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LUZERN: Zwangsferien auf dem Prüfstand

Der Kantonsrat beschloss als Sparmassnahme für 2016 eine Woche Zwangsferien für Berufs- und Mittelschulen. Mit der Umsetzung könnte er gegen geltendes Bundesrecht verstossen.
Gabriela Jordan
«Aus pädagogischer Sicht ist die Massnahme nicht optimal.» Christof Spöring, Leiter Dienststelle Berufs- und Weiterbildung (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

«Aus pädagogischer Sicht ist die Massnahme nicht optimal.» Christof Spöring, Leiter Dienststelle Berufs- und Weiterbildung (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Eine der umstrittensten Sparmassnahmen des Kantons Luzern schlägt hohe Wellen. Eine Woche Zwangsferien für alle Schüler und Lehrer sämtlicher Gymnasien und Berufsschulen wurde vor zwei Jahren im Parlament noch klar abgelehnt. Um das Loch im Budget 2016 zu stopfen, wurde diese Sparmassnahme von den Bürgerlichen und der CVP nun aber angenommen. «Das hat uns grundsätzlich schockiert», sagt etwa Daniel Thommen, Zentralpräsident der Berufsbildung Schweiz. «Jede Woche weniger Unterricht bedeutet mehr Druck für die Lehrlinge während des Jahres», sagt er.

Nun macht Bruno Amrhein in einem Leserbrief in unserer Zeitung (Ausgabe von gestern) darauf aufmerksam, dass diese Sparmassnahme bei Berufsschulen rechtlich gar nicht umsetzbar ist: «Die Zwangsschliessung der Berufsschulen verstösst eindeutig gegen übergeordnetes Bundesrecht», schreibt der Berufsschullehrer.

In den Bildungsverordnungen des Bundes sei nämlich die obligatorische Anzahl Lektionen für jeden Beruf und jedes Fach verbindlich festgelegt. Demnach könnten diese Lektionen durch die Zwangsferien nicht mehr eingehalten werden. Stimmt das, und hat das Luzerner Kantonsparlament seine Hausaufgaben nicht gemacht? «Sparvorschläge bergen oft komplexe Zusammenhänge, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind», sagt Kantonsrätin Yvonne Zemp-Baumgartner (SP, Sursee). Da bestehe manchmal schon die Gefahr, dass nicht alle Folgen berücksichtigt würden.

«Last wird auf Lehrlinge abgewälzt»

Welche Folgen haben denn die Zwangsferien effektiv für die Berufsschüler? Thommen erklärt, dass Lehrlinge je nach Beruf eine unterschiedliche Anzahl Lektionen zu absolvieren hätten. In den meisten Berufen mit 3-jähriger Ausbildung sind das 1200 Schullektionen, verteilt auf drei Jahre. Dazu gehören 360 Lektionen allgemeine Bildung und 720 Stunden Berufsbildung sowie 120 Lektionen Sport. Oft sei es so aufgeteilt, dass die Lehrlinge insgesamt 40 Schultage à neun Stunden absolvieren – und somit je nach Beruf ein bis zwei Tage pro Woche die Schulbank drücken. «Mit der Kürzung sind es nächstes Jahr somit nur noch 39 Tage, der Schulstoff bleibt aber gleich», sagt Thommen. Die Last werde dadurch einfach auf die Lehrlinge abgewälzt, die den Stoff dann selber büffeln müssten. Dafür könnten sie immerhin die Zwangsferien brauchen? Thommen verneint: «An den freien Tagen stehen die Lehrlinge dem Ausbildungsbetrieb zur Verfügung.»

Sind 39 Schultage rechtlich also zu wenig? Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Beruf und Weiterbildung, beschwichtigt: «Es ist nicht so schwarz-weiss.» Die Kantone und Schulen hätten einen Handlungsspielraum, wie sie die Bildungsvorgaben des Bundes umsetzen. «In den Schweizer Kantonen ist die Umsetzung mit 361/2 bis 40 Schulwochen sehr unterschiedlich» erklärt er. Doch mit nur noch 37 Wochen befindet sich der Kanton Luzern nun an der unteren Grenze. Nur der Kanton Tessin hat noch weniger Schultage.

«Flexibilität ist gefragt»

Dani Duttweiler, Mediensprecher des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), schreibt auf Anfrage, dass das SBFI als Oberaufsicht reagiere und die Kantone auf die «geltenden Regelungen hinweise», wenn ein solcher die Vorgaben verletze. Müssen die Schultage im Kanton Luzern nun länger werden? «Die im Parlament beschlossene Sparvorgabe müssen wir nun zunächst im Detail ausarbeiten», sagt Spöring. Grundsätzlich sei auch Flexibilität gefragt, damit die Lernziele trotzdem erreicht werden können. Allerdings scheint auch er über die Massnahme unglücklich zu sein: «Nichtsdestotrotz ist es eine finanzielle Massnahme, die aus pädagogischer Sicht nicht optimal ist.»

Gabriela Jordan

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