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LUZERN/AARGAU: Das Kreuz mit den Schwänen vom Hallwilersee

Soll der Mensch ins Brutgeschäft der Schwäne am Hallwilersee eingreifen und damit ihren Bestand dezimieren? Die zuständigen Behörden sagen «im Moment, nein». Das passt längst nicht allen.
Thomas Heer
Dass Schwäne schöne Tiere sind, bestreitet kaum jemand – sie können aber auch zu einer Plage werden. (Bild: Keystone)

Dass Schwäne schöne Tiere sind, bestreitet kaum jemand – sie können aber auch zu einer Plage werden. (Bild: Keystone)

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

«Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.» Das besagt der Volksmund. Und an diese Worte hat sich in den vergangenen Wochen womöglich auch Peter Ulmann erinnert. Denn er, Abteilungsleiter Natur, Jagd und Fischerei in der Dienststelle Landwirtschaft und Wald, musste zusammen mit seinem Aargauer Amtskollegen einen heiklen Entscheid fällen.

Und zwar ging es um die Frage, wie mit der Schwanenpopulation auf dem Hallwilersee künftig zu verfahren sei. Konkret galt es zu entscheiden, ob der Bestand dezimiert werden soll, entweder durch das Stechen von Eiern oder deren teilweisen Entnahme aus dem Nest. Die Antwort, die seit dieser Woche offiziell vorliegt, lautet: Zumindest für das kommende Brutgeschäft – das wird ab April der Fall sein – bleiben die Schwäne von regulierenden Massnahmen verschont. Dazu später mehr.

Ursprünglich ging der Kanton von 70 Schwänen aus

Wer immer sich von Amtes wegen in den Kreislauf der Natur einmischt, betritt ein Minenfeld. Es gibt stets ein Dafür oder ein Dagegen, vehemente Tierschützer auf der einen und Betroffene auf der anderen Seite.

Einer, der über den Entscheid der zuständigen Dienststellen der Kantone Aargau und Luzern nicht glücklich ist, heisst Christian Budmiger. Hauptberuflich ist er als Landwirt, im Nebenamt aber auch als Gemeindepräsident von Aesch tätig. Budmiger sagt: «Ich bin enttäuscht.» Denn er weist darauf hin, dass die Schwäne immer wieder das Wiesland sowie die örtliche Badi am See verkoten. Gemäss Budmiger seien 3 oder 4 Tiere absolut tragbar, aber 26 Schwäne wie im letzten Sommer seien zu viel. «Das von den ­Vögeln verunreinigte Gras kann weder als Silofutter konserviert noch den Kühen als Frischfutter vorgesetzt werden.» Ausgleichszahlungen seitens des Staates kann ein geschädigter Landwirt keine erwarten. Denn die geschützten Schwäne sind in den entsprechenden Gesetzeswerken nicht unter den entschädigungspflichtigen Tierarten, wie zum Beispiel die Wildschweine, aufgeführt. Budmiger wäre zufriedener, wenn die Kantone Aargau und Luzern definiert hätten, ab welcher Höchstzahl die Schwanenpopulation auf dem Hallwilersee dezimiert werden soll.

Ebenfalls nicht begeistert vom Beschluss ist Hans Häfeli, Vizepräsident des Vereins Schwanenkolonie Hallwilersee. Häfeli sagt: «Bis vor etwa drei Jahren regulierten wir den Bestand selber. Ich befürchte, dass wir nach einem guten Brutjahr schnell einmal zusätzlich 20 und mehr Schwäne auf dem See haben.»

Heute leben zwischen 36 und 45 Schwäne auf dem Gewässer. Das ergaben zwei Zählungen der Vogelwarte Sempach, die im ­November 2016 respektive im vergangenen Januar durchgeführt wurden. Das sind wesentlich weniger, als ursprünglich angenommen. Ulmann sagt: «Im Frühjahr 2016 sind wir von 60 bis 70 Tieren ausgegangen.»

Aufgrund dieser Schätzung wurden die nötigen Schritte eingeleitet, und der Kanton wurde beim Bund vorstellig. Dieser gab daraufhin grünes Licht, zeigte sich also einverstanden, dass die Schwanenpopulation auf dem Hallwilersee mittels Eientnahme dezimiert werden darf.

Eine Regulationsverfügung des Kantons lag damit aber noch keine vor und wird nun aufgrund der neu erhobenen Faktenlage aktuell auch nicht ausgearbeitet. Abteilungsleiter Peter Ulmann sagt: «Wir werden die Bestandesentwicklung weiter aufmerksam verfolgen.» Der Kanton bleibt aber nicht untätig. «Die Beschilderungen zum Fütterungsverbot werden überprüft und wo möglich sinnvoll verbessert.» Als zusätzliche flankierende Massnahme soll eine sogenannte Schwanenwiese eingerichtet werden. Ulmann erklärt: «Dazu brauchen wir die Zustimmung des Grundeigentümers. Diese seenahe ­Fläche würde für die Schwäne ­reserviert und entsprechend bewirtschaftet. Damit versuchen wir den Schaden von anderen Kulturen fernzuhalten.»

Birdlife begrüsst den Entscheid

Über den Entscheid der Kantone Aargau und Luzern freut sich Maria Jakober, Geschäftsführerin von Birdlife Luzern. Sie sagt: «Wir sind nicht grundsätzlich gegen einen Eingriff. Als wir in den Entscheidungsprozess einbezogen wurden, äusserten wir uns sehr kritisch zum Umstand, dass die Schwaneneier aus den Nestern entnommen oder gestochen werden sollen.» Den Birdlife-Vertretern fehlten anfänglich verlässliche Zahlen, und sie mahnten an, dass zuerst andere Massnahmen zu prüfen seien, bevor direkt ins Brutgeschäft eingegriffen werde.

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