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LUZERN: Zwei CVP-Grössen schielen aufs Stöckli

Egal, ob Konrad Graber Bundesrat wird oder als Ständerat aufhört: Sein Posten ist CVP-intern heiss begehrt. Besonders viel Interesse wird Nationalrat Leo Müller und Regierungsrat Guido Graf nachgesagt.
Lukas Nussbaumer
Die CVP-Politiker Nationalrat Leo Müller (links) und Regierungsrat Guido Graf. (Bilder: PD/Archiv LZ)

Die CVP-Politiker Nationalrat Leo Müller (links) und Regierungsrat Guido Graf. (Bilder: PD/Archiv LZ)

Konrad Graber, Guido Graf und Leo Müller haben mindestens vier Gemeinsamkeiten: Die drei Luzerner Politiker sind 58 Jahre alt, gehören der CVP an, bekleideten im Militär einen Offiziersrang – und sie gelten als ehrgeizig und ambitioniert.

So wird Ständerat Konrad Graber seit Jahren als Bundesratskandidat gehandelt – dann, wenn seine Parteikollegin, Verkehrs- und Energieministerin Doris Leuthard, zurücktritt. Ob sich die Aargauerin Leuthard 2017 tatsächlich von der Politbühne verabschiedet, ist allerdings offen. Altershalber steht ein Abgang in weiter Ferne – Leuthard ist erst 53. Auch die Zahl der Dienstjahre – die CVP-Magistratin gehört seit 2006 der Landesregierung an – lässt nicht zwingend auf einen baldigen Rücktritt schliessen.

Graber misst seine Fitness am Halbmarathon

Konrad Graber drückt sich denn auch diplomatisch aus, wenn er auf seine politischen Ambitionen angesprochen wird. «Aus Respekt gegenüber der Arbeit einer amtierenden Bundesrätin äussere ich mich nicht zu diesem Thema, bevor eine Vakanz entsteht.» Offen lässt der Krienser Politiker und Emmi-Verwaltungsratspräsident auch, ob er bei den Ständeratswahlen 2019 für eine vierte Legislatur kandidiert. «Die Frage ist ein Jahr nach Legislaturbeginn verfrüht. Solange ich fit bin, mache ich weiter.» Seinen Fitnesszustand leitet Graber aus seiner Zeit ab, die er auf der Halbmarathonstrecke am Swiss City Marathon in Luzern erreicht: Liege diese unter zwei Stunden, sei er «zwäg». Bei der jüngsten Austragung am 30. Oktober schaffte Graber die etwas mehr als 21 Kilometer lange Strecke in 1:49 Stunden. Das heisst wohl so viel wie: Wird Graber nicht Bundesrat, kann er sich eine weitere Legislatur als Ständerat gut vorstellen. Wer den Luzerner CVP-Sitz im Ständerat erben will, hofft also besser auf einen baldigen Rücktritt von Doris Leuthard als auf einen Abschied von Konrad Graber in drei Jahren.

Das macht die Ausgangslage für potenzielle CVP-Ständeräte delikat. Aus Respekt vor Konrad Grabers Leistungen und seiner Popularität würde kein Parteifreund auch nur den Gedanken wälzen, dem fitten Ausdauerläufer 2019 den Verzicht auf eine Ständeratskandidatur nahezulegen. Und wer Graber Bundesratsformat attestiert, entlarvt sich genauso als Aspirant auf seine Nachfolge im Stöckli.

Guido Graf hält sich aus Höflichkeit zurück

Das wissen Regierungsrat Guido Graf und Nationalrat Leo Müller selbstverständlich. Entsprechend vorsichtig äussern sie sich auf Anfrage unserer Zeitung zu ihren politischen Ambitionen. Der seit 2010 amtierende Graf betont, wie hoch motiviert er seine Arbeit als Luzerner Gesundheits- und Sozialdirektor ausübe und wie gut Graber in Bern politisiere. Er kommentiere deshalb weder die Chancen von Graber als Bundesratskandidat («die habe ich nicht analysiert») noch seine eigenen Ambitionen («das wäre unhöflich gegenüber Konrad Graber»).

Das muss Graf auch nicht – seine Ambitionen sind offensichtlich. Der frühere Chef der CVP-Fraktion liess in jüngster Vergangenheit nur wenige Gelegenheiten aus, sich national ins Gespräch zu bringen. Sei es mit harter und wiederholter Kritik an der Asylpolitik von Simonetta Sommaruga, sei es mit Breitseiten gegen die Krankenversicherer. So prägnant und provokant sich der Pfaffnauer in nationalen Fragen ausdrückt, so betont zurückhaltend und auf Harmonie bedacht agiert er auf dem kantonalen Parkett. Ein Beispiel: Ärgert sich die CVP wieder einmal über die Finanzpolitik des parteilosen und ungeliebten Regierungsrats Marcel Schwerzmann, hält sich Graf vornehm zurück – im Gegensatz zu Bildungsdirektor Reto Wyss.

Leo Müller stand 2007 kurz vor der Nomination

Ein hohes Interesse an einem Sitz im Stöckli wird neben Graf auch Leo Müller nachgesagt. Der amtierende Ruswiler Gemeindepräsident wurde 2011 etwas überraschend in den Nationalrat gewählt, wo er sich seither einen Namen als Drahtzieher hinter den Kulissen gemacht hat. Die gleiche Fähigkeit wird Konrad Graber attestiert. Angesprochen auf seine politischen Pläne, gibt sich Leo Müller etwas weniger zugeknöpft als Guido Graf. «Wird Konrad Graber tatsächlich Bundesrat, wäre eine Kandidatur für den Ständerat eine Überlegung wert», sagt Müller.

Aus seinem Grundinteresse an einem Wechsel in die Kleine Kammer macht Müller also keinen Hehl. Das wäre auch nicht glaubwürdig. Schliesslich stand der Jurist und Ingenieur-Agronom im Mai 2007 kurz vor der Nomination als Ständeratskandidat der Luzerner CVP. In der parteiinternen Endausmarchung scheiterte der gelernte Landwirt letztlich an Konrad Graber, der mit 281 Delegiertenstimmen deren 45 mehr holte als Müller.

Wird Graber nicht Bundesrat und tritt er 2019 ein viertes Mal zu den Ständeratswahlen an, wäre für Graf und Müller der Zug ins Stöckli abgefahren: Sie erreichen 2023 wie Graber das Pensionsalter. Für Graf, will er seine politische Karriere denn unbedingt in Bern ausklingen lassen, bliebe der Versuch, in den Nationalrat gewählt zu werden: Ida Glanzmann absolviert derzeit ihre letzte Legislatur.

Lukas Nussbaumer

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