LUZERN: Zu wenig Polizisten – Dealer kommen davon

11 Prozent weniger: Die Luzerner Polizei stellt einen auffälligen Rückgang bei den Drogendelikten fest. Dennoch macht der Kripo-Chef klar: Die Situation ist unbefriedigend.

Christian Hodel
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Präsentierten gestern die Kriminalstatistik 2014: Der Luzerner Polizeikommandant Adi Achermann (links) und Kripo-Chef Daniel Bussmann. (Bild Nadia Schärli)

Präsentierten gestern die Kriminalstatistik 2014: Der Luzerner Polizeikommandant Adi Achermann (links) und Kripo-Chef Daniel Bussmann. (Bild Nadia Schärli)

Christian Hodel

Die Lage ist angespannt. Das sagt Daniel Bussmann, Chef der Luzerner Kriminalpolizei gestern bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2014. Zwar haben die Straftaten im Kanton Luzern im vergangenen Jahr um 8,6 Prozent abgenommen (siehe Kasten unten) – doch die Polizei konnte vielen Verdachtsfällen gar nicht nachgehen, weil das Personal fehlt.

Drogenhandel «auf hohem Niveau»

Vor allem bei grossen Fällen, etwa bandenmässigem Drogenhandel, machen sich die fehlenden Polizisten bemerkbar. «Hier müssen wir eigentlich mehr machen», so Bussmann. Der Konsum und der Handel von illegalen Sub­stanzen bewegt sich auf «einem sehr hohen Niveau», steht in der Kriminalstatistik. «Wer am Wochenende in der Stadt Luzern in den Ausgang geht, weiss, wovon ich rede», sagt Bussmann. Beinahe überall sei es möglich, Drogen zu konsumieren oder an die verbotenen Substanzen heranzukommen. Zwar haben die Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz 2014 mit 2147 Straftaten gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozent abgenommen. Doch diese Zahlen könnten nicht darüber hinwegtäuschen, was er jeden Tag auf der Strasse sehe, so der Kripo-Chef. Konsumenten aus der ganzen Zentralschweiz decken sich in Luzern mit Drogen ein, heisst es in der Kriminalstatistik. Die Polizei hat zwar Hinweise auf Straftäter – doch diese werden nicht behelligt, können ungehindert ihren illegalen Geschäften nachgehen, ihr Verkaufs- und Beziehungsnetz ausbauen. Bussmann: «Wir haben auch Spuren aus ausserkantonalen und internationalen Ermittlungen, die nach Luzern führen. Wir können diesen aber aus personellen Gründen nicht nachgehen.»

Korpsgrösse politisch umstritten

Insgesamt umfasst das Korps der Luzerner Polizei 843 Polizisten, die sich 784 Vollzeitstellen teilen. Die Aufstockung ist ein umstrittenes politisches Thema. Vergangenen Herbst wies die Polizei einen Bedarf an 82 neuen Stellen aus, die Regierung reduzierte die Zahl auf 50 – bewilligt hat das Parlament bei der Beratung des Planungsberichts letztlich 28: Je 4 Stellen kostenneutral für 2015 und 2016, je 10 Stellen zu 1,2 Millionen Franken für 2017 und 2018. «Bei der Frage für zusätzliche Polizisten spüre ich zu wenig Unterstützung aus der Politik», sagt Regierungsrätin Yvonne Schärli (SP). Sie werde sich weiterhin bis zum Amtsende Ende Juni für mehr Personal einsetzen.

Afrikaner beherrschen Kokainmarkt

Zurück zum Luzerner Drogenhandel: Involviert sind vor allem Männer aus Westafrika (Nigeria und Guinea) und der Karibik (Dominikanische Republik). Diese Ethnien sind laut Polizei vor allem im Kokainhandel stark vertreten. Am Kleinhandel mit Kokain seien häufig Afrikaner beteiligt, die mit Schweizerinnen oder Frauen mit Aufenthaltsstatus B oder C verheiratet sind. «Der sogenannte Gassenhandel auf der Strasse kann nur mit Dauerdruck und Polizeipräsenz eingedämmt werden», heisst es im polizeilichen Statistikbericht.

Der Heroinmarkt wird laut Luzerner Polizei von albanischen und serbischen Gruppen dominiert. Bei den weichen Drogen handelt es sich mehrheitlich um den Handel mit Cannabis. 14 Indoor­anlagen konnte die Polizei 2014 ausheben. Im Cannabismarkt versuchen sich vor allem Immigranten mit kosovarischer Herkunft zu etablieren.

Das Drogenproblem und das ungenügende Eingreifen der Polizei wiederum führen zu weiteren Straftaten. «Uns sind Personen bekannt, die im Drogensumpf sind und jeden Tag Straftaten begehen», sagt Bussmann. Dabei handelt es sich um Fälle von Beschaffungskriminalität.

Boom bei den Wirtschaftsdelikten

Neben dem Drogenhandel muss sich die Polizei auch immer mehr mit grossen Wirtschaftsdelikten abgeben, etwa mit Fällen, in denen dubiose Firmen beteiligt sind. In diesem Bereich sei ein eigentlicher Boom auszumachen, macht Adi Achermann, Kommandant der Luzerner Polizei, klar. 63 hängige Verfahren verzeichnete die Fachgruppe Wirtschaftsdelikte im vergangenen Jahr. Um diese Pendenzen abzubauen, müsste laut Achermann ein Mitarbeiter geschätzte sieben Jahre arbeiten. Druck in diesem Bereich spürt auch die Luzerner Staatsanwaltschaft. Sie fordert darum für 1,5 Millionen Franken eine neue Abteilung für die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität mit zusätzlichen 5 bis 7 neuen Vollzeitstellen (Ausgabe vom 3. März).

Letztes Jahr konnte die Fachgruppe Wirtschaftsdelikte der Luzerner Polizei 87 Verfahren abschliessen – 2013 waren es 124. Dabei ging es um eine Deliktsumme von 46,1 Millionen Franken, 2013 waren es 55 Millionen Franken.