LUZERN/CHINA: Stadtpräsident Stefan Roth, ni hao ma?

Zehn Tage hat Stefan Roth in China für Luzern geworben. Jetzt erzählt er, was er erreicht und was ihn überrascht hat.

Luca Wolf
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Stefan Roth in Hongkong mit Vertretern von Charming Holidays, einem der bedeutendsten Reiseveranstalter der Millionenmetropole. (Bild: PD)

Stefan Roth in Hongkong mit Vertretern von Charming Holidays, einem der bedeutendsten Reiseveranstalter der Millionenmetropole. (Bild: PD)

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Das gilt speziell für Luzerns Stadtpräsidenten Stefan Roth. Vom 28. März bis letzten Sonntag warb er in Schanghai, Peking und Hongkong für die Touristenstadt Luzern (Ausgabe von gestern). Begleitet von Luzerns Tourismusdirektor Marcel Perren und Adelbert Bütler, Präsident der Luzern Tourismus AG, versuchte das Trio, dem riesigen Wachstumsmarkt China die Vorzüge der Stadt Luzern anzupreisen.

Stefan Roth, ni hao ma? (chinesisch; wie geht es Ihnen?)

Stefan Roth: ... (überlegt) Gut gelernt. «Ni hao» heisst Grüezi, und «xiexie» übrigens danke.

Richtig! Sie haben sich also auf die China-Reise vorbereitet?

Roth: Ja, ich habe mich von Tourismusfachleuten informieren lassen. Speziell wichtig, wurde mir gesagt, seien in China zwei Umgangsformen: immer freundlich sein und das Gegenüber immer das Gesicht wahren lassen.

Ist Ihnen das gelungen?

Roth: Fast. Einmal hatten wir ein Treffen mit chinesischen Wirtschaftsvertretern in Schanghai. Da habe ich einen Teilnehmer gefragt, ob er hier der Chef sei. Doch das ist für chinesische Verhältnisse schon eine zu direkte Frage. Denn wenn der Gesprächspartner nicht der Chef gewesen wäre, wäre es ihm peinlich gewesen, Nein zu sagen. Glücklicherweise war er der Chef – zumindest von einem bestimmten Bereich. Die korrekte Frage wäre gewesen: Wie ist Ihr Unternehmen organisiert?

Welche Eindrücke bleiben Ihnen sonst?

Roth: Die Reise war sehr arbeitsintensiv, mit langen Flügen, vielen Gesprächen, zahlreichen Repräsentationsaufgaben. Ich hatte sehr viele spannende Begegnungen. Freude hatte ich ob der Erkenntnis, dass die Stadt Luzern in China als Reisedestination sehr weit oben steht. Die Stadt Luzern ist ein Muss. Wenn Chinesen nach Europa reisen, wollen alle nach Luzern. Zudem ist ein Trend nach mehr Individualreisen spürbar. Besucher, die früher in Grossgruppen hier waren, kommen vermehrt in Kleingruppen zurück. Zudem bleiben sie tendenziell öfters nicht nur eine, sondern zwei Nächte. Das ist genau das, was wir wollen. Denn diese Touristen geben nicht nur Geld für Uhren und Souvenirs aus, sondern auch für Kultur und andere Aktivitäten.

Kultur?

Roth: Ja, Kultur ist denn auch ein wichtiger Ansatz von Luzern Tourismus und den Hotels, um die Besucher aus Asien für Übernachtungen gewinnen zu können. Die Gäste sollen ein Paket «Tourismus/Kultur» buchen und etwa nach dem Sightseeing auch ins KKL gehen. Mir selber ist im KKL schon aufgefallen, dass dort vermehrt Asiaten im Publikum sitzen. Wir wollen nun solche Angebote schaffen.

Weitere Erkenntnisse?

Roth: Ein anderer Punkt ist unser Angebot an 4-Sterne-Hotelzimmern. Zahlreiche chinesische Reiseveranstalter sagten uns, dass wir in Spitzenzeiten mehr solche Zimmer anbieten sollten. Wir werden die Reiseerkenntnisse nun innerhalb von Luzern Tourismus analysieren.

Wie wurden Sie als Stadtpräsident wahrgenommen?

Roth: Das ist ein wesentlicher Punkt. In China ist der direkte Kontakt mit den Behörden ein Schlüssel zum Erfolg. Chinesen sind sehr hierarchiebezogen. Wenn nun «der Stadtpräsident von Luzern» kommt, wie es hiess, bedeutet das für die Chinesen eine unglaublich hohe Wertschätzung. So konnte ich Brücken bauen.

Sie haben während der Reise ja nicht nur Tourismus-, sondern ganz allgemein Wirtschaftsförderung betrieben. Wie haben Sie dort Brücken gebaut?

Roth: Ich führte vor allem beim Botschaftsempfang in Peking konkrete Gespräche mit chinesischen Unternehmen, die eine Expansion nach Luzern ins Auge fassen. Etwa aus der Dienstleistungsbranche, dem Banken- oder Beratungssektor. Ich kann zwar noch nichts Konkretes sagen, bin aber überzeugt, dass ich meinen Teil leisten konnte. Es zeichnet sich ab, dass die Stadt für chinesische Investoren an Bedeutung gewinnt. Deshalb muss man solche Reisen in Kauf nehmen.

Apropos in Kauf nehmen: Die Chinesen sind ja bekannt für ihre kulinarischen Spezialitäten. Hatten Sie nie Angst, irgendetwas zu essen, das Sie sonst streicheln oder verscheuchen würden?

Roth: Nein. Wir hatten selten Zeit, die chinesische Kochkunst zu geniessen. Wenn ja, habe ich das meiste probiert. Ich wollte ein freundlichen Gast sein!

China ist nicht nur ein riesiger Wachstumsmarkt. China missachtet auch die Menschenrechte auf teils krasse Weise. Haben Sie das angesprochen?

Roth: Nein. Es liegt nicht an einem Stadtpräsidenten, solche Themen anzuschneiden.

Stefan Roth, xiexie ni, zaijian (chinesisch; danke, auf Wiedersehen).

Roth: (lacht) Bei unserer nächsten China-Reise sind Sie auch mit dabei!