Luzerner Autobahnzubringer Spange Nord: Das sind die Favoriten

Ein Ingenieurbüro rechnet im Auftrag der Luzerner Regierung alle möglichen Varianten
der Spange Nord durch. Die erste Phase überstanden haben unter anderem die Minimallösung – und eine sehr teure.

Robert Knobel
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Zurück an den Absender: Dieses Verdikt fällte der Luzerner Kantonsrat im Mai 2018 über das Projekt Spange Nord. Die Regierung erhielt den Auftrag, den Nordzubringer (Schlossberg-Lochhof/A2) noch einmal gründlich zu überarbeiten und Alternativen zu prüfen. Der Regierungsrat übertrug diese Aufgabe an ein externes Ingenieur-Büro (wir berichteten). Dieses erhielt den Auftrag, möglichst viele Szenarien und Varianten durchzuspielen. Dazu gehören auch jene, die mit dem ursprünglichen Projekt kaum mehr etwas gemein haben – etwa eine Brücke über den Rotsee zum Sedel.

Von den 43 untersuchten Varianten kommt nun eine Handvoll in die engere Auswahl. Sie sind alle grundsätzlich erfolgsversprechend. Ob sie aber auch praxistauglich sind, etwa bei extrem hohem Verkehrsaufkommen, muss sich erst noch weisen. Ebenso muss die finanzielle Machbarkeit näher untersucht werden. Die entsprechenden Abklärungen sollen in den nächsten Monaten stattfinden. Im Herbst soll dann ein «Siegerprojekt» feststehen, das die Regierung dem Kantonsrat präsentieren will. Bei den ausgewählten Varianten handelt es sich um Folgende:

  • 1. Basisvariante Spange Nord: Dazu gehört eine Fluhmühlebrücke über die Reuss, die Öffnung des Autobahnanschlusses Lochhof, ein Friedentaltunnel und der Ausbau der Friedentalstrasse. Als zusätzliche Option soll ein Verzicht auf die Fluhmühlebrücke geprüft werden.
  • 2. Variante Rosenbergtunnel: Neben dem Friedentaltunnel soll ein zweiter Tunnel im Gebiet Rosenberg die Wohnquartiere im Maihof vom Verkehr entlasten. Auch bei dieser Variante soll als weitere Option der Verzicht auf die Fluhmühlebrücke geprüft werden.
  • 3. Variante langer Tunnel: Die Spange Nord soll zwischen Lochhof und Schlossberg durchgehend unterirdisch verlaufen, allenfalls mit zusätzlicher Ausfahrt Sedelstrasse. Auch hier soll die Fluhmühlebrücke optional sein.
  • 4. Variante Haldenstrasse: Die Spange Nord wird unterirdisch vom Schlossberg bis zur Haldenstrasse verlängert. Damit könnte das Gebiet Löwenplatz/Zürichstrasse und die Haldenstrasse entlastet werden. Die Kosten wären aber mit über 1 Milliarde Franken extrem hoch.
  • 5. Nur Fluhmühlebrücke: Die Brücke und der Anschluss Lochhof würden gebaut, auf eine Anbindung und den Ausbau der Friedentalstrasse hingegen verzichtet. Damit würden die Gebiete westlich der Reuss besser an die A2 angeschlossen und insbesondere auch die Baselstrasse vom Verkehr entlastet.
  • 6. Verzicht auf die Spange Nord: Es werden keine neuen Strassen gebaut, dafür aber neue Busspuren in der Stadt Luzern. Dies wäre wohl im Sinne des Luzerner Stadtrats. Die Kantonsregierung hat diese Variante bisher aber immer strikte abgelehnt: Eine durchgehende Busspur in der Innenstadt (vom Kupferhammer bis zum Löwenplatz) würde einen Kapazitätsabbau für den Autoverkehr bedeuten. Und ein solcher sei nur möglich, wenn die Spange Nord gebaut wird. Sämtliche erwähnten Varianten der Spange Nord enthalten denn auch Massnahmen für den öffentlichen Verkehr in der Innenstadt.

Die weitere Prüfung der Varianten erfolgt ebenfalls durch die externen Experten. Denn, so betont der Luzerner Baudirektor Robert Küng (FDP): «Es handelt sich im jetzigen Stadium um einen rein fachlichen Prozess, nicht um einen politischen.» Mit der Vergabe an ein externes Büro signalisiere die Regierung, dass man die Frage der Spange Nord nochmals von Grund auf und möglichst neutral untersuchen wollte.

Hinweis: Weitere Infos zur Spange Nord unter https://gesamtsystem-bypass.lu.ch/

Luzern: «Spange Nord» muss ins Prüflabor

Externe Fachleute sollen das Projekt Spange Nord nochmals von Grund  auf durchleuchten. Dabei dürfe es keine Tabus geben, betont die Luzerner Kantonsregierung.
Robert Knobel