Luzerner Bauern droht noch höhere Verschuldung

Tiefe Zinsen verlocken Landwirte, Geld bei Banken statt bei der Landwirtschaftlichen Kreditkasse des Kantons Luzern aufzunehmen. Der Präsident des Bauernverbands warnt.

Lukas Nussbaumer
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Viele Luzerner Bauern setzen auf die Milchwirtschaft - ein Betriebszweig mit hohem Kapitalbedarf. (Symbolbild: Boris Bürgisser)

Viele Luzerner Bauern setzen auf die Milchwirtschaft - ein Betriebszweig mit hohem Kapitalbedarf. (Symbolbild: Boris Bürgisser)

Neuer Kuhstall, mehr Ackerland, Umstellung auf den biologischen Landbau: Bauern brauchen wie andere Unternehmer immer mal wieder Geld, um ihre Betriebe auf dem neusten Stand zu halten oder um sie zu erweitern.

Reicht das Ersparte nicht, hilft zum Beispiel die Landwirtschaftliche Kreditkasse des Kantons Luzern. Sie verteilte in den letzten Jahren pro Jahr rund 40 Millionen Franken an die Landwirte – zinslos, zurückzuzahlen in der Regel innerhalb von 10 bis 18 Jahren. Doch im vergangenen Jahr ist die ausbezahlte Summe von 42,4 Millionen Franken im Jahr 2017 auf 33,2 Millionen eingebrochen.

Bankkredite sind sehr schnell erhältlich

Mit Geld bereit stehen nämlich nicht nur die Kreditkasse, sondern auch die Banken. Im Kanton Luzern sind dies hauptsächlich die Luzerner Kantonalbank, die Raiffeisenbanken und die Filialen der Valiant. Sie locken Kunden derzeit mit rekordtiefen Zinsen, Kredite aufzunehmen.

Geld von der Bank kann für einen Landwirt trotz Zinslast attraktiv sein, weil sie über einen längeren Zeitraum zurückbezahlt werden können als bei der Kreditkasse und weil ein Bankkredit sehr schnell erhältlich ist. Bei der Kreditkasse entscheidet der Vorstand pro Jahr nur sieben- bis achtmal über die jährlich rund 200 eintreffenden Gesuche.

Bank-Geld statt Darlehen von der Kreditkasse

Laut Jakob Lütolf, Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands (LBV), ist die «Versuchung für Landwirte aktuell sehr gross, von den Banken schnell billiges Geld zu holen». Die Gefahr einer steigenden Verschuldung war kürzlich denn auch Thema einer Sitzung des LBV mit Vertretern von Treuhandstellen und der Landwirtschaftlichen Kreditkasse.

Es komme vermehrt dazu, dass Bauern ihre zinslosen Darlehen bei der Kreditkasse durch Mittel von der Bank ablösen würden, zitiert die «Bauernzeitung» aus diesem Treffen.

«Wir können nicht mehr tun, als zu warnen»

Jakob Lütolf betont, der LBV weise Bauern bei Beratungsgesprächen immer wieder auf die Risiken einer zu hohen Schuldenlast hin. «Wir können nicht mehr tun, als zu warnen», sagt der 52-jährige Meisterlandwirt, der in Wauwil in einer Betriebsgemeinschaft einen knapp 40 Hektar grossen Milchwirtschafts- und Ackerbaubetrieb führt.

Wie begründet die Warnungen vor schnellen Kreditgeschäften sind, zeigt der Verschuldungsgrad der Luzerner Landwirte. Er liegt mit etwas über 50'000 Franken pro Hektare landwirtschaftlicher Nutzfläche fast doppelt so hoch wie im schweizweiten Mittel. Der durchschnittliche Luzerner Bauer mit einer Betriebsfläche von etwas mehr als 16 Hektaren ist also mit rund 850'000 Franken verschuldet.

Weniger Schweineställe, früher schon viel investiert

Samuel Brunner leitet die Landwirtschaftliche Kreditkasse des Kantons Luzern. Auch er warnt vor einer zu hohen Schuldenlast und sagt: «Es gibt bei den Bauern genauso wie bei anderen Berufsgruppen unterschiedliche Denkweisen. So kommt es vor, dass Landwirte auf günstig und schnell erhältliches Geld von der Bank setzen.» Das sei aber nicht der Hauptgrund für den Rückgang der ausbezahlten Agrarkredite. Die Summe sei vor allem deshalb gesunken, weil 2018 aufgrund von weniger Gesuchen allein für Tiefbaumassnahmen vier Millionen Franken weniger ausbezahlt worden seien als im Vorjahr.

Dazu komme eine restriktivere Haltung der Bewilligungsbehörden für neue oder grössere Schweine- und Geflügelställe. Ausserdem hätten die Luzerner Bauern in der Vergangenheit bereits sehr viel investiert, weshalb der Kreditbedarf im letzten Jahr weniger hoch gewesen sei. Heuer lägen die Zahl der Gesuche und die Höhe der ausbezahlten zinslosen Kredite wieder über den Werten von 2018, so Brunner.

Bankvertreter sitzt im Vorstand der Kreditkasse

Der Kreditexperte glaubt nicht, dass sich viele Luzerner Bauern wegen des aktuell tiefen Zinsniveaus höher verschulden. Schliesslich befänden sich die Zinsen schon länger im Keller. Der 40-jährige Rothenburger sagt:

«In Einzelfällen wird es aber zu höheren Schulden kommen.»

Grund für seine Zuversicht sei auch die gute Zusammenarbeit mit den Banken. «Wir befinden uns in keiner Konkurrenzsituation. Viele Berater schicken Bauern, die einen Bankkredit beantragen, erst einmal zu uns.» Beweis für das gute Einvernehmen zwischen Kreditkasse und Banken sei auch die Einsitznahme eines Vertreters der Luzerner Kantonalbank (LUKB) im Vorstand der Kreditkasse.

LUKB-Mediensprecherin Ursi Ineichen sagt, Kredite im Bereich der Landwirtschaft würden «keine Auffälligkeiten bezüglich Wachstum» zeigen. Die Zusammenarbeit mit der Kreditkasse sei «sehr gut». Insgesamt vergab die LUKB zwischen Ende 2018 und dem 30. September dieses Jahres Kredite in der Höhe von 32,3 Milliarden Franken. Das entspricht einem Wachstum von 5,3 Prozent.

Von der Hilfs- zur Kreditkasse

Die sechs Mitarbeiter der Landwirtschaftlichen Kreditkasse des Kantons Luzern bearbeiten pro Jahr etwa 200 Gesuche. Dabei geht es um finanzielle Hilfe für Haus- und Stallbauten, für Landkäufe, Betriebsübernahmen oder Umstellungen auf den biologischen Landbau.
Lukas Nussbaumer