care-Dienst rund 600000 Franken pro Jahr kosten. Die entsprechende Studie wurde im Auftrag des Vereins Palliativ Luzern gemacht. Sie hat zudem gezeigt, dass heute rund ein Fünftel der Bevölkerung zu Hause stirbt. Rund ein Drittel verlebt die letzten Tage im Spital und etwas weniger als die Hälfte in einem Pflegeheim.