LUZERN: Zu wenig Personal – Polizei vernachlässigt Senioren

Fünf Fussgänger sind 2013 bei Verkehrsunfällen gestorben. Alle waren über 64. Nötig wäre mehr Prävention, fordert Pro Senectute.

Alexander von Däniken
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Eine 95-jährige Frau überquert den Fussgängerstreifen an der Bruchstrasse in Luzern. Links das Staatsarchiv. (Bild Nadia Schärli)

Eine 95-jährige Frau überquert den Fussgängerstreifen an der Bruchstrasse in Luzern. Links das Staatsarchiv. (Bild Nadia Schärli)

«Das Problem ist ein Dauerbrenner», sagt Jürg Lauber, Kommunikationsleiter von Pro Senectute Luzern. Wenn im Kanton Luzern Fussgänger im Strassenverkehr sterben, sind es ausnahmslos ältere Personen. Letztes Jahr traf es gemäss aktueller Verkehrsstatistik der Luzerner Polizei fünf Fussgänger im Alter von 89, 86, 86, 84 und 64 Jahren. Damit stellen die fünf eine traurige Mehrheit: Insgesamt sind letztes Jahr sieben Personen bei Verkehrsunfällen gestorben. Im Jahr 2012 kamen zwei Fussgänger um Leben. Sie waren 86 und 62 Jahre alt. Innerhalb dieser Altersspanne waren auch jene fünf Fussgänger, die 2011 ihr Leben auf den Strassen im Kanton Luzern verloren haben. Die Liste liesse sich weiter fortsetzen.

Nur zwei Mal ältere geschult

Was unternimmt die Luzerner Polizei dagegen? Immerhin haben die Verkehrsinstruktoren alleine letztes Jahr fast 30 000 Kinder und Jugendliche geschult. Daniel Orthaber, Chef der Verkehrs- und Bereitschaftspolizei, sagt denn auch: «Die Instruktion der Senioren ist sehr wichtig. Leider kommt sie aufgrund der knappen Ressourcen zu kurz.» Nur gerade zwei Mal habe die Luzerner Polizei letztes Jahr ältere Fussgänger geschult; und zwar auf Einladung der VCS-Sektion Luzern in Willisau und Sursee.

Warum kommt es überhaupt zu so vielen tödlichen Verkehrsunfällen mit älteren Fussgängern? Orthaber und Lauber führen als erstes den demografischen Wandel an: Die Menschen werden heute älter, bleiben länger fit und sind entsprechend länger mobil. Das Hauptproblem, welches letztes Jahr zu den tödlichen Fussgängerunfällen führte, bestand gemäss der Polizei bei der gegenseitigen Wahrnehmung. Die Fussgänger würden oftmals schlicht und einfach übersehen. Drei Unfälle passierten auf Fussgängerstreifen.

Dazu komme eine verminderte Aufmerksamkeit von Senioren – und nicht selten auch von Lenkern. «Bei älteren Menschen lässt die Sinneswahrnehmung nach. Das führt zu Verunsicherung und längeren Reaktionszeiten», sagt Lauber. Und: «Oft sind ältere Personen angesichts des hohen Verkehrsaufkommens und des Lärms mit einer Reizüberflutung konfrontiert.» Kommt es dann zu einer Kollision mit einem Fahrzeug, sind laut Orthaber nicht Knochenbrüche die Gefahr, sondern innere Verletzungen, die ältere Personen nicht mehr so einfach wegstecken können wie jüngere.

Sicher von daheim ins Dorfzentrum

Helfen können Kurse, die direkt vor Ort durchgeführt werden, sagt Orthaber: «Dann können spezifische Schwerpunkte gesetzt werden. Etwa die möglichen Hürden beim Weg vom Altersheim oder der Alterssiedlung ins Dorf oder auch die Gefahren von Elektrovelos.» Generell würden freiwillige Teilnahmen für Veranstaltungen von Heimen oder Quartiervereinen am meisten bringen. «Denn es gibt auch Senioren, die sich nichts sagen lassen.»

Genau hier liegt laut Lauber denn auch die Krux: «Oft sind genau jene Senioren, die eine Instruktion nötig hätten, nicht zu erreichen.» Pro Senectute bietet zu diesem Thema zwei Kurse an: Einer richtet sich an autofahrende Senioren. Der andere an Senioren, die den öffentlichen Verkehr nutzen. Die Wege, wie möglichst alle Senioren erreicht werden, müssen derweil noch gefunden werden. Abgesehen davon ist Lauber überzeugt: «Wir würden es sehr begrüssen, wenn die Polizei sich vermehrt der Präventionsarbeit bei älteren Personen widmet.»

So beugen Sie Unfällen vor

Die Wahrscheinlichkeit, als Fussgänger bei einem Verkehrsunfall gravierende Folgen zu erleiden, nimmt mit steigendem Alter markant zu. Die Luzerner Polizei und Pro Senectute geben Senioren deshalb folgende Ratschläge:

Achten Sie auf bunte Kleidung: Wer dunkel gekleidet ist, wird schlechter gesehen.

Greifen Sie bei Regen zu einem bunten Regenschirm.

Rechnen Sie bei Terminen genügend Zeit ein. Lassen Sie sich unterwegs genügend Zeit.

Treten Sie selbstbewusst auf: Stehen Sie zu Ihrem Tempo, halten Sie Augenkontakt und geben Sie Handzeichen.

Wenn möglich nicht in den Hauptverkehrszeiten und während der Dämmerung auf die Strasse gehen.

Wenn Ihr Weg öfter über stark befahrene Strassen und Kreuzungen führt, lassen Sie sich die ersten Male von einem Familienmitglied oder dem Altersheimpersonal begleiten.