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LUZERN/BÜRGENSTOCK: Wenn in der Werft eine Bergbahn entsteht

Die Shiptec baut die neuen Wagen der Bürgenstockbahn – eine Premiere. Doch die Erfahrungen aus dem Schiffbau kommen der Werft zugute.
Roger Rüegger
Nicolai Bättig schweisst in der Shiptec-Werft ein Gehäuse für die Hydraulikanlage der neuen Bürgenstockbahn. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 26. April 2017))

Nicolai Bättig schweisst in der Shiptec-Werft ein Gehäuse für die Hydraulikanlage der neuen Bürgenstockbahn. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 26. April 2017))

Die Erwartungen bei einer Betriebsbesichtigung werden nicht immer erfüllt. Manchmal aber übertroffen. So mag es am Mittwoch der Seniorengruppe an der Werftestrasse in Luzern ergangen sein. Bei ihrer Führung durch die 70 Meter lange Schiffbauhalle der Shiptec, einer Tochtergesellschaft der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV), haben die 50 Frauen und Männer als Erstes nicht etwa ein Boot angetroffen, sondern zwei knallrote Bahnwagen. Ein Mann mit Seemannsmütze, dem Anschein nach eher ein Schiffsliebhaber als ein Bahnfreak, verfolgte die Arbeiten an den Wagen jedoch interessiert.

Es handelt sich um die Fahrzeuge der neuen Bürgenstockbahn, die von Experten der Shiptec gebaut werden. Aussergewöhnlich ist die Situation also nicht nur für Besucher, sondern auch für einen der grössten Schweizer Werftbetriebe. Was die Frage aufwirft, weshalb eine Schiffbaufirma sich dem Bau dieser Wagen angenommen hat. Lukas Durrer, Projektleiter der Shiptec, erklärt: «Der Kabinenaufbau, mit dem wir beauftragt wurden, hat viele Parallelen zu einem Schiffsaufbau, welcher auch aus einer Aluminiumstruktur mit Aussenverblechung, Dämmung, Innenausbau und Elektrik besteht. Ein Projekt in dieser Art ist für uns aber natürlich ausser­gewöhnlich, da Shiptec zum ersten Mal eine Standseilbahn-­Kabine baut.» Beworben für den Auftrag habe man sich, weil die Werft derzeit Kapazität habe. Das Fahrgestell wurde von der Firma Garaventa in Goldau produziert und ist Anfang April nach Luzern transportiert worden.

Dass die Wagen optisch eine Retrobahn darstellen müssen, habe der Shiptec mit ihrer Erfahrung im Sanieren der Dampfschiffe in die Hände gespielt. Dort sei der Retro-Look quasi Alltag. Bei unserer Besichtigung sind Metallbauer, Schreiner und Elektriker beim Innenausbau der Kabinen engagiert. Die Wagen werden nach dem Vorbild der historischen Standseilbahn so gut wie möglich nachgebaut – mit neusten Technologien und Materialien sowie gemäss den neusten Vorschriften. Anders als die Originalbahn ist die neue Version geschlossen und wird beheizt, da sie im Gegensatz zu früher auch im Winter in Betrieb sein wird.

Shiptec-Vorarbeiter Roland Steffen passt beim Innenausbau ein grossflächiges Aluminiumblech an. Da ein kleiner Schnitt an der Kante, dort etwas nachschleifen, und das Teil sitzt. Der Schiffbauer ist stolz, dass er die Bürgenstockbahn mitbauen darf: «Dieser Job ist einmalig. Ein Prestigeobjekt für uns und zugleich eine willkommene Herausforderung, weil wir viele für uns neue Technologien einsetzen.» So würden zum Beispiel die Bleche der Aussenhaut nicht mit der Rahmenkonstruktion verschweisst oder vernietet, sondern geklebt. Dies sei nötig, weil das 2 Millimeter dicke Aluminium beim Vernieten Druck­stellen aufweisen würde. Solche optischen Auffälligkeiten wolle man vermeiden.

Derweil schweisst Schlosserlehrling Nicolai Bättig in einem Nebenraum mit ruhiger Hand ein Aluminiumgehäuse für die Hydraulik der Fangbremse. Es sei eine der wenigen Schweisserarbeiten an den Kabinen, erklärt Durrer. Aus statischen Gründen und damit sich das Material durch die Hitze nicht verzieht, habe man auch die Rohrkonstruktion der Kabinen an den Ecken vernietet und nicht verschweisst.

Das Gewicht – eine Herausforderung

Die grösste Schwierigkeit war laut Durrer, die Wagen nach den Kundenwünschen, den statischen Vorschriften und den Herstellmöglichkeiten innerhalb des vorgegebenen Maximalgewichts zu planen und zu bauen. Die Vorgabe für den Aufbau liegt bei 4300 Kilogramm. Mit dem Transport Mitte Juni seien die Arbeiten, die im Dezember begonnen hatten, abgeschlossen. «Um es in der Schiffbausprache auszudrücken: Wir sind auf Kurs!» Nach Tests vor Ort soll die Bahn im August ihren Betrieb aufnehmen.

Das alte Bahntrassee wurde von der Garaventa durch ein neues ersetzt. Die Wagen haben eine Länge von 11,6 Metern bei einer Breite von 2,45 Metern. Das Gesamtgewicht beträgt 10,5 Tonnen. Die neue Bahn hat Platz für 56 Personen und fährt vollautomatisch mit oder ohne Begleitung eines Bahnführers. Ein Schiff der SGV wird Passagiere dereinst von Luzern nach Kehr­siten bringen. Die Kantone Nidwalden und Luzern sowie der Bund beteiligen sich an den Investitionen von 15 Millionen Franken mit zinslosem Darlehen in der Höhe von 4,7 Millionen Franken.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

April 2017: Die automatischen Schiebetüren werden montiert. 11,6 Meter lang und 2,45 Meter breit sind die Wagen. (Bild: pd/Shiptec)

April 2017: Die automatischen Schiebetüren werden montiert. 11,6 Meter lang und 2,45 Meter breit sind die Wagen. (Bild: pd/Shiptec)

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