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LUZERN: Zu Hause sterben wird zu teuer

Zu Hause sterben können. Diesen letzten Wunsch erfüllt der Spitex-Brückendienst unheilbar Kranken. Doch weil die Gemeinden immer mehr sparen, verschwindet dieses Angebot nun im Rontal.
Lena Berger
Symbolbild Spitex Brückendienst. (Bild: Archiv Neue LZ / Manuela Jans)

Symbolbild Spitex Brückendienst. (Bild: Archiv Neue LZ / Manuela Jans)

Der Tod kann einen Menschen mitten aus dem Leben reissen. Das weiss kaum jemand so gut wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Luzerner Brückendienstes. Letztes Jahr haben sie 246 Patienten auf ihrem Weg begleitet. Betroffen waren nicht nur – wie man zunächst annehmen könnte – hoch betagte Seniorinnen und Senioren, sondern auch junge Familien. «Ich erinnere mich an einen Fall, in dem der Vater zweier kleiner Kinder schwer erkrankt war. Für die Mutter war die Situation kaum zu ertragen. Sie war durch Zukunftsängste blockiert und kaum mehr handlungsfähig», erzählt Tamara Renner, Geschäftsleiterin der Spitex Stadt Luzern. Der Brückendienst übernahm in dieser schweren Zeit nicht nur die aufwendige Pflege des Erkrankten, sondern kümmerte sich auch um die Angehörigen, entschuldigte die Kinder in der Schule und ermöglichte ihnen so den Abschied vom geliebten Vater. Für die Familie war dies eine grosse Entlastung. «Unserer Ansicht nach hat jeder Mensch das Recht, dort zu sterben, wo er möchte – wenn es irgendwie möglich ist», sagt Tamara Renner.

Immenser Aufwand

Die Dienstleistungen des seit 2012 bestehenden Brückendienstes gehen weit über die herkömmlichen Pflegedienstleistungen der Spitex hinaus. «Es handelt sich um Menschen, die eigentlich eine stationäre Behandlung im Spital bräuchten. Diese zu Hause sicherzustellen, ist mit grossem Aufwand verbunden. Zudem stellen wir auch die Vernetzung etwa zur Seelsorge sicher und begleiten die Angehörigen eng», erklärt Tamara Renner.

Die öffentliche Hand ist bislang nicht bereit, sich an den zusätzlichen Kosten für die sogenannte ambulante Palliativpflege zu beteiligen. «Die Stadt bezahlt nur die Leistungen der herkömmlichen Pflege. Was darüber hinausgeht, finanzieren wir mit Spendengeldern», erklärt die Geschäftsleiterin der Spitex Luzern.

Rontaler müssen im Spital bleiben

Der Wunsch, in den eigenen vier Wänden sterben zu können, nimmt zu. Und durch die steigenden Fallzahlen wird auch der finanzielle Aufwand für den Verein Jahr für Jahr grösser. Mussten im Jahr 2012 noch 128 000 Franken aus dem Spendenfonds entnommen werden, waren es 2013 bereits 196 000 Franken. Und 2015 dürfte es noch mehr sein. Denn: Die zehn Rontaler Gemeinden haben aus Spargründen beschlossen, ab sofort aus dem Brückendienst auszusteigen. «Ein schlechtes Ergebnis 2012 machte diesen Schritt zu unserem grossen Bedauern nötig», erklärt Peter Schärli, Ebikoner Gemeinderat und Präsident des Vereins Spitex Rontal plus. Bislang kauften die Gemeinden die Dienstleistung – inklusive Nachtdienst – mit einem Beitrag von 2 Franken pro Einwohner ein. «Der Entscheid tat uns sehr weh. Aber die finanzielle Situation der Gemeinden hat uns gezwungen, gewisse Angebote zu streichen. Wir hoffen darauf, dass sich die Ausgangslage wieder ändert. Dann würden wir diese wieder aufnehmen können», so Schärli.

Auch bei der Spitex der Stadt Luzern bedauert man den Entscheid ausserordentlich. «Insbesondere für die betroffenen Menschen, die nun im Spital bleiben und dort sterben müssen», wie Geschäftsleiterin Tamara Renner sagt.

50 000 Franken fallen weg

Der Entscheid bringt die Spitex Stadt Luzern auch finanziell in Schwierigkeiten – denn auf einen Schlag fehlen dem Verein nun rund 50 000 Franken. «Wir sind dringend auf zusätzliche Spenden angewiesen, um unsere Dienstleistung weiter in der bisherigen Qualität aufrechtzuerhalten», sagt Urs L. Steger, Präsident des Vereins Spitex Luzern. Man versuche über Stiftungen an Gelder heranzukommen – doch diese würden mit Anfragen regelrecht überrannt. Klar ist: «Mit diesem Deckungsgrad können wir nicht über Jahre weitermachen.»

Für Steger steht ausser Frage, dass nun auch die öffentliche Hand in der Pflicht steht – allen voran der Kanton. «Ambulante Behandlungen werden von den Gemeinden bezahlt, die stationäre Spitalpflege vom Kanton. Der Brückendienst betreut aber eigentlich stationäre Fälle. Deshalb bin ich der Meinung, dass sich der Kanton finanziell beteiligen müsste. Ohne unser Angebot müssten diese Leute im Spital bleiben – und der Kanton hätte die Kosten zu tragen.»

Gemeinden in der Pflicht?

Beim Kanton sieht man dies allerdings anders, wie Hanspeter Vogler, Leiter Abteilung Gesundheit, erklärt. «Es stimmt nicht, dass alle Patienten des Brückendienstes ins Spital müssten, wenn es das Angebot nicht gäbe. Ein grosser Teil müsste wohl ins Pflegeheim – und dafür sind die Gemeinden zuständig.» Ein anderer Teil würde einfach von der «normalen» Spitex betreut. Gleichzeitig betont Vogler, dass der Brückendienst wertvolle Arbeit leiste. «Wenn die Palliativpflege im gewohnten Umfeld erbracht werden kann, ist das überaus sinnvoll.» Doch die Finanzierung müsse nach den gleichen Prinzipien erfolgen wie die übrigen Spitex-Leistungen. Eine Aufteilung zwischen objektiv spitalbedürftigen und nicht spitalbedürftigen Patienten sei mit vernünftigem Aufwand nicht möglich.

Die Höhe der Kostenvergütung sei allgemein ein Problem bei der Palliativpflege, weil sich diese nicht nur auf rein medizinische Massnahmen beschränke. Teilweise sei das Problem beim Bund bekannt, und es werde nach Lösungen gesucht.

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