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LUZERN/EMMEN: Neubad künftig in der Viscose?

2020 sind die Tage des Kulturzentrums im ehemaligen Hallenbad gezählt. Die Betreiber wollen das Projekt nicht aufgeben.
Simon Bordier
Das Neubad in Luzern hat sich zu einem beliebten Veranstaltungsort entwickelt. Im Bild: die Aufführung der Oper «Alice im Wunderland» am 27. Februar 2016. (Bild Boris Bürgisser)

Das Neubad in Luzern hat sich zu einem beliebten Veranstaltungsort entwickelt. Im Bild: die Aufführung der Oper «Alice im Wunderland» am 27. Februar 2016. (Bild Boris Bürgisser)

Simon Bordier

Seit bald drei Jahren wird das ehemalige Hallenbad an der Luzerner Bireggstrasse zwischengenutzt. Inzwischen ist das Neubad sowohl bei Veranstaltern – vom Comix-Festival Fumetto über die Musikhochschule bis zum B-Sides-Festival – als auch beim Publikum sehr beliebt. Die Veranstaltungen und das Bistro zogen im vergangenen Jahr insgesamt 83 500 Besucher an (Vorjahr: 50 000). «Die Zwischennutzung im Neubad entwickelt sich sehr positiv», konstatiert denn auch Rosie Bitterli Mucha, die Kulturchefin der Stadt Luzern. Und selbst Stadtpräsident Stefan Roth sagte vor einiger Zeit im Stadtparlament, das Neubad sei eigentlich kaum noch aus Luzern wegzudenken.

Mit dem wachsenden Erfolg rückt aber auch der Abrisstermin näher. Mittelfristig möchte die Stadt nämlich das Areal für den Bau von Genossenschaftswohnungen frei geben. Dafür ist eine Teilrevision des Bau- und Zonenreglements nötig, die zurzeit noch erarbeitet wird. Die Nutzung des alten Hallenbads ist noch bis mindestens 2020 garantiert. «Der Vertrag ist befristet, das war schon bei der Ausschreibung, die die Stadt gemacht hat, eine klare Rahmenbedingung», erklärt Bitterli. Ob die Bagger tatsächlich schon 2021 auffahren, lasse sich momentan noch nicht sagen: «Die Planungen müssen sich zuerst konkretisieren», sagt sie. «Es ist darum aus unserer Sicht jetzt nicht der Zeitpunkt, über eine Anschlusslösung nachzudenken», fügt sie hinzu.

«Nicht an Ort gebunden»

Für Aurel Jörg, Co-Präsident des Vereins Netzwerk Neubad, ist indes klar: «Es muss auch nach 2020 weitergehen.» Das im Neubad entstandene Künstlernetzwerk mit 860 Mitgliedern wolle man erhalten und weiterpflegen. «Die Idee unseres Netzwerks ist nicht an einen bestimmten Veranstaltungsort gebunden», sagt er. Diese lebe vielmehr vom Engagement freiwilliger Helfer sowie der Kooperation von Musikern, bildenden Künstlern und anderen Kreativen. Ihnen wolle man weiterhin eine Plattform zum Arbeiten, Ausstellen und Performen bieten. «Der Erfolg der letzten Jahre hat gezeigt, dass ein Ort wie das Neubad in der Region dringend gebraucht wird.»

Auch Rosie Bitterli zeigt sich von den Leistungen des Netzwerks überzeugt. So unterstützt die Stadt die Betreiber des Neubads mit jährlich 70 000 Franken, was zuletzt für Kontroversen sorgte, da die Zwischennutzung den Steuerzahler ursprünglich nichts kosten sollte (Ausgabe vom 23. Oktober 2015). Die Standortsuche sei allerdings in erster Linie Sache des Vereins, betont Bitterli. «Eventuell gibt es dann neue Möglichkeiten für Zwischennutzungen oder andere Räume, die sich eignen», erklärt sie – und wird dann konkreter: «Bis dann wird sich der Stadtraum weiter entwickeln und verändern, vor allem im Norden, rund um das Viscosi-Areal in Emmen.»

Vom ehemaligen Hallenbad in Luzern in eine alte Fabrikhalle der Viscosistadt also? Zumindest gibt es dort viel Platz. Allerdings ist das Emmer Industrieareal weniger zentral gelegen als das Gebäude an der Bireggstrasse. Für Aurel Jörg liegt ein Umzug in die Viscose allerdings «im Bereich des Möglichen»: «Bisher konzentrierte sich das kulturelle Leben auf das Stadtzentrum. Doch die aktuelle Entwicklung geht stärker in die Peripherie, wo neue urbane Zentren entstehen.» In Emmen würde sich zudem die Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern – Design und Kunst anbieten, die diesen Herbst dort ihr neues Hauptgebäude bezieht.

Theater als weitere Option

Auch in Luzern könnte Platz frei werden: Dann nämlich, wenn das Luzerner Theater von seinem jetzigen Standort in die geplante Salle Modulable zieht und das knapp 170-jährige Theatergebäude an der Reuss anderen Nutzern überlässt. So wird etwa in der Kulturhaus-Initiative gefordert, dass das Luzerner Theater dereinst als «Kultur-Haus für alle» zur Verfügung gestellt wird. Die Vorlage kommt voraussichtlich nächstes Jahr zur Abstimmung. «‹Alle› bedeutet: Auch das Netzwerk Neubad, die Interessengemeinschaft Kulturraum BOA, die freie Theaterszene und viele mehr können die Räumlichkeiten nutzen», erklärt Mitinitiant Ariel Kolly. Man wolle aber beispielsweise auch für traditionelle Vereine offen sein und richte sich an ein «sehr breites Publikum von 6 bis 99 Jahren mit ebenso einem vielfältigen Programm».

Aurel Jörg meint zum möglichen Standort Luzerner Theater: «Sollte das Kulturhaus eines Tages zu Stande kommen, bringen wir unsere Erfahrungen mit dem Neubad dort gerne mit ein.» Mit den Initianten teile man insbesondere die Ansicht, dass es mit Blick auf den geplanten Salle-Modulable-Bau einen neuen Kulturkompromiss brauche: «Die freie Szene hat genauso Anspruch auf finanzielle Mittel und Räumlichkeiten wie die etablierte Kunst.» Bis 2020 sei allerdings «noch vieles vorstellbar», betont Jörg.

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