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LUZERN: Zweijährige Lehre – in Luzern klappt es

Wie viele Lehrabbrüche gibt es in der zweijährigen Ausbildung zum eidgenössischen Berufsattest? Dank einer Studie liegen hierzu erstmals Zahlen vor. Trotz Spitzenposition gibt sich der Kanton Luzern mit dem Ergebnis nicht zufrieden.
Stephan Santschi
Matthias Fischer, im ersten Lehrjahr zum Schreinerpraktiker EBA, in seinem Lehrbetrieb, der 4B AG. (Bild: Pius Amrein (Hochdorf, 17. Februar 2017))

Matthias Fischer, im ersten Lehrjahr zum Schreinerpraktiker EBA, in seinem Lehrbetrieb, der 4B AG. (Bild: Pius Amrein (Hochdorf, 17. Februar 2017))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Eingeführt wurde es im Jahr 2005, das eidgenössische Berufsattest oder kurz: EBA. Die zweijährige Grundbildung löste die Anlehre ab und richtet sich an praktisch Begabte mit schulischen Schwächen – ihnen soll mit einem national anerkannten Abschluss der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert werden. Eine Studie des Bundesamts für Sta­tistik und des Eidgenössischen Hochschulinstituts für Berufsbildung liefert nun erstmals Zahlen zur EBA-Ausbildung. Im Zentrum steht die Häufigkeit der Lehrabbrüche. Das Ergebnis: 24,4 Prozent und damit jeder Vierte be­endete die Ausbildung zwischen 2012 und 2014 vorzeitig.

Eine ernüchternd hohe Quote, doch es gibt auch Lichtblicke – vor allem im Kanton Luzern. 54 von 362 Personen lösten im untersuchten Zeitraum den Lehrvertrag auf, was 14,9 Prozent entspricht. Im schweizweiten Vergleich belegt man damit den ersten Platz. «Insgesamt ein guter Wert, doch dass wir damit bei den Besten sind, hätten wir nicht erwartet», sagt Christof Spöring, Leiter der kantonalen Dienststelle Berufs- und Weiterbildung.

Der Schreinerpraktiker ist sehr gefragt

Für Daniel Jaeggi, Prüfungsleiter beim Gewerbeverband des Kantons Luzern, steht fest: «Die Berufsverbände führten das EBA an den Ausbildungsstellen gut ein. Und in den Betrieben hat man festgestellt, dass für diese Lehrlinge Betätigungsfelder vorhanden sind.» In gewissen Branchen könne sich der Attest-Absolvent gegenüber dem Lehrling mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis sogar differenzieren. «Beispielsweise spezialisiert er sich in der Montage oder an einer einzelnen Maschine, während der Jugendliche mit der vierjährigen Lehre an verschiedenen Positionen eingesetzt werden kann.» Herauszuheben sei die Ausbildung zum Schreiner- oder Maurerpraktiker, hier seien EBA-Lehrlinge sehr gefragt. In der Zentralschweiz sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der Ausbildung stark integriert. «Sie schauen zu ihren Lernenden, helfen ihnen in schwierigen Situationen wieder auf die Beine.»

Ist die Vertragsauflösung nicht zu umgehen – aufgrund mangelhafter Leistungen, gesundheitlichen Problemen, falscher Berufswahl oder der Betriebsschliessung – komme die Betreuung der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung zum Tragen. «Wir unterstützen die Jugendlichen und deren Eltern», versichert Spöring, «wenn gewünscht, dann helfen wir den Lernenden, wieder im selben Beruf eine Lehrstelle zu finden.» Im Falle einer Neuorientierung könne man auch Berufsberatungen und Brückenangebote nutzen. Laut der Studie haben im Kanton Luzern 31 der 54 Jugendlichen, welche die EBA-Ausbildung in einem Betrieb abgebrochen haben, andernorts den Wiedereinstieg geschafft. Im nationalen Vergleich belegt Luzern den vierten Rang. Jene Jugendlichen, die definitiv abbrechen würden, «versuchen den Einstieg ins Berufsleben als Ungelernte oder suchen sich einen anderen Weg durchs Leben», erklärt Spöring.

«Ein Diplom stärkt das Selbstwertgefühl»

Nicht so 84,3 Prozent der 362 Lehrlinge. Sie schlossen das Berufsattest im Qualifikationsverfahren erfolgreich ab. Der Kanton Luzern führt hier die Rangliste an (Durchschnitt: 74,1 Prozent). «Im Gegensatz zur Anlehre, die jeder abschliessen konnte, gibt es bei der Attestausbildung ein Diplom. Das stärkt das Selbstwertgefühl des Absolventen», so Jaeggi. Sind die Prüfungen etwa zu einfach, wie hie und da Chefexperten vermuten? «Sicher ist die Hürde nicht extrem hoch, gerade weil es sich bei den Lehrlingen um praktisch begabte Menschen handelt.» Spöring fügt an: «Gewiss gibt es Berufsgattungen, die in den Prüfungen noch nach ihrem Niveau suchen. Grundsätzlich sind sie aber nicht zu einfach.» Beide halten fest: «Die Attestausbildung hat sich bei uns bewährt.»

Überbewerten wollen sie das Ergebnis aber nicht. 14,9 Prozent abgebrochene Lehren seien noch ein hoher Wert, er soll weiter gesenkt werden. Es gebe Berufe, in denen das EBA noch nicht habe Fuss fassen können. Bei den Floristinnen etwa, sagt Jaeggi. Oder, wie Spöring anmerkt, «in der Coiffeurbranche. Dort kann die Arbeitsmarktfähigkeit noch optimiert werden.» Weiter ist zu bedenken, dass nur ein Jahrgang untersucht worden ist. Weitere Studien sollen noch aussagekräftigere Ergebnisse liefern.

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