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Luzerner Art-déco-Laden schliesst wegen Billig-Konkurrenz

Nach 26 Jahren räumt Dominik Weingartner sein Geschäft mitten in Luzern. Damit verschwindet ein Stück Kultur.
Hugo Bischof
Muranoglas-Vasen für 1800 Franken das Stück: Dominik Weingartner in seinem Antiquitätengeschäft Excalibur-L`Art Decoratif. Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 11. September 2019)

Muranoglas-Vasen für 1800 Franken das Stück: Dominik Weingartner in seinem Antiquitätengeschäft Excalibur-L`Art Decoratif. Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 11. September 2019)

Es gibt sie noch – die mit viel Sachkenntnis und Liebe betriebenen Antiquitätengeschäfte in Luzern, in denen man exquisiten Dekorationsgegenstände für daheim kaufen kann. Mit Betonung auf «noch». Denn just in diesen Tagen muss eines der letzten dieser Art schliessen: «Excalibur – l’Art Decoratif» an der Stiftstrasse 2, Ecke Haldenstrasse. Geschäftsführer ist der 68-jährige Dominik Weingartner. Er hat den Laden, den er als grosser Schottland-Fan nach dem Schwert von König Artus benannte, vor 26 Jahren eröffnet. «Damals lief es gut», sagt er, «doch in den letzten Jahren nahm die Kundschaft stetig ab.» Die Geschäftsaufgabe sei deshalb leider unvermeidlich. Weingartner sagt:

«Das Problem ist, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft vermehrt billige Souvenir- und Uhrenläden einnisten und die Gegend für Liebhaber von Qualitätsware abwerten.»

Zudem deckten sich viele Leute lieber in grossen internationalen Einrichtungshäusern mit «Deko-Ramsch» ein, wie es Weingartner nennt.

Prominente Kunden kauften bei ihm ein

Früher gingen die Kunst- und Antiquitätenhändler bei Weingartner ein und aus. Auch Stars kauften bei ihm ein. Etwa Hollywood-Schauspieler Christopher Lee («Dracula», «Herr der Ringe»). Was dieser erwarb, verrät Weingartner nicht. Diskretion war für ihn als Geschäftsmann stets Ehrensache.

Der Räumungsverkauf dauert bis Ende November. Mit 30 Prozent Rabatt können Liebhaber jetzt nochmals tüchtig zupacken. Zu haben sind Vasen, Silberwaren, Skulpturen und vieles mehr – alles edle Stücke, «von 1800 bis heute», sagt Weingartner. Prominent ausgestellt im Laden sind Muranoglas-Vasen aus der berühmten italienischen Manufaktur von Egidio Costantini. Ein besonderes schönes Paar von 1956 kostet mit Rabatt noch 1800 Franken pro Stück. Daneben stehen einige Costantini-Vasen für je 600 Franken. «Costantini liess nur Meister-Glasbläser mit mindestens 20 Jahren Berufserfahrung für sich arbeiten», sagt Weingartner. Deshalb die hohe Qualität.

Weingartner weiss über jedes Objekt eine Geschichte zu erzählen. Der Keramik-Blumenständer von Clément Massier von 1890 etwa sei bei 1400 Grad Hitze gebrannt worden. «Danach musste er sehr langsam herabgekühlt werden, damit er nicht zerbarst.» Weingartner verkauft nur Originale. Wenn ihm jemand etwas Unechtes andrehen wolle, erkenne er dies. Er sagt stolz:

«Ich habe nie eine Fälschung verkauft.»

Auch alte Silberwaren bietet Weingartner an. Darunter Raritäten wie einen Speisewarmhalter von 1823 vom Schmiedmeister des englischen Königshauses. Oder einen Tantalus, einen Flaschenhalter, in dem man Whiskey-Flaschen einschliessen konnte, «damit sie nicht vom Personal getrunken oder mitgenommen wurden», sagt Weingartner schmunzelnd.

Im Herzen ein Heavy-Metal-Rock ’n’ Roller

Weingartner ist gelernter Buchdrucker und hat sich schon früh für Kunst interessiert. «Dass sein Antiquitätenladen nun schliessen muss, ist ein riesiger Kulturverlust für Luzern», sagt Josef Schasching. Der ehemalige Lateinlehrer, der in Luzern und Reussbühl unterrichtete, hilft seit Jahren in Weingartners Geschäft aus. Schasching erklärt:

«In der sogenannten Kulturstadt Luzern spielt sich Kultur vorwiegend im KKL ab; hier, auf der anderen Seeseite, merkt man davon nicht viel.»

Schasching ärgert sich auch darüber, dass die Stadt die einst versprochene Aufwertung und Begrünung der Stiftstrasse nie realisiert habe.

Was bis Ende November nicht wegkomme, werde er versteigern, sagt der gesundheitlich angeschlagene Weingartner, die wertvollsten Stücke bei Christie’s in London. Danach will er mehr Zeit in Südfrankreich verbringen, mit seiner Ehefrau Doris. Oder auch in London. Im Herzen sei er Rock ’n’ Roller, gesteht Weingartner. Kürzlich liess er sich in Brighton einen Gehstock mit Totenschädel und Knochen anfertigen – «vom berühmten Schmuckdesigner Paterson Riley, der auch Iggy Pop und viele Heavy-Metal-Grössen ausstattet», so Weingartner. Mehrere massive Fingerringe Rileys mit den charakteristischen, satanisch angehauchten Motiven besitzt er schon – Sammler bleibt eben Sammler.

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