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Luzerner Altstadt: Leere Lokale und Mieterwechsel häufen sich

Trotz hoher Passantenfrequenz und begehrten Top-Lagen ist in der Luzerner Altstadt momentan einiges im Umbruch – sogar eine grosse Modekette wirft bald das Handtuch. Experten wundert das nicht.
Roman Hodel
Wir starten an der Alpenstrasse, Höhe Museumplatz. Naja, nicht ganz Altstadt - aber fast. Hier wird gemäss Schaufenster-Info im Sommer ein neues Uhrengeschäft eröffnet mit den Schweizer Marken Baume & Mercier und TAG Heuer im Angebot.
Weiter geht es an die Hertensteinstrasse 17. Foto Ecker hat das Lokal bereits verlassen. Vorerst ist hier ein Outlet eingemietet. Ein definitiver Nachfolger soll laut Insidern ebenfalls schon feststehen. An derselben Adresse - im Ecklokal des ehemaligen Uhrengeschäfts Moser ist seit April überdies die Boutique von Schlossberg eingemietet. Diese befand sich zuvor am Weinmarkt.
Oha! An der Hertensteinstrasse 21 tut sich was. Boggi Milano bringt hier künftig sein Anzüge unter die Männer. Zuvor hat hier Pasito seine Schuhe feilgeboten.
Auch dieses Schaufenster kündigt seinen neuen Mieter an: Ochsner Shoes. Wir sind bei der Hausnummer 29. Hier war bis Ende April Ex Libris eingemietet - und das schon seit Jahrzehnten. Ochsner Shoes befindet sich aktuell noch am Grendel.
«Alles muss raus» heisst es an der Hertensteinstrasse 50. OVS verlässt das Gebäude nach einem kurzen Gastspiel. Um die frei werdende, zweistöckige und relativ grosse Fläche reissen sich die Interessenten laut Branchenkennern. Wussten Sie, dass sich in diesem Gebäude ursprünglich das Luzerner Coop-City-Warenhaus befand?
Wir wechseln an den Grendel. Ochsner Shoes. Hatten wir vorher schon. Zieht von der Grendelstrasse 19 weg. War hier ebenfalls langjähriger Mieter. Was folgt? Casagrande! Das Luzerner Familienunternehmen betreibt schon mehrere Uhren- und Souvenirshops in der Stadt, einen davon sogar schräg gegenüber, an der Grendelstrasse 6.
Im Nachbarhaus Grendelstrasse 21 soll im September der Moncler-Store eröffnet werden. Moncler? Genau, die Marke mit den Daunenjacken.Hier war zuletzt Kofler Next eingemietet - dieses Geschäft befindet sich inzwischen nebenan.
Die Cafeteria Emilio befindet sich an der Grendelstrasse 9. Noch. Wer künftig einzieht, ist noch nicht bekannt. Man munkelt, Breitling Uhren.
Und nun: Weggisgasse, Nummer 2. Die Falken-Apotheke ist Geschichte. Der neue Mieter zwar bekannt. Nur: Den Namen will die Hauseigentümerin aber noch nicht preisgeben.
Nur einen Katzensprung davon entfernt, an der Weggisgasse 17 (ehemals Kofler), zieht Hunkemöller mit seinen Dessous ein. Wann das Geschäft eröffnet wird, ist immer noch unklar.
Ebenso unklar ist die Zukunft von «Schild» an der Kramgasse 2. Gemäss der Hauseigentümerin läuft der Mietvertrag im Februar 2019 aus und ein neuer Mieter steht fest. «Globus» (zu dem «Schild» gehört) sagt hingegen, ihre Standortanalyse für das mehrstöckige Lokal laufe noch. Hier befand sich bis 2004 das Modehaus Spengler.
Um die Ecke liegt der Weinmarkt 7. «Bodum» verlässt das zweistöckige Lokal. Wer es danach anmietet, ist offen. Die Hauseigentümerin sagt, es werde ein Nutzungskonzept erarbeitet.
«Bodum» bleibt dem Weinmarkt aber treu. Neu ist der Shop im Haus Nummer 11 gegenüber präsent.
Auf geht es an den Hirschenplatz: Wo zuletzt Mädels strippten, im Cabaret Hirschen, ist kürzlich «UPC» eingezogen.
Ganz in der Nähe liegt das Werchlaubengässli 8. Das Lokal ist noch zu haben. Der letzte Mieter warf das Handtuch vor zwei Monaten.
Wer folgt auf den Silver-Shop an der Eisengasse? Noch gibt es keinen Ersatz.
Wir wechseln an die Kapellgasse, genauer die Hausnummer 26. Ein Lokal steht leer, im anderen befindet sich ein Outlet-Store. Und in Zukunft?
Es war die erste Filiale von H&M in Luzern... an der Kapellgasse 11. Im nächsten Frühjahr ist allerdings Schluss. Der Hauseigentümer sucht schon seit Monaten nach einem Ersatz - bislang erfolglos.
Auch dieses Lokal an der Kapellgasse 8 ist nicht vermietet. Während Jahrzehnten war Herren Globus eingemietet.
Bye bye ABM-Gebäude. An der Kapellgasse hat der Rückbau begonnen. Wer im Neubau auf den Verkaufsetagen einzieht, ist noch offen.
Und zum Schluss noch dies: Ein Nachfolger für das Schuhgeschäft Riesen an der Ledergasse 11 steht noch nicht fest. (Bilder: Pius Amrein (Luzern, 5. Juli 2018))
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Bewegung im Ladenmix: Der etwas andere Rundgang durch Luzern

«Schliesst bald ein Kleider-Multi in der Stadt Luzern?», fragte unsere Zeitung im vergangenen Oktober. Gemeint war die Filiale von H&M an der Kapellgasse. Grund: Dessen Lokal war zur Vermietung ausgeschrieben, diskret. Man wolle bloss neue Möglichkeiten ausloten, liess der Hauseigentümer damals verlauten. Und bei H&M hiess es, dass man «Gerüchte nicht kommentiere».

Nun ist klar: Der schwedische Modegigant gibt den Standort nächstes Jahr auf, wie eine Sprecherin bestätigt. Nach den Gründen gefragt, schreibt sie in PR-Sprache: «Neben der Eröffnung von neuen Stores überprüfen wir das Store-Portfolio, um sicherzustellen, dass wir den optimalen Mix aus Brands, Verkaufsfläche und Kundenangebot offerieren können. Dies kann zu Standortwechseln, Vergrösserung von Geschäftsflächen und auch Schliessungen führen.» Alle Mitarbeitenden würden in anderen Läden weiterbeschäftigt. H&M hat erst letzten November eine neue Filiale in der Mall of Switzerland eröffnet und 2015 eine im Bahnhof Luzern.

Laut dem Hauseigentümer läuft der Mietvertrag im Frühjahr aus: «Wir haben bereits Interessenten aus den Branchen Innendeko, Mode und Lebensmittel – unterschrieben ist aber noch nichts.» Die Altstadt sei seit einiger Zeit ein schwieriges Pflaster. Jetzt umso mehr, da gleich mehrere Ladenlokale leer stünden. Entsprechend zögerlich verhielten sich Interessenten für grössere Flächen. «Viele warten an der Kapellgasse erst ab, wer in den C&A-Ersatzneubau einziehen wird.»

«Die Kapellgasse ist schon ewig ein Problem»

Der Wegzug von H&M ist kein Einzelfall: Mehr als 20 Ladenlokale in der Altstadt haben in den letzten Monaten einen Mieterwechsel hinter, respektive vor sich – oder stehen leer (siehe Grafik rechts). Das ist erstaunlich: Noch vor wenigen Jahren rissen sich die Detailhändler hier um Verkaufsflächen. Denn bei den meisten Gassen handelt es sich um Top-Lagen mit hoher Passantenfrequenz, aber auch ebenso hohen Mietzinsen.

«Die Marktsituation hat sich durch den Onlinehandel verändert, hinzu kommt, dass diverse Ketten wie Spengler oder Schild verschwunden oder übernommen worden sind – das ist nun spürbar», sagt Detailhandelsexperte Gotthard F. Wangler. «Dennoch ist die Altstadt nach wie vor top – allerdings kommt es darauf an wo.» Der Luzerner kennt die hiesigen Verhältnisse bestens und hat schon manchen Ladenlokal-Deal eingefädelt. Er sagt: «Auf der Achse Hertensteinstrasse-Weggisgasse bringen Sie auch heute noch jedes Lokal weg.» Anders die Achse Weinmarkt-Kapellgasse. «Die ist schon ewig ein Problem, weil Zugpferde fehlen.» Auf der anderen Achse seien mit Coop-City, Manor und Migros allein drei Grosse präsent.

Trotzdem hätten manche Eigentümer an der Kapellgasse utopische Mietzinsvorstellungen, weshalb die Lokale dann leer stünden. «Allgemein ist die Zeit hoher Mietzinse vorbei», sagt Wangler – und gibt zu bedenken, dass Luzern zwar günstiger ist als Zürich, aber eben doch nicht so weit von den dortigen Mietpreisen entfernt.

Zur Häufung von Mieterwechseln und leeren Ladenlokalen in der Altstadt sagt er: «Klar hätte jeder Vermieter gerne langjährige Mieter, aber auch das ist heute anders – der Detailhandel ist viel schnelllebiger geworden.» Und: Die Ansprüche anders. «Kaum jemand will heute noch Ladenflächen verteilt über mehrere Etagen, sondern am liebsten alles ebenerdig und je nach Branche auch nicht zu gross», sagt Wangler. «Einerseits sieht der Kunde so das ganze Sortiment auf einen Blick, und andererseits spart man Personalkosten.» Vor allem mittelgrosse Ladenlokale über mehrere Etagen hätten Mühe. Grosse Ladenlokale über mehrere Stockwerke hingegen seien in der Luzerner Altstadt nach wie vor gefragt, weil rar. «Deshalb herrscht auch ein Gerangel um die Nachfolge von OVS an der Hertensteinstrasse oder allenfalls Schild an der Kramgasse», weiss Wangler, ohne Namen nennen zu wollen.

«In Luzern ist viel mehr los als in St. Gallen»

Den Trend hin zu ebenerdigen Ladenlokalen und kleineren Flächen stellt auch die City Vereinigung Luzern fest: «Der enorme Druck und der Wandel im Detailhandel wird zunehmend sichtbar», sagt Vorstandsmitglied André Bachmann. «Die Margen sinken aus bekannten Gründen kontinuierlich, folglich müssen die Fixkosten gesenkt werden.» Der grösste Hebel setze bei Mietkosten und Personal an. «Es geht aber nicht um das Drücken der Löhne, sondern um die Steigerung der Produktivität, und das ist nur in Verkaufslokalen möglich, welche sich mit weniger Personal in gleicher Qualität bewirtschaften lassen.»

Trotzdem sieht Bachmann diese Entwicklung nicht nur negativ: «Kleine Ladenlokale ermöglichen Startups und kleinen Brands Chancen.» Verglichen mit ähnlich grossen Städten wie St. Gallen oder Winterthur sei in Luzern zudem viel mehr los. Und: «Über 60 Prozent der Gäste stammen aus der Schweiz. Diese suchen keine Uhr und nicht die internationalen Ketten, sondern die spannende Entdeckung», so Bachmann. Als City Vereinigung kämpfe man primär für attraktive Rahmenbedingungen. «Diesbezüglich sind wir heute viel politischer unterwegs als früher», sagt Bachmann. Als Beispiel nennt er den Einsatz für die Parkierung, die Attraktivierung des öffentlichen Raumes und eben auch die Öffnungszeiten: «Es macht einfach keinen Sinn, wenn die Läden schliessen müssen, wenn die Kundschaft da ist.»

Schmuddelige Abschrankungen rufen Quartierverein auf den Plan

Die Häufung von leeren Ladenlokalen und Mieterwechseln bleibt Pierre Rügländer, Präsident des Quartiervereins Altstadt, ebenfalls nicht verborgen. Störend sei vor allem, wie die leeren Lokale teils daherkämen: «Es gibt solche, die wischen nicht einmal den Boden, wenn der Mieter ausgezogen ist – das ist einfach nur grüselig.» Andere würden wenigstens dafür sorgen, dass die Schaufenster oder Bauabschrankungen ansprechend plakatiert werden. Gemäss Rügländer sucht der Quartierverein bei ungepflegten leeren Lokalen schon mal das Gespräch mit dem Vermieter. «In den meisten Fällen wirkt sich das positiv aus.» Mieterwechsel habe es grundsätzlich schon immer gegeben. Rügländer: «Dass es immer schneller geht und in gewissen Gassen fast nur noch Ketten oder Uhrengeschäfte präsent sind, ist halt eine Zeiterscheinung.»

Der Eigentümer der Kapellgasse 11, wo heute noch H&M eingemietet ist, gibt sich sowieso optimistisch: «Eine Altstadt wie jene von Luzern, mit ihren vielen Touristen, wird immer Läden brauchen – auch noch in 30 Jahren.»

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