Akademiker zieht es in die Berge – Institut «Kulturen der Alpen» wird eröffnet

Forschung im und für den Alpenraum: Am Samstag wird in Altdorf das Institut «Kulturen der Alpen» eröffnet. Ein Novum für die Universität Luzern und den Kanton Uri.

Adrian Venetz
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Ein Zeichenstein auf der Göscheneralp.

Ein Zeichenstein auf der Göscheneralp.

Bild: PD

Der offizielle Name ist etwas verwirrlich: «Urner Institut ‹Kulturen der Alpen› an der Universität Luzern». Wo steht es nun: in Luzern oder in Uri? Es ist aber auch kein alltägliches Institut, das kommenden Samstag offiziell eröffnet wird. Die neue Forschungseinrichtung befindet sich im Dätwyler-Gebäude in Altdorf, wo auch die gleichnamige Stiftung angesiedelt ist. Das Institut wird zwar eigenständig geführt, ist aber durch einen Kooperationsvertrag eng mit der Universität Luzern verbunden.

Der Urner Historiker Romed Aschwanden leitet die Geschäftsstelle. Die akademische Leitung liegt in den Händen der drei Professoren Boris Previšić, Roland Norer und Daniel Speich Chassé, die weiterhin auch an der Universität Luzern forschen und lehren. In Altdorf sollen sich Doktoranden und weitere Forscher mit «regionalen und gesamtalpinen Fragestellungen im Kontext globaler Herausforderungen auseinandersetzen», so die Pressemitteilung.

Romed Aschwanden konkretisiert: «Bereits angelaufen ist ein Forschungsprojekt, das sich mit der Erschliessung des alpinen Raums durchs Seilbahnen beschäftigt.» Zudem seien - auf einen entsprechenden Aufruf hin - einige interessante Vorschläge aus der Bevölkerung eingegangen. «Eine Bergbäuerin aus dem Schächental regte beispielsweise an, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Bergbauern zu erforschen», erklärt Romed Aschwanden. «Das könnte ein sehr spannendes Projekt werden.» In der Planung sei ein weiteres Forschungsprojekt zum Thema Wassernutzung im Alpenraum.

«Ich rechne damit, dass etwa acht Mitarbeiter regelmässig hier arbeiten.»

Das Institut konzentriert sich auf Forschungsprojekte in den drei Fachbereichen Kultur- Rechts- und Geschichtswissenschaften. Eine Auswahl der besten eingereichten Vorschläge wird anlässlich der Institutseröffnung am Samstag präsentiert. Dem Institut «Kulturen der Alpen» stehen Büroräume mit einer Gesamtfläche von rund 80 Quadratmetern zur Verfügung. «Ich rechne damit, dass etwa acht Mitarbeiter regelmässig hier arbeiten», erklärt Aschwanden. Der Standort Altdorf habe einerseits symbolischen Charakter. «Uri hat damit erstmals eine Hochschuleinrichtung im Kanton. Und die Universität Luzern kann sich als zentralschweizerisch tätige Einrichtung etablieren.»

Der Urner Historiker Romed Aschwanden leitet die Geschäftsstelle des Instituts «Kulturen der Alpen».

Der Urner Historiker Romed Aschwanden leitet die Geschäftsstelle des Instituts «Kulturen der Alpen».

Bild: PD

Es böten sich aber auch praktische Vorteile, wenn man am Ort des Geschehens - also in Uri und im Alpenraum - forsche, meint Aschwanden und spricht als Historiker etwa das Urner Staatsarchiv wie auch das Korporationsarchiv in Altdorf als wertvolle Einrichtungen für Forscher an. Ausserdem sei auch der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung für die Forschung wertvoll. Die Einrichtung biete auch die Möglichkeit, in Altdorf wissenschaftliche Tagungen durchzuführen. 

Nach der dreijährigen Pilotphase soll es weitergehen

Das neue Institut geht nun vorerst eine Pilotphase von drei Jahren. Hierfür steht ein Betrag von rund 900'000 Franken zur Verfügung: 250'000 vom Kanton Uri, 250'000 Franken von der Neuen Regionalpolitik (NRP-Projekt) und 395'000 Franken von der Dätwyler-Stiftung. Zusätzlich werden Gelder für konkrete Forschungsprojekte akquiriert, etwa beim Schweizerischen Nationalfonds.

Als Projektträger während der Pilotphase fungiert der «Verein Wissenschaft Uri», dieser besteht aus dem Kanton Uri sowie den beiden Korporationen Uri und Ursern. Die drei Professoren der Institutsleitung sind von der Universität Luzern angestellt. Geplant ist, dass mit den 900'000 Franken auch Forschungsprojekte finanziert werden. Erklärtes Ziel ist es, das Institut nach der Pilotphase definitiv weiterzuführen.

Weitere Informationen: www.kulturen-der-alpen.ch

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