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Luzerner Bäume unter Dauerstress

Nicht nur Wiesen und Fische leiden unter dem warmen und trockenen Klima, sondern auch Bäume. Mit Auswirkungen auf die Forstwirtschaft: Fichten und Buchen sind gestresst und geschwächt. Dadurch haben Schädlinge leichtes Spiel.
Chiara Zgraggen
Eine vom Borkenkäfer befallene Baumrinde: Peter Lang senior, Geschäftsführer der gleichnamigen Schreinerei, produziert aus «Käferholz» Einwegprodukte. (Bild: Pius Amrein (Hochdorf, 24. August 2018))

Eine vom Borkenkäfer befallene Baumrinde: Peter Lang senior, Geschäftsführer der gleichnamigen Schreinerei, produziert aus «Käferholz» Einwegprodukte. (Bild: Pius Amrein (Hochdorf, 24. August 2018))

Äste brechen ab, die Rinde löst sich vom Stamm und die Blätter verfärben sich. Es ist offensichtlich: Allerlei Bäume kämpfen mit der Hitze und Trockenheit dieses Sommers. Laut Miguel Zahner, Fachbearbeiter Schutzwald der Luzerner Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern, reagieren die Laubbäume durch die Wasserknappheit mit einem Schutzmechanismus: Durch die Herbstverfärbung und den Blattabwurf werde weniger Wasser durch die Blätter verdunstet. Daraus resultiere, dass der Baum nicht weiter wachse und schwach werde.

Derzeit werden zur Vermeidung von Unfällen vielerorts Bäume gefällt. Selbst grosse alte Bäume sind betroffen. So musste beispielsweise eine 152 Jahre alte Buche in Winterthur gefällt werden. Der Grund: Durch die anhaltende Trockenheit zieht sich das Holz zusammen. Dies hat zur Folge, dass Äste wie aus heiterem Himmel abbrechen und hinunterfallen.

Auch Bäume in Schutzwäldern betroffen

Bäume ohne tiefe Wurzeln leiden laut Miguel Zahner besonders unter der Hitze. Denn der Oberboden trocknet schneller aus, die Wurzeln reichen aber nicht bis ins tiefer liegende Grundwasser. Deshalb verdorre der Baum und sterbe im schlimmsten Fall ab. Laut Miguel Zahner sind auch Bäume aus dem Schutzwald betroffen. Er relativiert jedoch: «In gut gepflegten und stabilen Schutzwäldern ist kaum mit Einbussen zu rechnen. Dort übernimmt ein anderer Baum die Schutzaufgabe». Denn in einem funktionierenden Schutzwald befinden sich verschiedene Baumarten jeglichen Alters. Wie es konkret um die Schutzwälder steht, könne aber erst im nächsten Jahr beurteilt werden.

Wie Christian Siegrist, Förster in der Waldregion Seetal-Habsburg, berichtet, leiden auch «seine» Wälder unter dem diesjährigen Hitzesommer. Besonders die Fichte, die 40 Prozent des Luzerner Waldes ausmache, könne die Trockenheit kaum verkraften. «Die Fichte ist gestresst. Da die Wurzeln nur ungefähr 50 Zentimeter in den Boden reichen und es bisher nur wenig Niederschlag gab, trocknet sie aus».

«Die Fichte kann sich nicht gegen Schädlinge wehren.»

Christian Siegrist, Förster

Dadurch hätten Borkenkäfer – insbesondere der Buchdrucker, welcher nur Fichten befällt – momentan leichtes Spiel. «Die Fichte kann sich nicht wie sonst gegen die Schädlinge wehren», erklärt Siegrist. Daraus resultieren die kahlen Stämme. Um die Vermehrung der Borkenkäfer einzudämmen, werden derzeit in Luzerns Wäldern Bäume gefällt. Bis dato fielen 40 bis 50 Fichten den Schädlingen zum Opfer. Siegrists Appell an alle Waldbesitzer: «Prüft Eure Wälder.» Nur so könne eine grössere Borkenkäfer-Plage verhindert werden.

Beim Laubholz leide vor allem die Buche unter der lang anhaltenden Trockenheit. Sollte der nächste Sommer kein aussergewöhnlich trockener werden, könnten sich die Buchen wieder erholen, so Siegrist. Längerfristig werde aber eine Veränderung stattfinden. Laut dem Förster wird momentan geforscht, ob andere Baumsamen, beispielsweise aus Kroatien, in Frage kämen. Diese seien an ein wärmeres Klima gewöhnt und kämen auch mit harten Wintern gut zurecht.

Auch sei die Mischung der Baumarten der Luzerner Wälder suboptimal: Das Verhältnis zwischen Fichten (40 Prozent), Weisstannen (33 Prozent) und Buchen (17 Prozent) sei nicht standortgerecht.

«Käferholz» kann weiterverwendet werden

Bäume, die durch Borkenkäfer befallen wurden, müssen schnell gefällt werden. Ansonsten ist die Gefahr gross, dass die Käfer sich rasant vermehren und weitere Bäume beschädigen. Nachdem durch Borkenkäfer befallene Bäume gefällt sind, werden sie zu einer Sägerei gebracht. Laut Peter Lang senior, Geschäftsführer und Inhaber der Sägerei Lang in Hochdorf-Ligschwil, besteht momentan ein Überangebot an Rundholz. Dies sei nicht nur auf die Notfällungen zurückzuführen, sondern auch auf die Winterstürme, denen viele Bäume zum Opfer fielen.

Da das «Käferholz» nicht lagerfähig sei, müsse es schnell gesägt und getrocknet werden, so Peter Lang. Doch die Absatzmöglichkeiten seien beschränkt, denn: Das Holz ist aufgrund des Borkenkäfers bis zu zehn Zentimeter blau verfärbt. Das Holz ist dennoch brauchbar. «Wir produzieren aus dem Käferholz Einwegprodukte wie beispielsweise Kisten oder Paletten. Bevor das Holz dazu verwendet werden kann, muss es aber zuerst erhitzt werden», so der Fachmann. Das sei eine internationale Norm, um die Verbreitung von Käfern und Pilzen in andere Länder oder gar Kontinente zu verhindern.

Kein Christbaum in diesem Jahr?

Wie diverse britische Medien berichten, beschweren sich die dortigen Christbaumproduzenten über die Trockenheit. So schilderte ein Bauer gegenüber dem Sender «BBC», es habe seit zwei Monaten nicht mehr geregnet. 10000 seiner Bäume – ein Viertel des Bestandes – seien aufgrund der Hitzewelle eingegangen. Da er normalerweise jeden Baum für 50 Pfund verkaufe, verbuche er in diesem Jahr ein Rückgang von einer halben Million Pfund (rund 630 000 Franken).

Für Guido Wicki, Christbaumproduzent in Römerswil, ist die Situation in der Schweiz nicht so problematisch wie in Grossbritannien. Die geringen Regenfälle hätten seinen Tannen gar genützt: Da die Bäume nie über längere Zeit zu viel Feuchtigkeit ausgesetzt gewesen seien, sei es zu keinerlei Problemen mit Pilzbefall gekommen. Er habe dennoch Schäden an einem Fünftel seiner Bäume festgestellt. Besonders betroffen seien Fichten – dies sei aber kein Problem, da die Nachfrage nach dieser Tanne immer mehr abnehme. (zgc)

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