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Luzern-Zürich in 40 Minuten: Der Zug ist bald schneller als das Auto

Nun ist es definitiv: Die Verbindung nach Zürich Flughafen wird für zwei Jahre schlechter. Danach sollen neue Züge auf der Strecke fahren und erst noch schneller in Zürich sein. Doch ein Wermutstropfen bleibt.
Christian Glaus
25'000 Personen fahren täglich mit dem Schnellzug nach Zürich. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. März 2017))

25'000 Personen fahren täglich mit dem Schnellzug nach Zürich. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. März 2017))

Selbst Gespräche auf höchster Ebene haben nichts gebracht: Ab Dezember dieses Jahres verschlechtern sich die Verbindungen aus Luzern, Zug, Ob- und Nidwalden nach Zürich Oerlikon und Flughafen. Auch der Luzerner Regierungsrat Robert Küng (FDP) konnte dies nach Treffen mit der SBB-Spitze nicht verhindern. Während zweier Jahre fährt neu der Interregio, welcher Luzern um xx.35 Uhr verlässt, nach Zürich Flughafen. Ohne Halt in Oerlikon. Die Fahrt dauert sechs Minuten länger als mit der heutigen Direktverbindung um xx.10 Uhr. Reisende aus Luzern West, Nidwalden und Engelberg erwischen diesen Zug nicht.

Diese Verschlechterung verärgert viele. «In der Fahrplanvernehmlassung haben wir erwartungsgemäss viele Rückmeldungen erhalten – über 270», sagt Romeo Degiacomi, Sprecher des Verkehrsverbunds Luzern (VVL). Der Verkehrsverbund reichte den SBB zahlreiche Vorschläge ein, um das seit Jahren bewährte Angebot fortführen zu können. Unter anderem schlug er vor, die Schnellzüge ab Thalwil via Seelinie (Zürich Enge) in den neuen Zürcher Durchgangsbahnhof Löwenstrasse einfahren zu lassen. «Doch die Ergebnisse sind ernüchternd: Aus betrieblichen Gründen lässt sich keiner der Vorschläge verwirklichen», sagt Degiacomi. Dafür gibt es ab Dezember 15 statt 14 tägliche Direktverbindungen zum Flughafen (neu auch um 6.35 Uhr).

Nach der zweijährigen Übergangsphase herrsche ab Dezember 2020 wieder der Normalzustand, erklärten die SBB gegenüber unserer Zeitung und versuchten so zu beschwichtigen (Artikel vom 22. August).

Halt in Thalwil entfällt

Ganz korrekt war diese Aussage nicht, wie Recherchen zeigen. Die SBB planen nämlich, dass die Interregios nach Zürich Flughafen ab 2020 nicht mehr in Thalwil halten. Dadurch verkürzt sich die Fahrzeit um 6 auf 40 Minuten. Der Zug ist damit schneller in Zürich als das Auto. Wer nach Zürich Flughafen oder weiter nach Winterthur fährt, hat jedoch nichts vom Zeitgewinn. Die Züge stehen umso länger im Hauptbahnhof und fahren erst nach 19 Minuten weiter. Für Karin Blättler, Präsidentin von Pro Bahn Zentralschweiz, inakzeptabel: «Bei einem derart langen Aufenthalt im Bahnhof kann man nicht mehr von einem Direktzug sprechen.» Sie fordert, dass die Aufenthaltsdauer in Zürich auf maximal 12 Minuten reduziert wird.

Romeo Degiacomi vom VVL bezeichnet den langen Aufenthalt in Zürich als «Wermutstropfen». Für den VVL gelte es, die Vor- und Nachteile abzuwägen. «Von einer schnelleren Verbindung nach Zürich Hauptbahnhof profitieren täglich 25000 Reisende. Weiter nach Zürich Oerlikon und Flughafen fahren pro Tag im Schnitt 650 Personen.» Ein Vorteil sei, dass der Zug künftig nicht nur bis Zürich Flughafen fährt, sondern weiter in die Ostschweiz und dabei in Winterthur hält. Davon würden weitere 1600 Pendler aus der Zentralschweiz profitieren. Aber: «Dass es pro Stunde nur noch einen Direktzug nach Thalwil gibt und der andere Zug derart lange im Hauptbahnhof steht, finden wir nicht gut.» Man versuche, eine Lösung zu finden und habe die SBB aufgefordert, das Fahrplankonzept zu verbessern.

Direktverbindung zum Flughafen gesichert

Immerhin konnte der VVL den SBB ein Versprechen abringen: «Wir haben eine verbindliche Zusicherung erhalten, dass ab Luzern eine stündliche Direktverbindung an den Flughafen langfristig gesichert ist.» Zudem sei geplant, dass die neuen Fernverkehrsdoppelstockzüge ab Dezember 2020 auf der Flughafen-Strecke nach Luzern fahren.

Weshalb haben die SBB verschwiegen, dass die Direktverbindung nach Zürich Flughafen gegenüber heute durch den langen Aufenthalt in Zürich weniger attraktiv wird? Auf Anfrage sagt Sprecher Reto Schärli: «Bei den Verbindungen an die Landesflughäfen ist es für die Kunden, die mit viel Gepäck reisen oder die ortsunkundig sind, vor allem wichtig, dass sie möglichst wenig umsteigen müssen. Deshalb haben wir den Fokus auf die Direktverbindung gelegt.»

Wer eine kürzere Reisezeit wünsche, könne im Zürcher Hauptbahnhof auf einen anderen Zug umsteigen und profitiere gegenüber heute von einer kürzeren Gesamtreisezeit. Schärli: «Mit dem geplanten Angebot erreichen wir somit alle Kunden.»

SBB gegen Verbindung zum Durchgangsbahnhof Löwenstrasse

Eine deutlich schnellere Ost-West-Verbindung ermöglicht die Durchmesserlinie mit der neuen Haltestelle Löwenstrasse am Zürcher Hauptbahnhof. Aber: Der Zimmerberg-Tunnel zwischen Thalwil und Zürich ist nicht an die Durchmesserlinie angeschlossen. Das war bisher auch nicht möglich, weil ein Brückenpfeiler im Weg stand. Das ändert sich mit dem Ersatz der Hohlstrassenbrücke. Die neue Brücke kommt ohne Pfeiler aus.

Verschiedene Planer schlagen vor, den Zimmerberg-Tunnel mit der Station Löwenstrasse zu verbinden. Darunter Paul Stopper, der «Vater» der Durchmesserlinie: «Damit kann wertvolle Reisezeit gespart werden, der Betrieb wird wirtschaftlicher.» Die neue Weiche müsste unmittelbar vor dem Hauptbahnhof eingebaut werden. SBB-Sprecher Reto Schärli winkt ab: «Eine Weichenverbindung an dieser Stelle würde über eine leichte Kuppe führen und könnte nur langsam befahren werden.» Somit werde die Kapazität stark eingeschränkt.

VVL: Spitzkehre ist ein Schönheitsfehler

Selbst wenn der Durchgangsbahnhof in Luzern und der Zimmerberg-Basistunnel II zwischen Baar und Thalwil wie geplant gebaut würden, wäre im Bahnhof Zürich also weiterhin eine Spitzkehre nötig. «Das ist ein Schönheitsfehler», sagt Romeo Degiacomi, Sprecher des Luzerner Verkehrsverbunds (VVL).

Hoffnungen gibt es jedoch für die langsamere Verbindung: den Regioexpress aus Luzern, der vor­aussichtlich ab 2025 zusätzlich zu den heutigen beiden Interregios nach Zürich fährt. Von der Seestrecke via Zürich Enge kommt man in den Durchgangsbahnhof Löwenstrasse. Degiacomi: «Wir streben an, dass der Regioexpress via Thalwil, Enge und Durchgangsbahnhof nach Zürich Flughafen fährt.» (cgl)

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